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URI: Leukämie-Kranker will Leben retten

Er selber hat einen Spender gefunden. Mit einer Aktion hat Patrik Arnold (23) gestern sein Mögliches gemacht, damit auch andere dieses Glück haben können.
Florian Arnold
In Altdorf lassen sich diese jungen Frauen wie viele andere für die Blutstammzellen-Datenbank registrieren. Dazu müssen sie ein paar persönliche Angaben machen und mit einem Wattestäbchen eine Speichelprobe abgeben. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

In Altdorf lassen sich diese jungen Frauen wie viele andere für die Blutstammzellen-Datenbank registrieren. Dazu müssen sie ein paar persönliche Angaben machen und mit einem Wattestäbchen eine Speichelprobe abgeben. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Florian Arnold

Ein Wattestäbchen und ein Formular: Mehr braucht es nicht, um Lebensretter zu werden. Bereits mit einer einzigen Speichelprobe kann man sich in die internationale Datenbank für Blutstammzellen eintragen lassen – und so zum potenziellen Spender für Leukämie-Patienten werden. Und genau das taten Hunderte Urner gestern im Kolpinghaus in Altdorf.

345 neue Registrierungen

Schon morgens kurz nach 11 Uhr standen die Leute Schlange. «Ohne solche Aktionen kommt einem gar nicht in den Sinn, sich irgendwo registrieren zu lassen», sagt der Altdorfer Ralph Bomatter. Und seine Freundin Michaela Jauch ergänzt: «Dabei geht alles ganz schnell und tut nicht weh.» Einzelne Personen reisten sogar von ausserhalb des Kantons an, wie etwa Patrizia und Albert Iten mit ihrem 4-jährigen Sohn Sascha, der allerdings noch etwas zu klein ist, um als Spender in Frage zu kommen. «Es war kurz und schmerzlos», fasste Patrizia Iten zusammen. Bis zum Schluss der Aktion meldeten sich 345 Personen neu an. Damit wurde die internationale Datenbank, in die heute 28 Millionen Menschen eingetragen sind, um ein schönes Stück erweitert.

«Andere sollen auch Glück haben»

Hinter der Registrierungsaktion steckt der 23-jährige Unterschächner Patrik Arnold. Er selber erhielt im Februar die Diagnose Leukämie (Blutkrebs). Mittlerweile wurde für ihn ein Spender gefunden. «Ich möchte aber, dass auch andere dieses seltene Glück haben können», sagt Arnold.

Es war Fasnacht und deshalb machte sich der 23-Jährige keinen Kopf, als ihn Müdigkeit und Rückenschmerzen plagten. Doch nach der umtriebigen Zeit gingen die Symptome nicht weg. Sein Hausarzt nahm Blut. Noch am selben Tag lag die Diagnose vor. «Das war ein Riesenschock», erzählt der junge Urner. «Alle Pläne werden mit einem Schlag über den Haufen geworfen. Das macht traurig.» Die Diagnose zu erhalten, sei das eine gewesen. «Viel schlimmer war es für mich aber, alles meinen Freunden und Verwandten mitzuteilen.» Die Ärzte machten ihm nichts vor: Ein halbes Jahr würde er mindestens nicht arbeiten können. Zudem musste er mehrere Wochen im Isolationszimmer verbringen. Eine harte Zeit für den Schächentaler. «Ich habe zu mir gesagt: Pädi, jetzt darfst du den Grind nicht hängen lassen.» Es habe bessere und schlechtere Tage gegeben. Doch bis jetzt habe er immer durchgebissen. «Für mich war es immer, als ob ich in einem Tunnel stecken würde, bei dem man vor nichts ausweichen kann.»

