URI: Neue Idee für die Bergstrecke

Ein Teil des Bus­angebots könnte wieder auf die Schiene verlagert werden, sagt ein Zürcher Verkehrsplaner. So würde aus der Bergstrecke eine Art S-Bahn.

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Geht es nach blabla, solll der Fernverkehr im Kanton Uri bereits in Altdorf umsteigen und nicht erst in Erstfeld. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Geht es nach blabla, solll der Fernverkehr im Kanton Uri bereits in Altdorf umsteigen und nicht erst in Erstfeld. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

zf/cpm. Paul Stopper ist der geistige Vater der Zürcher Durchmesserlinie. Mit Blick auf die künftige Nutzung der Gotthard-Bergstrecke hat der Verkehrsplaner einen interessanten Vorschlag entwickelt – und ihn dieser Tage an der Mitgliederversammlung der VCS-Sektion Uri sowie der Abschlussversammlung des Vereins Alpeninitiatives Uri präsentiert.

Schneller und sicherer

Stopper fragt sich, wie lange sich Uri eine Doppelerschliessung des Oberlandes mit Bus und Bahn noch wird leisten können. Er plädiert deshalb für eine Rückverlegung des Regionalverkehrs auf die Bahn. Dieser war vor rund 40 Jahren auf Bus umgestellt worden, als die Bahn Kapazitäten für den Güterverkehr benötigte. Das ändert sich nun radikal, weil für den Güterverkehr jetzt ja der Basistunnel zur Verfügung steht.

Stopper schlägt darum vor, die heute unbenutzten Stationen Wassen, Gurtnel­len, Intschi und Silenen wieder in Betrieb zu nehmen sowie zusätzlich einige neue Haltestellen zu eröffnen: «Viele Siedlungen liegen näher an der Bahnlinie als bei der Strasse, und ein Grossteil der heutigen Bushaltestellen befindet sich in unmittelbarer Nähe der Bahnlinie.»

Die Passagiere könnten vor allem von schnelleren Reisezeiten profitieren. Und der Schülerverkehr würde sicherer. Nach Vorstellung von Stopper muss das Umsteigen vom Fernverkehr auf den Regionalverkehr beim Kantonalbahnhof in Altdorf erfolgen statt in Erstfeld. Und in Göschenen muss ein Umstieg von den SBB zur Matterhorn-Gotthard-Bahn am gleichen Perron möglich werden.

Fahrplan in der Kritik

Das derzeit von den SBB vorgesehene Fahrplanangebot für die Bergstrecke bezeichnet Stopper als Katastrophe: «Wenn in Arth-Goldau und in Erstfeld umgestiegen werden muss, benützt niemand mehr die Bahn auf der Bergstrecke», warnte Stopper. Er kritisierte auch den Fahrplan der IR-Züge: Die für den Sonntag geplanten IR-Züge Zürich–­Göschenen sollen durch das Freiamt fahren, was die Fahrzeit gegenüber heute um 11 Minuten verlängert. Und die IR-Züge Basel–Erstfeld während der Woche sollen in Luzern und in Arth-Goldau je 13 Minuten Aufenthalt haben. «Das ergibt völlig unattraktive Fahrzeiten.»

Kanton muss mitzahlen

Auch der Urner Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind sprach an besagter Veranstaltung. Er wies darauf hin, dass sich mit der Eröffnung des Neat-Basistunnels für den Kanton Uri nicht nur das Bahnangebot ändere, sondern auch dessen Finanzierung. Camenzind stellte klar: «Der Fernverkehr auf der Schiene mit Interregio- und IC/EC-Zügen muss von den SBB allein finanziert werden. An den Regionalverkehr hingegen muss der Kanton einen Beitrag von 24 Prozent bezahlen.» Der Volkswirtschaftsdirektor hofft darum, dass die Gotthard-Bergstrecke weiterhin als Fernverkehrsstrecke eingestuft wird. Einen Nachteil hat diese Lösung allerdings: In einem solchen Fall würden die SBB auch allein über das Angebot bestimmen.

Attraktiven Bahnhof benötigt

Ab 2017 wird es auf der Bergstrecke keine durchlaufenden IR-Züge mehr geben. In Erstfeld muss auf einen Tilo-Flirt umgestiegen werden. Dafür sollen künftig zweimal drei IC-Züge, die durch den Basistunnel fahren, in Flüelen halten. Für Camenzind ist es die grösste Herausforderung, dass Uri genügend Frequenzen liefert, sowohl auf der Bergstrecke wie auch für die Züge durch den Basistunnel. Dafür brauche es neben dem neuen Kantonsbahnhof Altdorf einen attraktiveren Bahnhof Göschenen sowie einen Busanschluss von Obwalden und Nidwalden, so Camenzind.

Uri werde auch nicht darum herumkommen, selber in die Zukunft der Eisenbahn zu investieren. Camenzind mahnte die Zuhörer aber zur Geduld: «Bis der Kantonsbahnhof 2021 eröffnet werden kann, befinden wir uns noch in einer Übergangsphase ohne das volle Angebot.»

Verein löst sich auf

Die Mitgliederversammlung des Vereins Alpeninitiatives Uri beschloss die Auflösung der Organisation. Mit dem Ja zum Bau des zweiten Gotthard-Strassentunnels ist das Ziel der Organisation abhandengekommen. Für die jetzt noch mögliche juristische Auseinandersetzung rund um den Gotthard- sowie den Axentunnel sind nur die gesamtschweizerisch tätigen Umweltorganisationen wie der VCS und die Alpen-Initiative beschwerdeberechtigt.