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URI: Sie pflegt ein altes Urner Kulturgut

Bürglen feiert heute die Sennenkilbi. Damit den Sennen und ihren Begleiterinnen die Trachten richtig sitzen, ist Handarbeit gefragt. Ein Blick hinter die Kulissen von jener Frau, die seit 20 Jahren dafür verantwortlich ist.
Trudy Gisler kleidet seit über 20 Jahren die jungen Sennen an der Kilbi ein. (Bild: Florian Arnold)

Trudy Gisler kleidet seit über 20 Jahren die jungen Sennen an der Kilbi ein. (Bild: Florian Arnold)

Florian Arnold und Remo Infanger

redaktion@urnerzeitung.ch

«Hier spannt es noch ein wenig», sagt die junge Frau mit der Brille und zeigt auf ihren Unterrock. Babette Herger eilt herbei und versetzt die Stecknadel ein paar Zentimeter. «So, jetzt ist es richtig bequem.» Das soll es auch. Schliesslich sind auf die junge Frau heute viele Blicke gerichtet.

Sie ist eine von vier «Sennenjumpfern», die heute an der Sennenkilbi in Bürglen neben den neu gewählten Sennen auftreten können. Die jungen Älpler wurden von der über 400 Jahre alten Sennenbruderschaft auserkoren und feiern diese Tage zusammen mit ihren Begleiterinnen.

Doch keine Feier ohne Vorbereitung: Vergangene Woche ­haben sich die Sennen mit ihren «Jumpfern» das Rüstzeug für ihren grossen Tag geholt: Sie lernten, wie man tanzt oder Fahnen schwingt. Hinzu kamen eine Besprechung mit dem Pfarrer für die Messfeier und natürlich das Anprobieren der Trachtenkleider: Etwas unbeholfen schaut der junge Mann mit Dreitagebart auf die beiden Stoffbänder, die von seinen Schultern baumeln. «Und wie macht man die jetzt fest?» Trudy Gisler zeigt ihm die Kniffe, wie die Bänder zu Hosenträgern umfunktioniert werden.

Die Farbe muss zur Persönlichkeit passen

«Seit ungefähr 20 Jahren darf ich diese Aufgabe jetzt schon erfüllen», sagt Gisler. «Genau mitgezählt habe ich aber nicht.» Die gelernte Schneiderin aus Altdorf sorgt jedes Jahr für ein tadelloses Auftreten der Sennen und ihrer Begleiterinnen – zumindest was die Kleider angeht. Ausgerüstet mit Nadel, Faden und viel Leidenschaft, passt sie die traditionellen Trachten an. Dabei handelt es sich um ganz spezielle Gewänder. Die Männer tragen Bundhosen, die an Knicker­bocker erinnern, ein weisses Hemd und ein besticktes Samt­gilet, den Lender. Die weibliche Begleitung trägt die alte Form der Urner Tracht, bestehend aus rot-schwarzem Rock mit farbiger Schürze, und ein Mieder. «Die Farben der weiblichen Tracht sind nicht willkürlich gewählt», erklärt Gisler, «wir schauen immer, dass der Farbton zur Persönlichkeit der ‹Jungfer› passt.»

Eine der wichtigsten Aufgaben besteht darin, dass die Trachten exakt passen. Aber auch ums komplizierte Anziehen des Gewandes kümmern sich die Helferinnen. «Die Tracht der Frau ist etwas, was man nicht einfach so wie ein gewöhnliches Kleidungsstück überziehen kann», sagt Gisler. Das Gewand besteht aus vielen Einzelteilen, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Was die Aufgabe des Teams zusätzlich erschwert: «In der Schweiz gibt es nur noch zwei ­Seidenwebereien, die Stoffe für uns herstellen», sagt Gisler.

Die Schneiderin nimmt ihre Aufgabe an der Sennenkilbi ernst und ist sehr stolz darauf. «Ich mache das, weil es die Pflege eines altes Kulturguts ist», betont die Altdorferin. Bereits 1925 hätten die Sennen und die Sennenmädchen ähnliche Trachten getragen, wie auf seltenen Fotos zu sehen ist, die Gisler zu Hause aufbewahrt. «Diese Tradition will ich unbedingt weiterführen.»

Helferinnen stehen im Notfall zur Seite

Sind die Sennen und «Jumpfern» einmal angezogen, ist für Trudy Gisler und ihr vierköpfiges Team noch nicht Feierabend. Den ganzen Tag während der Sennen­kilbi halten sich die Helfer nicht weit vom Geschehen bereit. «Grundsätzlich ‹verdhebt› die Tracht», meint Gisler. Sollte aber vor ­lauter «Beedälä, Müsigä und Fahnäschwingä» eine Naht platzen, liegen Nadel und Faden immer griffbereit. «Ersatztrachten haben wir aber keine», betont Trudy Gisler. Doch sind die Kleider auch wasserfest und regentauglich? «Von sieben Mal ist sicher sechs Mal schönes Wetter an der Sennenkilbi», sagt Gisler. Doch wenn wie dieses Jahr die Ausnahme die Regel bestätigt, wird vom Dorfplatz in die Aula gewechselt – auch zum Schutz der traditionellen Gewänder.

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