URI: Sorge um Arztpraxis im Urner Oberland

Seit März arbeitet die Göschener Dorfärztin auch in einer Praxis in Beromünster. Nun befürchten Urner Patienten, es komme deshalb im Oberland zu Abstrichen.

Anian Heierli
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In Randregionen wird es zunehmend schwieriger, Hausärzte zu finden. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

In Randregionen wird es zunehmend schwieriger, Hausärzte zu finden. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Anian Heierli

Vor knapp einem Jahr hat die Ärztin Dorothea Stüttgen-Abdalla die Dorfpraxis in Göschenen übernommen. Anwohner und Behörden freuten sich über die Neubesetzung, da es sonst immer weniger Ärzte gibt, die in Randregionen praktizieren wollen. Die anfängliche Freude legte sich aber, als klar wurde, dass Stüttgen-Abdalla keinen Notfalldienst im Oberland übernimmt. Die Ärztin arbeitet aktuell zu 50 Prozent in Uri und lebt ausserhalb des Kantons, weshalb der ärztliche Notfalldienst Urner Unterland zwei Drittel des Notfalldienstes im Oberland abdecken muss. Den restlichen Drittel stellt der Andermatter Arzt Michael Schmid ­sicher.

Zweite Praxis in Beromünster

Nun haben Patienten festgestellt, dass Stüttgen-Abdalla seit dem 1. März auch in einer Praxis in Beromünster arbeitet. Deshalb geht die Sorge um, die Ärztin könnte Göschenen verlassen, oder sie würde ihre Tätigkeit im Urner Oberland einschränken. Diese Sorge scheint aber unberechtigt. «Meine Frau wird Göschenen und Andermatt mindestens in den nächsten zehn Jahren nicht verlassen», sagt ihr Ehemann und Wirtschaftsprofessor Akmal Wassef Abdalla auf Anfrage unserer Zeitung. Seit einem Jahr leitet Akmal Abdalla die Helvig Arztpraxen AG, zu der aktuell die Praxen in Göschenen und Beromünster gehören. «Die Helvig AG beschäftigt mehrere Ärzte auf Honorarbasis», sagt Abdalla. Gleichzeitig sei er auch auf der Suche nach festangestellten Medizinern und Praxisassistentinnen – dabei bevorzuge er gut ausgebildetes Schweizer Personal. Es ist zudem geplant, weitere Praxen in der deutschsprachigen Schweiz zu eröffnen.

Auch chirurgische Eingriffe

«Bei der Helvig AG handelt es sich um ein modernes Praxensystem, das die Grundversorgung in Randregionen garantiert», so Abdalla. Die Praxis soll aber auch in Zukunft mindestens zu 50 Prozent betrieben werden. «Ein Vollbetrieb rentiert momentan in Göschenen nicht», sagt Abdalla. In Zukunft sei dies aber denkbar. Denn das Urner Dorf hat gut 400 Einwohner. «In der Region müssten mehr Leute leben, damit es sich lohnt, die Praxis stärker zu betreiben», so Abdalla. Der Geschäftsführer der Helvig AG betont aber, dass in seiner Praxis in Göschenen Notfallpatienten angenommen werden. «Wer einen Unfall hat, darf ungeniert vorbeikommen», sagt er. Seine Frau habe in Göschenen auch schon chirurgische Eingriffe durchgeführt. Und wenn die Praxis unbesetzt ist, wird das Telefon auf ein Callcenter weitergeleitet. «Meine Frau und ich schätzen Uri und die freundliche Art der Einwohner sehr», so Abdalla. Auch deshalb will die Helvig AG in Göschenen bleiben.