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URI: Sie machen Bäuerinnen fit für den Hof

Trotz Strukturwandel in der Landwirtschaft: Der Beruf der Bäuerin ist noch immer gefragt. In Gurtnellen eröffnet 2016 sogar die alte Bäuerinnenschule wieder.
Alexandra Fux und ihr Ehemann Cyrill Hörler leiten zusammen die neue Bergheimatschule Gurtnellen ab Januar 2016. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Alexandra Fux und ihr Ehemann Cyrill Hörler leiten zusammen die neue Bergheimatschule Gurtnellen ab Januar 2016. (Bild: Anian Heierli / Neue UZ)

Eigentlich klingt das Projekt absurd. Obwohl zurzeit immer mehr Urner Landwirtschaftsbetriebe schliessen, eröffnet der Kanton die alte Gurtneller Bergheimatschule im Januar 2016 neu. Im Kurszentrum, das am Dorfrand weitab vom Schuss liegt, sollen Frauen und Männer die Ausbildung zur Bäuerin respektive zum bäuerlichen Haushaltsleiter absolvieren. Das Leiterduo Cyrill Hörler und Alexandra Fux glaubt fest an den Erfolg ihres Vorhabens, daran ändert auch die Tatsache nichts, dass die Bergheimatschule 1996 aus Mangel an Interessenten geschlossen hatte. «Die 16 Plätze für den ersten Kurs waren schnell ausgebucht», betont Cyrill Hörler (43). «Und dabei haben wir keine Werbung gemacht.»

Konfitüre mit Ingwer

Für den ehemaligen Berufsschullehrer und ausgebildeten Umweltingenieur Hörler rührt das Interesse an der Ausbildung unter anderem daher, dass der Beruf der Bäuerin zunehmend ein moderneres Image bekommt. «Bäuerin zu sein, heisst nicht, dass man ein altmodisches oder rückwärtsgewandtes Leben führt», so Hörler. «Die Bäuerin bewegt sich im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne.» So lasse der Beruf auch moderne Einflüsse zu.

Der Fachmann nennt als Beispiel die Konfitüre: «Die Zubereitung der Produkte bleibt traditionell. Doch unsere Schülerinnen können selber Ideen einbringen und die ‹Konfi› etwa mit Ingwer anreichern», erklärt er. Wie modern der Bäuerinnenberuf sein kann, verrät auch ein Blick auf den Stundenplan der Schule. Neben den Pflichtmodulen wie Haushaltführung, landwirtschaftliches Recht und Buchhaltung werden auf Wunsch neue Wahlfächer wie Direktvermarktung und Agrotourismus gelehrt – Themen, die an Bedeutung gewinnen.

Diese Themen sind deshalb wichtig, weil sich die Landwirtschaft in einem massiven Strukturwandel befindet: Wegen Grossbetrieben und importierten Produkten rentiert der klassische Verkauf von Rohstoffen über Zwischenhändler für Kleinbetriebe immer weniger. «Beispielsweise mit der Direktvermarktung können Bauern mehr Wertschätzung wieder auf den Betrieb holen», sagt Hörler. Die klassische Rolle des Lebensmittelproduzenten verschwinde. Der Bauer generiere sein Geld zunehmend als Landschaftspfleger, Ökologe und über den Nebenerwerb.

Buchhaltung ist Frauensache

Der betriebsinterne Nebenerwerb – der unter anderem den Direktverkauf, den Agrotourismus und die Produktvermarktung umfasst – ist häufig das Metier der Bäuerin. «Auch deshalb haben Bäuerinnen in der Landwirtschaft den gleichen Stellenwert wie Landwirte», erklärt Schulleiterin Alexandra Fux. Die 43-Jährige ist selber ausgebildete Bäuerin und Psychologin und für sie ist klar, dass auch die klassische Rollenverteilung zwischen den Geschlechtern in der Landwirtschaft passé ist: «Frauen fungieren auf dem Hof häufig als Puffer. Das heisst, dass sie bei Bedarf jede Arbeit übernehmen können», so Fux.

«Zudem sind viele Bäuerinnen für die Finanzen und die Buchhaltung zuständig und damit an der Betriebsführung massgeblich beteiligt.» Schätzungsweise sei dies auf rund 60 Prozent der Betriebe der Fall. «Andererseits übernehmen Landwirte nicht selten die Kinderbetreuung und helfen im Haushalt mit», betont Fux. Die klassische Rollenverteilung auf dem Hof verschwindet. Trotzdem haben sich für die fünfmonatige Ausbildung in Gurtnellen nur Frauen angemeldet. «Ich hoffe, dass künftig auch einmal ein Mann zu uns kommt», sagt Fux.

«Die Ausbildung wird intensiv»

Die Bergheimatschule wird als Internat betrieben. Die Schülerinnen kommen am Montagmorgen und bleiben bis am Freitagabend. «Die Ausbildung wird garantiert intensiv», verspricht Fux, die selber als Lehrerin soziale Fächer unterrichten wird. Einen Stundenplan, der fix morgens um 8 Uhr beginnt und bis6 Uh abends dauert, gibt es nicht. Da die Schülerinnen zusammen kochen, handarbeiten und gärtnern, verschwimmt das Programm. Trotz der bevorstehenden, strengen Zeit freut sich das Leiterduo Fux und Hörler auf den Schulstart. Und sie hoffen, dass das grosse Interesse am Bäuerinnenberuf auch weiter bestehen bleibt.

Anian Heierli

Nachfrage steigt

Im Sommer 2013 hat die Bäuerinnenschule Kloster Fahr AG, die bei Urnerinnen beliebt war, geschlossen. Seither ist die Nachfrage für die Ausbildung in Uri gestiegen. Ansonsten gibt es in der Zentralschweiz in Schüpfheim LU und in Giswil OW die Möglichkeit, den Beruf der Bäuerin zu erlernen. Zudem wird in der Schwyzer March in Pfäffikon ebenfalls eine landwirtschaftliche Ausbildung für Frauen angeboten.

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