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URI: Polizist wimmelt bestohlene Urner ab

Ein Ehepaar hat auf dem Polizeiposten in Altdorf befremdliche Erfahrungen gemacht. Der Kommandant ist «nicht glücklich» mit einem seiner Mitarbeiter und sucht nun das Gespräch.
Ein Urner Polizist hat sich gegenüber Hilfesuchenden äusserst fragwürdig verhalten. (Symbolbild) (Bild: Florian Arnold)

Ein Urner Polizist hat sich gegenüber Hilfesuchenden äusserst fragwürdig verhalten. (Symbolbild) (Bild: Florian Arnold)

Florian Arnold

«Bei Verdacht 117». Auf Werbeplakaten und Autoaufschriften wird damit für die Bereitschaft der Polizei geworben. Doch wie ernst es gewissen Polizisten mit der Hilfsbereitschaft ist, musste ein Ehepaar aus der Gemeinde Silenen kürzlich erfahren.

Das Prinzip der Bristensee-Hütte beruht auf Vertrauen. Wanderer, die den Bristen in einer Zweitagestour bezwingen wollen, nutzen gerne die Schlafmöglichkeit in der offenen Hütte. Bezahlt wird die Übernachtung per Einzahlungsschein – oder ­direkt an der Kasse, die an der Wand der Hütte fest montiert und abgeschlossen ist. Wie das Leben spielt, wird das Vertrauen zuweilen auch missbraucht.

Das Paar, das sich um die Hütte kümmert, stellte Mitte September fest, dass die Kasse aufgebrochen worden war. Einheimische Wanderer hatten kurz davor eine auffällige Person in der Hütte beobachtet und diese fotografiert. Auch im Dorf hatte man die dubiose Person gesehen.

Genug Grund für die Verantwortliche der Hütte, die Polizei zu benachrichtigen. Doch der diensthabende Polizist auf der Notrufzentrale entscheidet sich, keine Patrouille vorbeizuschicken. Für eine allfällige Anzeige müsste das Paar auf den Polizeiposten in Altdorf vorbeikommen, so die Reaktion.

Der Mann wird in Deutschland gesucht

Dies tut das Paar am kommenden Tag. Doch als sie die Indizien, das kaputt gemachte Schloss der Kasse sowie das Foto auf den Tisch legen, macht der Polizist in Altdorf keine Anstalten, irgendetwas zu unternehmen. «Nicht einmal einen Kugelschreiber hat er angefasst», erinnert sich die Frau. Der Polizist macht den beiden weiss, eine Anzeige würde nichts bringen. Man solle am besten selber mit der verdächtigen Person in Kontakt treten. Die in Göschenen positionierten Polizeikollegen, welche für das Gebiet zuständig sind, seien dafür ohnehin viel zu langsam.

Ohne weitere Ratschläge zieht das Paar von dannen. Um die Reparaturen an der Hütte vornehmen zu können, müssen sie einen Helikopterflug buchen. Als sie die Hüttentür aufmachen, schielt ihnen ein Mann entgegen: Es ist jener von der Fotoaufnahme. Die beiden Hüttenchefs sind verunsichert. «Wir haben ja nicht gewusst, ob uns der Mann etwas tut», erinnert sich die Frau. Trotzdem stellen die beiden den Mann zur Rede. Doch dieser sagt, das sei nicht er auf dem Foto.

Als der Mann gezwungen wird, seinen Rucksack auszupacken, kommen ein Spitzeisen und ein Handfäustel zum Vorschein: Werkzeug, das in der Hütte gelagert gewesen war und mit Hilfe dessen sicherlich auch eine Kasse aufgebrochen werden kann. Schnell tischt der Mann eine Ausrede auf: Er sei Kristalle suchen gegangen – das habe er ganz vergessen zu erwähnen. Mit dem Aufbrechen der Kasse habe er aber nichts zu tun. Beweisen könne man ihm ohnehin nichts. Unter dem Vorwand, er komme gleich wieder zurück, sucht der Mann das Weite.

Gebrannt von den Erfahrungen mit dem Altdorfer Polizisten, unternimmt das Hüttenpaar vorerst nichts. Gleichentags aber entscheiden sie sich dennoch, den Polizeiposten Göschenen aufzusuchen. Im Gegensatz zu Altdorf werden sie äusserst zuvorkommend behandelt. Als der Polizist den Mann im Fahndungssystem ausfindig macht, stockt ihnen erneut der Atem: Der Mann wird zwecks Aufenthaltsermittlung gesucht: Wegen Zechprellerei in Deutschland und der Schweiz.

Keine personalrechtlichen Konsequenzen

«Ich bin nicht glücklich über die Art und Weise, wie der Polizist in Altdorf in diesem Fall gearbeitet hat», sagt Reto Pfister, Kommandant der Kantonspolizei Uri. «Ich wünschte mir, dass meine Mitarbeiter mehr Elan an den Tag legen.» Die Darstellung des Vorfalls, die dem Polizeikommandanten vorliegt, deckt sich nicht ganz mit jener der Hüttenverantwortlichen. Der Polizist in Altdorf habe erklärt, dass es schwierig werde, Spuren zu sichern, etwa weil das Schloss von mehren Personen angefasst und die Hütte aufgeräumt worden war. Das habe die Frau eingesehen. «Wenn jemand dennoch auf eine Anzeige besteht, muss diese entgegengenommen werden.» Wie unsere Zeitung aber weiss, bestehen einige Versicherungen gerade bei Einbrüchen auf einen polizeilichen Rapport respektive eine Anzeige.

Einen Eintrag im Journal habe er aber unterlassen. «Es gibt keine Weisung, gegen die der Polizist explizit verstossen hat», so Pfister. Somit werde die Angelegenheit keine personalrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen. «Im Dienstbefehl heisst es, dass sämtliche Informationen von polizeilicher Bedeutung im Journal zu erfassen sind», so Pfister. Diese offene Formulierung interpretierte der Polizist in Altdorf offenbar etwas eigensinnig.

Ebenfalls nicht glücklich ist der Kommandant über die Aussagen des Polizisten, man solle die Angelegenheit privat lösen. «Vieles hat hier auf einen Diebstahl hingewiesen. Das soll niemand selber regeln müssen. Dafür ist die Polizei da», betont Pfister.

«Die Göschener haben es so gelöst, wie ich mir das vorstellen würde.» Die Polizisten dort verfügten aber auch über mehr Hinweise, welche die Hüttenverantwortlichen durch das Zusammentreffen mit dem Mann liefern konnten. Mit dem Polizisten in Altdorf wird Pfister nun ein klärendes Gespräch führen. Der Spruch, «Bei Verdacht 117», zähle nach wie vor.

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