Uri
Mittagstische sollen gefördert werden, weil immer mehr Eltern arbeiten

Die Motion von Landrätin Céline Huber fordert den Ausbau von schulergänzenden Betreuungsangeboten wie Hausaufgabenhilfe oder Mittagstische. Die Regierung folgt der Argumentation. Unter anderem, weil in einigen Gemeinden Luft nach oben besteht.

Anian Heierli
Merken
Drucken
Teilen

Wenn beide Eltern arbeiten, bietet sich eine Kindertagesstätte (Kita) als Lösung an. Doch was passiert, wenn die Schulpflicht anfängt und kein Erwachsener zu Hause ist? Die Betreuungszeit über Mittag und nach der Schule kann dann zum Problem werden. Céline Huber (CVP, Altdorf) und die beiden Zweitunterzeichner Helen Furrer (CVP, Schattdorf) und Adriano Prandi (SP/Grüne, Altdorf) haben auch deshalb die Motion «zur Stärkung der familien- und schulergänzenden Kinderbetreuung im Kanton Uri» eingereicht. Sie sehen nebst finanziellen Massnahmen weitere Handlungsbereiche, die in einem neuen Gesetz für familienexterne Kinderbetreuung aufgenommen werden sollten.

Mittagstische gewinnen an Wichtigkeit, weil bei immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten.

Mittagstische gewinnen an Wichtigkeit, weil bei immer mehr Familien beide Elternteile arbeiten.

Themenbild: CH Media/Hanspeter Bärtschi

Laut den Motionären ist die schulergänzende Kinderbetreuung in Uri heute vor allem darauf ausgerichtet, dass Kinder mit einem weiten Schulweg nicht zu Hause essen müssen. Jedoch bieten längst nicht alle Schulen einen Mittagstisch an. Selbes gilt für die Hausaufgabenhilfe am Nachmittag. Auf den Punkt gebracht fordert die Motion deshalb, dass die Regierung im Rahmen der Erarbeitung eines familienexternen Kinderbetreuungsgesetzes Tagesstrukturen in den Schulen sichergestellt werden, die auch die Kinder von erwerbstätigen Eltern berücksichtigen.

Regierung sieht Verbesserungspotenzial

Die Regierung befürwortet die Motion nun in ihrer Antwort. Darin wird dem Landrat empfohlen, diese als erheblich zu erklären. Tatsächlich sei in Uri eine erhöhte Nachfrage von familienexternen Kinderbetreuungsangeboten spürbar, wenn auch nicht so stark wie in städtischen Gebieten. Dennoch steigt auch in Uri die Nachfrage nach Kitas kontinuierlich. Auch aus Sicht der Regierung besteht aber eine Lücke in der schulergänzenden Kinderbetreuung in einzelnen Gemeinden:

«Es wird als nicht ideal erachtet, dass einige wenige Gemeinden heute keine Betreuungsgutscheine ausrichten und es nur in wenigen Gemeinden ausreichende ausserschulische Kinderbetreuung gibt.»

Im Regierungsprogramm 2020 bis 2024 wird die Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie als «Leuchtturmprojekt» bezeichnet. «Der Stand der Kinderbetreuung spielt bei Standortentscheiden von Unternehmen und Institutionen, aber auch bei Zuzügern zunehmend eine Rolle», heisst es in der Antwort der Regierung. Das Fazit: «Wenn mehr Menschen im Kanton Uri wohnen und arbeiten, wird Uri interessanter für bestehende und neue Unternehmen.» Insofern würden Tagesstrukturen in der Schule wirksam helfen, die Erwerbsquote zu erhöhen und auf diesem Weg auch dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Für die finanzielle Unterstützung der familienergänzenden Kinderbetreuungsangebote fehlt heute eine gesetzliche Grundlage. Laut Regierungsrat wird diese momentan erarbeitet. Für die Zuständigkeit und Art der Finanzierung der schulergänzenden Angebote (Mittagstische, Hort, Tagesfamilie), wie sie von der Motion gefordert werden, müssten bei Überweisung noch einige Abklärungen getroffen und Vorschläge zur Umsetzung erarbeitet werden.