URI: Seedorfer werden wegen Entwässerungsrohren zur Kasse gebeten

Dank unterirdischen Entwässerungsrohren ist die Seedorfer Ebene heute nicht mehr sumpfig. Doch nun müssen diese saniert werden. Nur ist vielen Seedorfern gar nicht bewusst, dass sie von Gesetzes wegen Mitglied der zuständigen Genossenschaft sind.

Elias Bricker
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In Seedorf wurden vier Mitglieder des Gemeinderats in ihrem Amt bestätigt. (Bild: Website Seedorf)

In Seedorf wurden vier Mitglieder des Gemeinderats in ihrem Amt bestätigt. (Bild: Website Seedorf)

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Einst war die Ebene von Seedorf eine einzige Sumpf- und Riedlandschaft. Erst während des Zweiten Weltkriegs wurde sie entwässert (siehe Box). Im Boden wurde ein ganzes Netz von unterirdischen Entwässerungsrohren verlegt. Betrachter der Ebene erkennen davon aber lediglich die vielen Schächte. Die Rohre münden alle in den künstlich angelegten Klostergraben oder in dessen schnurgeraden Nebenarm entlang der Riedmattstrasse. Nur dank der Melioration, wie man diese Bodenverbesserung nennt, kann heute in der Ebene von Seedorf überhaupt intensiv Landwirtschaft betrieben und gebaut werden.

Obwohl Meliorationsleitungen für Seedorf wichtige Infrastrukturen sind, haben heute die meisten Leute keine Ahnung, dass der Boden einst in mühseliger Arbeit trockengelegt wurde. «Solange das System funktioniert, interessiert sich auch kaum jemand dafür», sagt Josef Arnold, Präsident der Meliorationsgenossenschaft Seedorf. Dies dürfte sich für unzählige Seedorfer aber nun ändern. Denn das bald 80-jährige System soll künftig verstärkt unterhalten werden. Verantwortlich dafür ist die Meliorationsgenossenschaft Seedorf. Mitglied dieser Genossenschaft sind sämtliche Liegenschaftsbesitzer im einst sumpfigen Gebiet. Der Perimeter umfasst die Gebiete Riederbach, Ried, Wydenmatt, A-Pro-Strasse, Riedmattstrasse, Grossriedstrasse und Wyerstrasse. Die Mitgliedschaft wird neu im Grundbuch vergemerkt.

Meliorationsgraben soll renaturiert werden

An der Generalversammlung vom 9. März haben die Genossenschaftsmitglieder neue Statuten genehmigt. Nun muss lediglich noch der Regierungsrat diesen zustimmen. In diesen Statuten sind auch die Grundsätze der Finanzierung festgehalten. Bis anhin musste niemand einen Mitgliederbeitrag bezahlen. Dies dürfte sich jetzt aber ändern. Um den Unterhalt künftig zu bestreiten, hat die GV auch entschieden, fortan Gebühren zu erheben. Hausbesitzer müssen nun 20 Franken pro Jahr bezahlen, Stockwerkeigentümer 10 Franken, Landbesitzer 1 Rappen pro Quadratmeter und Gewerbebetriebe 2 Rappen pro Quadratmeter Fläche. Somit kann die Genossenschaft jährlich rund 8000 Franken erwirtschaften. Von den meisten Liegenschaften gelangt auch das Dachregenwasser direkt oder durch Versickerung indirekt in die Entwässerungsleitungen. «Daher ist es fair, wenn sich auch die Liegenschaftsbesitzer an den Kosten beteiligen», so Arnold. «Erstaunlicherweise habe ich aber bis jetzt nur wenige Reaktionen auf das neue Gebührenreglement erhalten.»

Das System soll künftig nicht nur verstärkt unterhalten werden, es steht auch ein grösseres Sanierungsprojekt an. «Im Landwirtschaftsland haben wir an mehreren Orten Vernässungen festgestellt», sagt Arnold. Weil die unterirdischen Rohre in die Jahre gekommen sind und es Verdichtungen im lehmigen Boden gibt, kann das Regenwasser nicht mehr richtig abfliessen. Deshalb plant die Meliorationsgenossenschaft nun, an einigen Stellen weitere Sickerschlitze und Sickerleitungen zu verlegen; vorgängig werden die alten Leitungen durchgespült und kontrolliert. Die Bauarbeiten sollen im Spätherbst starten und bis im Frühling 2019 abgeschlossen sein.

Die Kosten belaufen sich beim bewilligten Projekt auf rund 129'000 Franken. Bund, Kanton, Korporation und die Patenschaft für Berggemeinden beteiligen sich mit namhaften Beiträgen. Die Restkosten von rund 30'000 Franken müssen jedoch die Besitzer der Landwirtschaftsflächen selber finanzieren. «Sie haben auch den grössten Nutzen von dieser Sanierung», so Arnold. Die Bauern werden zudem angeleitet, wie sie bei der Bewirtschaftung möglichst Bodenverdichtungen vermeiden können. Im Rahmen der Sanierung plant der Kanton zudem, den Meliorationsgraben entlang der Riedmattstrasse zu renaturieren.