URI: «Mühle»-Mord wieder vor Gericht

Ist das Tötungsdelikt in der Schattdorfer «Mühle» im Affekt geschehen, oder hat IV-Bezüger T.* die Tat von langer Hand geplant? Mit dieser Frage beschäftigt sich ab Mittwoch das Urner Obergericht.

Carmen Epp
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Das Tötungsdelikt in der «Mühle» in Schattdorf beschäftigt nun auch die Oberrichter. (Bild: Sven Aregger (Schattdorf, 24. März 2013))

Das Tötungsdelikt in der «Mühle» in Schattdorf beschäftigt nun auch die Oberrichter. (Bild: Sven Aregger (Schattdorf, 24. März 2013))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Am 24. März 2013 wurde der Wirt des Restaurants Mühle, der damals 51-jährige O.*, in seinem Lokal in Schattdorf mit insgesamt 14 Messerstichen getötet. Wenige Stunden später wurde der Schattdorfer T.* verhaftet. Die Tatwaffe, ein Küchenmesser, wurde im Gangbach gefunden, die Beute – eine Tasche mit mehreren tausend Franken – in der Garage von T. Zwölf Tage später gestand der heute 55-jährige IV-Rentner die Tat, machte jedoch geltend, sich nicht daran erinnern zu können.

Im September 2015 behandelte das Urner Landgericht den Fall während zweier Tage. Staatsanwalt Thomas Imholz bezeichnete die Tat vor den Landrichtern als «klassischen Raubmord»: T. habe die Tat von langer Hand geplant gehabt und O. aus Geldgier skrupellos umgebracht. Der Staatsanwalt forderte deshalb, T. wegen Mord und Raub zu einer Freiheitsstrafe von 17 Jahren zu verurteilen.

Vom Landgericht zu 16 Jahren verurteilt

Hansjörg Felber hingegen, der amtliche Verteidiger von T., plädierte für ein milderes Urteil. Sein Mandant habe die Tötung von O. nämlich nicht geplant, sondern im Affekt gehandelt. Deshalb sei die Tat als Totschlag, allenfalls als vorsätzliche Tötung zu qualifizieren und mit einer Freiheitsstrafe von 5 beziehungsweise 8 Jahren zu bestrafen.

Das Landgericht folgte grösstenteils dem Antrag der Staatsanwaltschaft, qualifizierte den Diebstahl allerdings nicht als Raub. So verurteilte das Landgericht T. am 11. September 2015 wegen Mord und Diebstahl zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 16 Jahren. Vom Vorwurf der häuslichen Gewalt, der ebenfalls in die Anklage aufgenommen worden war, wurde T. allerdings freigesprochen.

War es Mord, Totschlag oder vorsätzliche Tötung?

Am Mittwoch, 25. Januar, wird der Fall nun vor dem Urner Obergericht behandelt. Dies, weil der Verteidiger von T. das Urteil des Landgerichts zu gewissen Teilen angefochten und auch die Staatsanwaltschaft Anschlussberufung eingelegt hat.

Ob T. die Tat begangen hat, wird auch vor Obergericht nicht zur Debatte stehen – hat er sein Geständnis doch vor Landgericht bestätigt. Strittig bleibt hingegen die Frage, wie die Tat zu qualifizieren ist: als Mord, Totschlag oder vorsätzliche Tötung. Hierfür kennt das Schweizerische Strafgesetzbuch eine klare Unterscheidung:

Wer absichtlich einen Menschen tötet, macht sich der vorsätzlichen Tötung schuldig und wird mit einer Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren bestraft. Handelt der Täter dabei «besonders skrupellos» oder sind seine Beweggründe, der Zweck der Tat oder die Art der Ausführung «besonders verwerflich», ist die Tat als Mord zu qualifizieren. Hier sieht das Strafgesetzbuch eine Freiheitsstrafe zwischen zehn Jahren und lebenslänglich vor. Wer vorsätzlich einen Menschen tötet, dies aber «in einer nach den Umständen entschuldbaren heftigen Gemütsbewegung oder unter grosser seelischer Belastung» tut, macht sich gemäss Strafgesetzbuch des Totschlags schuldig. Die Freiheitsstrafe hierfür liegt zwischen einem und zehn Jahren.

Sowohl der Staatsanwalt als auch der Verteidiger bleiben bei ihren Forderungen, wie sie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigen: Staatsanwalt Imholz verlangt eine Bestrafung wegen Mordes und Raubes und fordert eine Freiheitsstrafe von 17 statt 16 Jahren. Verteidiger Felber hingegen verlangt einen Schuldspruch wegen vorsätzlicher Tötung und Diebstahl und fordert eine Freiheitsstrafe von 8 Jahren.

Die Berufungsverhandlung wird voraussichtlich einen Tag in Anspruch nehmen, wie das Obergericht auf Anfrage sagt.

Hinweis

* Initialen von der Redaktion geändert.