URI: So macht auch schneearmer Winter Spass

Es mag zwar momentan an Schnee mangeln. Doch die Natur lässt sich auch so geniessen. Entsprechend sind Gaststätten mit dem Besucheraufmarsch zufrieden, eine Luftseilbahn fährt gar einen Rekord ein.

Matthias Stadler
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Eine Aussicht, die ihresgleichen sucht: von den Eggbergen über den Vierwaldstättersee Richtung Niederbauen. (Bilder: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))

Eine Aussicht, die ihresgleichen sucht: von den Eggbergen über den Vierwaldstättersee Richtung Niederbauen. (Bilder: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))

Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Wahrlich: Vom Schnee verwöhnt wurden wir diesen Winter bis dato noch nicht. Obwohl der Saisonbeginn vielversprechend war, hatte die weisse Pracht gegen den Föhn nicht den Hauch einer Chance. Der meiste Schnee, der im November fiel, floss kurz darauf in nasser Form wieder ins Tal. Seither löst ein Hoch das andere ab.

Nun mag man denken, dass die Gaststätten und Berggebiete Grund zum Trauern hätten. Doch nicht überall wird Trübsal geblasen. Dies zeigt ein Augenschein entlang des Schächentaler Höhenweges. An der Talstation der Ruogigbahn in Bürglen stehen sich am vergangenen Donnerstag Ausflügler die Beine in den Bauch. Der Grund: Sie wollen an die Sonne, sind aber bei weitem nicht die Einzigen. Zwischen 15 und 30 Minuten Wartezeit müssen eingerechnet werden. Das Viererbähnli kommt an seine Grenzen. Doch die Geduld lohnt sich. Nach wenigen Minuten Fahrt und ein paar hundert Höhenmeter weiter oben liegt das Nebelmeer unter dem Besucher. Sogleich wird es gefühlt 10 Grad wärmer. In der Mittelstation begrüsst Albin Bunschi von der Ruogigbahn die Passagiere. «Usinnig güät» laufe es momentan. «Einen solch guten Dezember hatten wir noch nie.» Das liege am schönen Wetter und dem Nebel im Tal. Ausserdem ist es trocken und momentan auch sehr sichtig. Wunderbare Bedingungen für Wanderer also.

Das Füdli bleibt trocken

Oben auf der Bergstation, auf 1730 Meter über Meer, liegt etwas Schnee, der Schächentaler Höhenweg ist zu guten Teilen weiss. Trotzdem ist Braun die dominierende Farbe. An den Hängen, wo die Sonne hinkommt, liegt wenig Schnee. Man kann auf das Gras sitzen, ohne dass das Füdli nass wird. Im Alpstubli Selez sitzen die Gäste aber lieber auf der Terrasse. Gut fünfzehn Personen haben es sich gemütlich gemacht, tanken Sonne, trinken Kaffee. «Die Leute sind gekommen, obwohl es keinen Schnee gegeben hat», erklärt Josef Arnold, Wirt des Alp­stublis. Er sei zufrieden mit dem Geschäftsgang. Kurz darauf macht er sich wieder an das Bedienen seiner Gäste.

Auch Bärti Gisler ist dieser Tage ein beschäftigter Mann. Der Wirt des Fleschkiosks, etwas weiter entlang dem Höhenweg gleich neben dem zugefrorenen und mit Schnee bedeckten Fleschsee, strahlt deswegen mit der Sonne um die Wette. «Dieses Wetter ist für uns ideal. Ski fahren können die Leute momentan nicht, und alle haben Ferien. Dann wollen sie an die Sonne, welche wir hier natürlich zur Genüge haben.» Ein Blick auf die Terrasse des Kiosks bestätigt seine These. Das Schächental und das Nebelmeer überblickend, ist der Platz gut besucht, die Gäste sind bestens gelaunt, essen Bratwurst, auch ein Bier oder zwei werden serviert. Aus der Musikanlage ertönt ein Jodelstück – heile Welt pur. Sollte der Wintereinbruch doch irgendwann kommen, ist Bärti Gisler ebenfalls guten Mutes: «Dann kommen die Leute zum Schneeschuhlaufen.» Er gewinnt allem etwas Gutes ab.

