URI: Schmelzwasser stoppt Wanderer

Schmelzwasser vom Hangfirngletscher liess den Chärstelenbach ansteigen. Vier Wanderer mussten mit dem Helikopter evakuiert werden.

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Das Wasser muss sich über längere Zeit im Hangfirn angestaut haben. (Bild: PD)

Das Wasser muss sich über längere Zeit im Hangfirn angestaut haben. (Bild: PD)

Vom Hangfirngletscher am Gross Düssi im Maderanertal brach am Donnerstagmorgen gegen 3 Uhr Schmelzwasser aus. Durch das mitgerissene Geröll stieg der darunterliegende Chärstelenbach an, und das dunkle Wasser war bis zum Urnersee sichtbar. Für Wanderer gab es gemäss Paul Streiff, Hüttenwart der Hüfihütte (SAC Pilatus), im Schaflochtal beim Bach kein Weiterkommen mehr. Auf- und Abstiege seien unmöglich gewesen. «Vier meiner Gäste wurden beim Abstieg durch den Bach gestoppt und liessen sich mit dem Helikopter abholen, da sie nicht mehr zur Hütte zurückkehren wollten.»

Grund ist die Hitzewelle

Streiff erklärt, dass sich das Wasser über längere Zeit im Hangfirn angestaut haben muss. Grund dafür dürfte die derzeitige Hitzewelle sein, welche den Gletschern in der Schweiz zusetzt (Ausgabe vom 18. Juli). Glaziologe Andreas Bauder von der ETH-Versuchsanstalt für Wasserbau, Hydrologie und Glaziologie kommentierte diese Entwicklung anhand des Firnalpeligletschers in Engelberg. «Bei kleineren Gletschern kann es vorkommen, dass an der Zunge abgelagerte Schneemassen aus dem vergangenen Winter den Sommer überdauern.» Zudem ist laut Bauder die sehr hohe Abflussrate der Bäche unterhalb der Gletscher ein konkretes Anzeichen für den massiven Gletscherschwund.

Paul Streiff machte am Donnerstag ein Verlustgeschäft. «Ich bin nun schon seit 13 Jahren hier Hüttenwart. Aber so viel Wasser vom Hangfirn habe ich noch nie erlebt.» Er ist aber froh, dass niemand zu Schaden kam. Bereits gestern habe sich der Bachpegel wieder normalisiert. «Unser Hüttenchef hat den Bachübergang wiederhergestellt, damit man ohne Probleme zur Hüfihütte aufsteigen kann», sagt Streiff.

Sarah Weissmann

Das Wasser brach am Donnerstag aus. (Bild: DP)

Das Wasser brach am Donnerstag aus. (Bild: DP)