Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

URI: Pfarrer Bucheli: «Ich verlasse meine Herde nicht»

Pfarrer Wendelin Bucheli hat in Bürglen gelernt, was Solidarität heisst. Er fühlt sich mit dem Dorf verbunden. «Ich verlasse meine Herde nicht», sagt er im Interview.
Sitzung des Kirchenrates und des Pfarreirates Bürglen vom Montagabend: Pfarrer Wendelin Bucheli (ganz links), Seelsorger René Deiss, Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk und Kirchenratspräsidentin Susanne Bätscher-Planzer (von links). (Bild: PD)

Sitzung des Kirchenrates und des Pfarreirates Bürglen vom Montagabend: Pfarrer Wendelin Bucheli (ganz links), Seelsorger René Deiss, Kirchenratsvizepräsident Peter Vorwerk und Kirchenratspräsidentin Susanne Bätscher-Planzer (von links). (Bild: PD)

Interview Anian Heierli

Nach Absprache mit dem Churer Bischof Vitus Huonder ruft Bischof Charles Morerod den Bürgler Pfarrer Wendelin Bucheli zurück ins Bistum Lausanne-Genf-Freiburg. Der Grund: Bucheli hat im vergangenen Oktober ein lesbisches Paar gesegnet, was aufgrund der Lehre der katholischen Kirche nicht möglich ist. Der Bürgler Seelsorger will aber nicht demissionieren. In einem schriftlich geführten Interview erläutert er seine Sicht der Dinge.

Wendelin Bucheli, weshalb haben Sie ein lesbisches Paar gesegnet, obwohl das ja nicht im Sinne des Kirchenrechts ist?

Wendelin Bucheli: Diese beiden Menschen gehören zu meiner Pfarrei. Und sie sind verwundet. Es ist nicht einfach für einen Menschen, wenn er erkennen muss, dass er gleichgeschlechtlich veranlagt ist. Als Hirte im Geiste Jesu muss ich mich besonders der Schwachen, der Verletzten und der Ausgegrenzten annehmen. Und das, was zu tun ist, erkenne ich nicht im Voraus, sondern im Moment der Begegnung. In den kontemplativen Exerzitien habe ich gelernt, mich mit Christus zu verbinden und mich aus dieser Verbundenheit auf das Leben einzulassen. So verstehe ich das Evangelium, und so habe ich gehandelt.

Haben Sie mit einer derart heftigen Reaktion aus Chur gerechnet?

Bucheli: Nein. Damit habe ich nicht gerechnet.

Kommen Sie der Demission nach oder wollen Sie trotz der gemeinsam ­beschlossenen Aufforderung der Bischöfe in Bürglen bleiben?

Bucheli: Ich fühle mich wohl in Bürglen. Meine Arbeit ist noch nicht fertig, und ich sehe keinen Grund, zum jetzigen Zeitpunkt die Gemeinschaft zu verlassen. Das heisst: Ich werde meine Demission nicht einreichen. Es sind die Bürgler, die aus mir diesen Pfarrer gemacht haben, der ich bin. Sie haben mich gelehrt, was ein ­guter Hirte ist. Sie halfen mir, zu ­verstehen, was Jesus wirklich meint, wenn er sagt, ich bin der gute Hirte. Und sie lehrten mich, das Evangelium vom Herzen her auszulegen. Sie lehrten mich, was Solidarität heisst. Ich fühle mit ihnen. Sie wissen, dass ich sie jetzt verstehe, und darum bleibe ich bei ihnen. Ich verlasse meine Herde nicht.

Wie hat die Bevölkerung Ihnen gegenüber reagiert?

Bucheli: Wir mögen uns. Sie mögen mich, und ich mag sie. In vielen schweren Schicksalen war ich ihr Seelsorger, und sie wollen mich nicht verlieren.

Wie haben Sie den Rummel rund um die Segnung der Lesben persönlich erlebt. Wie geht man damit um?

Bucheli: Ich habe die Segnung vorgenommen, nachdem ich die Anfrage vor Gott geprüft hatte. Ich habe mich auch von erfahrenen Seelsorgern beraten lassen und bin der Unterscheidung nach Ignatius gefolgt. Jetzt brauche ich mehr Zeit für die Stille vor Gott. Bei ihm komme ich zur Ruhe.

MEHR ZUM THEMA

Weitere Reaktionen zur Diskussion um den «Fall Pfarrer Wendelin Bucheli» finden Sie auf Seite 23.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.