Einen Steinwurf weiter, Richtung Hüenderegg, jassen zwei Familien aus Altdorf und Attinghausen. Schon zum dritten Mal diese Woche seien sie hier oben. Oben, auf der Hüenderegg, picknicken etliche Wanderer. Dabei könnte man fast schon die Nebelsuppe über dem Urnersee auslöffeln, so dick erscheint sie. Es wird auch geknipst, denn das Panorama lässt selbst Einheimische nicht kalt. Vom Uri-Rotstock zum Gross Schärhorn, und wie sie alle heissen, ist heute alles zu sehen.

Mit dem Bob die Skipiste hinunter

Beim oberen Ende des Skilifts Eggberge tummeln sich ebenfalls einige Ausflügler und geniessen die Wärme. Zwei Herren aus Baden erfreuen sich an einem Feuer (notabene bevor das Feuerverbot ausgesprochen wurde) und reichen dem neugierigen Journalisten grosszügigerweise eine Portion Raclette. Die Sonne steckt einen definitiv mit guter Laune an.

Nebenan sucht der 13-jährige Nils Willard aus Zürich etwas mehr Action. Er hat einen kleinen Bob mitgebracht und rast damit so weit den Hang hinunter, bis der Schnee aufhört. Immerhin gut 40 Meter liegen drin. Etwas mehr Schnee wäre trotzdem nicht das Schlechteste, meint er.

Selbiges würde wohl die Skipiste sagen, könnte sie denn sprechen. Denn je weiter hinunter man geht, desto weniger Schnee liegt auf ihr. Nur auf der oberen Hälfte ist es noch etwas weiss. Vom Bistro am Skilift, direkt neben dem Skilifthäuschen am unteren Ende der Piste, hat man direkten Blick auf das Braun. Doch auch hier stören sich die Besucher kaum daran. Was will man auch machen? Ändern kann man es ja nicht, ist hier das Echo. Und in der Nebelsuppe sitzen ist keine Alternative – zumindest nicht, wenn man frei hat. Und so ist denn auch René Arnold, Wirt des Bistros, gut gelaunt. «Der Nebel ist super für uns.» Die Leute würden so in die Höhe gehen. Natürlich wäre Schnee schön und auch für die Besucherzahlen gut. Aber man müsse zufrieden sein mit dem, was man hat, sagt der Seedorfer, der das Bistro seit Anfang November führt. «Ich hätte nicht gedacht, dass es so gut anläuft. Und nächste Woche soll es ja Schnee geben.»

Die letzten Sonnenstrahlen

Und dann heisst es auch schon wieder «zurück in den Nebel». Die Talfahrt mit der Luftseilbahn Eggberge gibt einem noch einen Moment Zeit, die letzten Sonnenstrahlen einzufangen. Doch die Nebeldecke kommt unvermeidlich näher. Unten ist dann wieder graue Tristesse angesagt. Doch das schlägt Thomas Desax nicht auf die Laune. Er arbeitet für die Luftseilbahn und befördert die Passagiere. «Wir haben gute Besucherzahlen», sagt er. Die Frequenzen würden im Rahmen der Vorjahre liegen. Momentan seien es halt nicht die Skifahrer, die hinauffahren würden, sondern Wanderer. Aber auch Mountainbiker und Gleitschirmpiloten gehören zu den Passagieren.

«Wir können insgesamt sagen: Wir dürfen zufrieden sein», sagt Desax. Damit zieht er ein Fazit, dass dieser Tage für viele Beizer und Luftseilbahnen in der Region gelten dürfte.

Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016)

Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016)

Nils Willard aus Zürich geniesst, was vom Winter da ist. (Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))

Nils Willard aus Zürich geniesst, was vom Winter da ist. (Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))

Fleschkiosk-Wirt Bärti Gisler ist zufrieden mit den Besucherzahlen. (Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))

Fleschkiosk-Wirt Bärti Gisler ist zufrieden mit den Besucherzahlen. (Bild: Matthias Stadler (Eggberge, 29. Dezember 2016))