URI: «Schlittlä-rittlä-Fiddlä»-Prinzip

Wieder erleben sie Hochkonjunktur, die Urner Narrenblätter. Sie sind von sehr viel Lokalem geprägt, von überraschenden Pointen, aber auch von Reimen um des Reimes willen.

Bruno Arnold
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Der Lory Schranz. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Der Lory Schranz. (Bild: Urs Hanhart / Neue UZ)

Auch in diesem Jahr sind wieder einige Narrenblätter bei der Redaktion unserer Zeitung gelandet. Deren sechs habe ich intensiv «studiert» und dabei festgestellt, dass alle diese Printerzeugnisse zumindest zwei Sachen gemeinsam haben: das Ziel und das Mittel. Narrenblatt-Autoren beabsichtigen, die Leser zu erheitern. Um dieses Ziel zu erreichen, bedienen sie sich eines einfachen Mittels: der Schilderung von aktuellen Ereignissen oder allgemein von menschlichen Vorkommnissen.

Alljährlich unterstütze ich den von den Machern geleisteten Aufwand mit dem Kauf der diversen Narrenblätter. Damit erkaufe ich mir gleichzeitig auch die Legitimation, das Geschriebene kritisch zu begutachten. Das tue ich an dieser Stelle. Mein Fazit: Ziel und Mittel wurden von den Autorenteams auch in diesem Jahr unterschiedlich gut erreicht respektive eingesetzt. Ich konnte mich beim Lesen verschiedener Verse des Eindrucks nicht erwehren, dass da und dort nach dem «Schittlä-rittlä-Fiddlä»-Prinzip gedichtet wurde: «Hauptsache, es reimt!» Zwei Beispiele gefällig? «Am Pötti isch dr Glücksgott gar nicht chäibä schlächt bsunnä, är het nämlich bi dr Euromillion äs paar Batzäli gwunnä.» Oder: «Ihres Herz schlaht i de Vollä, wo sie ihres Aito gseht devorollä.»

Dabei bestünden doch die besondere Herausforderung und der eigentliche Reiz nicht einfach darin, Wörter, die sich reimen, ans Ende von Zeilen zu stellen, sondern dem auf die Schippe genommenen Ereignis oder Thema mit einer unerwarteten Pointe eine verblüffende Wendung zu geben. Je kürzer und in weniger Zeilen das bewerkstelligt wird, desto höher werte ich persönlich die Kunst des «Värslibrünzlä». Auch hiezu zwei Beispiele. Samih Sawiris’ Kauf des Motorschiffs «Reuss» wird etwa in einem der Urner Narrenblätter wie folgt abgehandelt: «Ds Andermatt kämpft är sich dur Rägä und Schnee, jetzt eroberet der Pirat mit sim Dampfer der Vierwaldstättersee.» Um einiges überraschender kommt da schon die Pointe zum selben Thema im folgenden Vers daher: «Sawiris, trotz horrenden Kosten, antikes MS ‹Reuss› tat posten. Er weise in die Zukunft schaut, falls Urschner Stausee doch gebaut.»

Für mich schwingt das Narrenblatt der Nächstenliebe Altdorf qualitätsmässig erneut obenaus: zum Teil bissige, aber nie unter die Gürtellinie zielende Verse, rhythmische Sprache, überraschende Pointen, witzige Reime, ein geschickter Mix von Dialekt und Hochdeutsch und gekonnte Illustrationen. «Wanzä» hat ein dickes Kompliment verdient!

Ich ziehe den Hut vor allen

Damit will ich jedoch die Arbeit der übrigen Dichter keineswegs schmälern. «Das ‹Värslibrünzlä› braucht viel Zeit, Herzblut, Initiative und Engagement. Ich ziehe vor all jenen, die diese Arbeit immer wieder auf sich nehmen, den Hut. Ob «Gib em», «Wanzä», «Toggeli», «Gitschä-Echo», «Huttläbrattig», «Blöck» oder andere: Ich habe oft geschmunzelt, vor allem, wenn sich die Verse nicht allzu sehr um Insiderwissen verlangende kommunale Themen drehten. «Immer meh Lehrer und weniger Chind: eb d Schiäler drum wirklich vill gschiider sind?» «Bim EU-Fleisch ä Ornig wiä z Hinter-Sibiriä, drum faht z Rindfleisch afä wiehärä.» «Allmählich fängts mich an zu stressen, in Altdorf kannst nur Kebab fressen.» «Es ist doch kaum in Brunos Wille, der Tellpark wird zum Haus der Stille.» «Weisch was mit der Drogerie Stoocker siig? Dr Ignaz miäch det äs Puff fir sii Wideristiig.»

P.S. Schmunzeln kann man auch, wenn man selber «drankommt»: «Der Zeitungsschund im englisch Land, kommt ganz aus Rupert Murdochs Hand. Den Italienern muss genügen, was Berlusconis Blätter lügen. Und Urner Presse, diese tolle, ist unter Fux­achers Kontrolle.»

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