URI: Schützenvereine kämpfen ums Überleben

Es gibt immer weniger Schützen: Nach Göschenen droht nun auch dem Schützenverein Ursern Hospental das Aus. Und die Jungen schiessen lieber olympische Disziplinen.

Elias Bricker
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An der Feuerlinie – wie hier in Flüelen – liegen oft keine jungen Schützen. (Archivbild Neue UZ)

An der Feuerlinie – wie hier in Flüelen – liegen oft keine jungen Schützen. (Archivbild Neue UZ)

Elias Bricker

Die Schützengesellschaft Göschenen ist Geschichte. Ende des vergangenen Jahres wurde der Traditionsverein aufgelöst – nach mehr als 130 Jahren. Der Schiessstand in Göschenen steht zum Verkauf. Momentan werden die technischen Einrichtungen abmontiert.

«Am Schluss waren wir gerade noch vier aktive Schützen. So macht es einfach keinen Sinn mehr», sagt Peter Tresch, der gleich mehrere Vorstandschargen besetzt hatte. Die Ursachen für den fehlenden Nachwuchs seien vielschichtig: Die Jungen seien heute mobiler, das Freizeitangebot sei grösser, die Einwohnerzahl rückläufig. Zudem geniesse das Schiesswesen nicht mehr den gleichen Stellenwert wie früher. «Heute haben wir in Göschenen gerade noch sechs Personen, die das Obligatorische schiessen müssen», so Tresch. Diese sollen künftig in Gurtnellen ihr Pflichtprogramm absolvieren können.

«In fünf Jahren ist sowieso Schluss»

Göschenen ist nicht die erste Schützengesellschaft im Kanton Uri, die aufgrund fehlender Mitglieder aufgelöst wird. Die Schützengesellschaft Realp ist schon länger Geschichte, und auch in Wassen wird seit einigen Jahren nicht mehr geschossen. «Die Zahl der Schützen ist im Kanton Uri seit Jahren rückläufig», sagt Christian Simmen, Präsident des Kantonalschützenverbands Uri. Die meisten Sektionen hätten Mühe, neue Mitglieder zu finden. «Es ist gut möglich, dass weitere Sektionen und Schiessstände verschwinden werden.»

Einer der Vereine, die ums Überleben kämpfen, ist der Schützenverein Ursern Hospental. «Die Zukunft sieht nicht rosig aus», sagt Präsident Robert Odermatt. «Nachwuchs gibt es nicht. Wir werden über die Bücher gehen müssen, ob wir im kommenden Jahr überhaupt noch schiessen wollen.» Weniger als zehn Personen trainieren noch regelmässig. Ausserdem ist es fast unmöglich, Freiwillige für den Vorstand zu finden. «Ich war bereits von 1989 bis 2001 Präsident und wurde 2009 ein zweites Mal gewählt», sagt Odermatt. «Ich möchte das Amt eigentlich schon lange abgeben.» Aber ein Nachfolger ist nicht in Sicht. «Und spätestens in fünf Jahren ist hier sowieso Schluss», prophezeit Odermatt. Dann müsse der Kugelfang saniert werden. «Das wird für uns finanziell ein grosser Brocken. Ich glaube nicht, dass wir das noch stemmen können.»

«Training wurde interessanter»

Erschwerend kommt hinzu: Die jungen Urner Schützen haben weniger Interesse am traditionellen 300-Meter-Schiessen. Sie würden heute häufig mit Kurzdistanzen (10, 25 und 50 Meter) zu schiessen beginnen – Disziplinen, die zum Teil sogar olympisch sind. Dort könnten sie früher Kurse belegen als beim 300-Meter-Schiessen. Vielfach bleiben die Jugendlichen dann diesen Disziplinen treu – vor allem wenn sie erfolgreich sind. Nur wenige wechseln später auf 300-Meter-Disziplinen. «In den Kurzdistanzen werden sie von den Verbänden zudem viel früher gefördert», sagt Kantonalpräsident Simmen. Wer Talent habe, könne in ein Regionalkader aufsteigen. Das 300-Meter-Schiessen habe dadurch einen schweren Stand. «Doch die Vereine machen im Bereich der Jungschützenausbildung eine ausgezeichnete Arbeit und können sehr gute Resultate vorzeigen», so Simmen. Doch auch die geplante, regionale Schiessanlage in Erstfeld würde an der Mitgliedersituation in den Sektionen nichts ändern, glaubt Simmen. Die Sektionen könnten dem Mitgliederschwund höchstens mit Fusionen – wie zum Beispiel Amsteg-Erstfeld – oder Schiessgemeinschaften begegnen.

Altdorf und Flüelen bilden seit mehreren Jahren eine Schiessgemeinschaft. «Weil wir so mehr Leute sind, wurde auch das Training wieder interessanter», sagt Peter Aregger, Präsident der Schützengesellschaft Flüelen. Dennoch bleibt es für die Schützen schwierig, Junge fürs Schiessen zu begeistern – geschweige denn, genügend Leute für Chargen zu finden. Auch Flüelen spürt, dass sich Jugendliche vermehrt Kurzdistanzen widmen.

«Jugendförderung trägt Früchte»

Christian Simmen räumt ein, dass in der Vergangenheit die Nachwuchsförderung vernachlässigt wurde. «Deshalb fehlen unseren Sektionen heute die 30- bis 60-jährigen Schützen.» Doch der Kantonalschützenverband habe die Problematik erkannt und lege den Fokus seit mehreren Jahren vermehrt auf die Nachwuchsförderung. «Die Jugendförderung trägt inzwischen erste Früchte», freut sich Simmen. Jugendliche würden sich wieder vermehrt dem Schiesssport widmen.

Seitentäler haben mehr Nachwuchs

eb. Nur wenige Urner Schützenvereine dürfen sich nicht über fehlenden Nachwuchs beklagen – so etwa die Gesellschaften Spiringen, Unterschächen oder Isenthal. «Bei uns ist das Schiessen in vielen Familien und im Dorfleben noch stark verankert», sagt Markus Imholz, Präsident der Schützengesellschaft Isenthal. Es gebe mehrere Schützen im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. «Wir haben also eine gute Durchmischung unter den Mitgliedern», meint Imholz. «Ich hoffe, das bleibt so.»