Uri soll mit NRP-Geldern noch digitaler werden

Die Volkswirtschaftsdirektion stellt das Programm für die Neue Regionalpolitik vor. Über 15 Millionen Franken stehen für Projekte bereit.

Florian Arnold
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Eine Hängebrücke am Salbitschijen, eine Datenbank für Bauland, eine Website, auf der Heimarbeit angeboten wird, ein Co-Working-Space: Dies sind alles Projekte, die mit den Geldern aus der Neuen Regionalpolitik, kurz NRP, des Bundes mitfinanziert wurden. Damit soll die Entwicklung in den ländlichen Regionen und im Berggebiet vorangetrieben werden. In Uri konnten mit NRP-Geldern in den vergangenen vier Jahren 63 Projekte unterstützt werden, davon waren 14 überkantonal.

Profitieren sollen dezentrale Gemeinden wie Wassen.

Profitieren sollen dezentrale Gemeinden wie Wassen.

Manuela Jans-Koch | Lz

Jetzt hat die Volkswirtschaftsdirektion Uri das neue Programm für die Jahre 2020 bis 2023 ausgearbeitet. Für die Umsetzung der Projekte gibt es rund 6,4 Millionen. Diese werden je hälftig von Bund und dem Kanton bereitgestellt. 9,7 Millionen stehen zudem als Bundesdarlehen und gut 1,9 Millionen à fonds perdu als Äquivalenzleistung des Kantons zur Verfügung. «Die NRP-Projekte sind für uns sehr wichtig», sagt Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind. «Diese Impulse haben nachhaltige Effekte. Daraus entwickeln sich Wirtschaftstätigkeiten, die wir sonst nicht hinbekommen hätten.» Gerade in der aktuell schwierigen Zeit seien diese Mittel sehr willkommen, so Camenzind.

Regierungsrat und Landammann Urban Camenzind

Regierungsrat und Landammann Urban Camenzind

Pd / Urner Zeitung

Die Projekte sind sehr vielfältig. Als aktuelles Beispiel nennt Camenzind etwa ein Netz an E-Bike-Stationen, das nun entstanden ist, oder das Projekt Tempcamp von Uri Tourismus mit temporären Campingmöglichkeiten. Potenzial für einen Unterstützungsbeitrag macht er beim Tourismusprojekt für das Brüsti aus. «Hier verspreche ich mir, dass wir mithelfen können, dass sich die Investoren und die Gemeinde Attinghausen finden werden.»

Bund begrüsst Bemühung um Digitalisierung

Der Hauptfokus des neuen Programms liegt auf der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und auf der Erhöhung der Wertschöpfung in Industrie, Gewerbe, Dienstleistungen und Tourismus. Als übergeordnetes Ziel hat man sich im Programm zudem gesetzt, die Digitalisierung voranzutreiben. «Wir versuchen, bei allen Projekten darauf hinzuweisen, dass das Potenzial der Digitalisierung berücksichtigt wird», erklärt Camenzind. «Wir müssen hier am Ball bleiben, dass die Digitalisierung nicht nur im Flachland passiert, sondern auch bei uns.» Dies begrüsse auch der Bund.

Lob gab es seitens des Bundes auch für die Organisation der NRP-Abläufe im Kanton Uri. Allgemein pflege man einen guten Draht zu den betroffenen Bundesstellen. «Man hilft uns, wo es geht», sagt der Volkswirtschaftsdirektor. Mehr Hilfe gibt es mit dem neuen Programm auch für potenzielle Gesuchsteller. So gibt es neu nur noch eine zentrale Anlaufstelle. Diese wird von Christine Widmer Baumann betrieben. Diese hatte sich bisher ausschliesslich um die Belange der Gemeinden gekümmert, nicht aber um Ideen für den Tourismus oder die Wirtschaft, die nun zu ihren neuen Aufgabengebieten gehören. «Ich hoffe, dass wir mit klaren Verantwortlichkeiten noch fokussierter werden», sagt Camenzind. «Das Ziel muss es sein, die Informationen noch näher an jene Leute zu bringen, welche Ideen haben und umsetzen möchten.»

Mal eine Idee, mal ausgereiftes Projekt

Christine Widmer Baumann, Projektmanagement NRP Uri

Christine Widmer Baumann, Projektmanagement NRP Uri

Pd / Urner Zeitung

Christine Widmer ist auf Mandatsbasis vom Urner Gemeindeverband angestellt – um die Unabhängigkeit des Kantons zu gewähren, der schliesslich über die Gesuche beschliesst. «Meine Unterstützung ist sehr unterschiedlich», sagt Christine Widmer auf Anfrage. «Manchmal ist es nur eine Idee, bei der wir von Anfang an beim Aufgleisen helfen oder die richtigen Ansprechpartner finden. Ein anderes Mal sind es Projekte, die schon weit fortgeschritten sind und bei denen es um den letzten Schliff der Gesuche geht.» Daneben helfe sie auch mit, weitere Anstösse zu geben – wie etwa im Bereich der Digitalisierung. Es könne aber auch sein, dass sie davon abraten müsse, ein Projekt weiterzuverfolgen, da es keine Aussicht auf einen Beitrag gäbe. Bereits seien einige Projekte in Erarbeitung, verrät Widmer: So etwa die Attraktivitätssteigerung der Schöllenen und der Wanderweg Bäzberg.

Auch UKB zahlt an Projekte in Gemeinden

Ebenfalls in Zusammenhang mit den NRP-Geldern stehen die «Strukturimpulse», welche in Zusammenarbeit mit der Urner Kantonalbank entstanden sind. Als Ausgleich für die Schliessung von Filialen in mehreren Gemeinden wurde unter der Federführung der Volkswirtschaftsdirektion ein Unterstützungsprogramm entwickelt. Nun wurde in die Umsetzungsperiode 2020 bis 2023 gestartet. Die UKB stellt 500000 Franken für Projekte zur Verfügung. «Die UKB-Strukturimpulse sind an die Kriterien der NRP angelehnt, unterstützen aber zusätzlich auch Projekte in der Wohnraumentwicklung», schreibt die Volkswirtschaftsdirektion in einer Mitteilung. Das sei eine willkommene Ergänzung.

Zusätzliche Mittel von Staatssekretariat für Wirtschaft

Pilotmassnahmen


Zusätzlich zu den NRP-Massnahmen hat das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) Pilotmassnahmen für die Berggebiete initiiert. Dadurch stehen zusätzliche 1,5 Millionen Franken zur Verfügung. Dabei werden die Kriterien für die NRP-Unterstützung flexibler und breiter ausgelegt. Diese Pilotmassnahmen sollen es ermöglichen, Verbesserungspotenzial in der Unterstützung von Berggebieten aufzudecken. Im Testperimeter für die Pilotmassnahmen befinden sich folgende Urner Gemeinden: Andermatt, Bauen, Göschenen, Gurtnellen, Hospental, Isenthal, Realp, Seelisberg, Sisikon, Spiringen, Unterschächen und Wassen. (zf)