Zurzeit erholt sich der Unterschächner im Elternhaus von der dritten Chemotherapie. «Ich muss mich möglichst gut ausruhen», weiss er, denn schon bald stehen nächste Behandlungen an. Seine Kräfte reichen für einen halbstündigen Spaziergang – danach muss er sich wieder hinlegen. Grössere Aktionen liegen nicht drin. «Eigentlich wollte ich mit Kollegen an die EM nach Frankreich und kürzlich ans Konzert von Iron Maiden.» Doch am meisten trauert er dem Hockey und dem Töff­fahren nach, die er vor der Krankheit als Hobby betrieben hat. Damit will er, wenn alles überstanden ist, so schnell wie möglich wieder anfangen.

Immerhin trifft sich Patrik Arnold fleissig mit Kollegen, um eins trinken zu gehen. «Alle wissen natürlich, dass ich krank bin.» Am Stammtisch gelte aber die Regel, dass man sich nicht über die Krankheit unterhalte. Er sei schon immer offen, ehrlich und «für jeden Seich zu haben» gewesen, sagt Arnold. Als es darum ging, einen Stammzellenspender zu finden, entschied er sich, eine Registrierungsaktion durchzuführen. In der Zwischenzeit wurde für ihn ein Spender gefunden. Deshalb aber die Registrierungsaktion abzubrechen, wäre für ihn nie in Frage gekommen. «Ich möchte, dass auch andere das Glück haben, einen Spender zu finden.»

Spender bleibt unbekannt

Seinem eigenen Spender ist Patrik Arnold «riesig dankbar», wie er sagt. «Ich würde ihn am liebsten kennen lernen und mit ihm anstossen.» Doch dazu wird es nicht kommen. Aus ethischen Gründen bleibt alles anonym. Nur ein einziger Brief ohne jegliche Hinweise auf die Identität ist erlaubt. Das habe sicher seine Berechtigung, meint Arnold. «Ich glaube aber nicht, dass ich diesen Brief schreiben werde», räumt der Urner ein. «Mein Spender weiss sicher, dass ich dankbar bin. Und mit einem anonymen Brief kann er wahrscheinlich nicht mehr anfangen.»

Charakterlich verändert habe ihn die Leukämie nicht, glaubt Arnold. «Aber ich sehe sicher gewisse Dinge anders.» Sich zu hinterfragen, wäre falsch, betont er. «Es kann jeden erwischen. Vom Spitzensportler bis zum Alkoholiker, vom Kleinkind bis zum alten Mann.» Denn Leukämie ist weder auf den Lebensstil zurückzuführen noch vererbbar. «Ich habe aber durch die Krankheit erfahren, dass ich auf meine Familie und meine Kollegen zählen kann.»

Hinweis

Wer sich selber als möglicher Spender eintragen will, kann dies auf www.sbsc.ch tun. Das Formular ist in zehn Minuten ausgefüllt. Anschliessend erhält man per Post ein Wattestäbchen für die Speichelprobe, die man zurücksendet.

So funktioniert es

Spende red. Helfen kann im Fall von Leukämie die Transplantation von Blutstammzellen, die für die Bildung von Blutkörperchen zuständig sind. Damit eine Transplantation gelingen kann, müssen Gewebemerkmale von Empfänger und Spender aber übereinstimmen. Da es Milliarden von Kombinationen gibt, ist die Spendersuche sehr schwierig. Bei 20 bis 30 Prozent der Patienten lässt sich in der eigenen Familie eine Übereinstimmung finden. Ansonsten muss darauf gehofft werden, dass in der internationalen Datenbank ein möglicher Spender eingetragen ist.

Keine Operation nötig
Die Blutstammzellen befinden sich im Knochenmark (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark). Früher war eine Entnahme der Stammzellen nur durch eine Operation unter Vollnarkose möglich. Heute werden die Stammzellen meist direkt dem Blut entnommen. Mit einem Medikament wird beim Spender die Ausschüttung der Zellen ins Blut stimuliert. Danach werden diese Blutstammzellen dem Spender entnommen und dem Patienten verabreicht.

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