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URI: Toni Waser: «Am gefährlichsten ist die Routine»

Er hat sich vom Scheibenwechsler an den Scheinwerfern zum Präsidenten hochgearbeitet. Jetzt wirkt Toni Waser wieder hinter der Kulisse.
Markus Zwyssig
Toni Waser sorgt dafür, dass bei den Tellspielen auf der Bühne alles rundläuft. (Bild F. X. Brun)

Toni Waser sorgt dafür, dass bei den Tellspielen auf der Bühne alles rundläuft. (Bild F. X. Brun)

Ihn sieht man während der Aufführungen nicht auf der Tellspiel-Bühne. Und trotzdem spielt Toni Waser eine wichtige Rolle in der diesjährigen Inszenierung. Er ist zuständig dafür, dass die Schauspieler zum richtigen Zeitpunkt auf der Bühne stehen, alles eingerichtet ist und die Requisiten bereit sind, wenn sie benötigt werden. Waser ist auch darum bemüht, dass niemand einen Einsatz verpasst. So gibt er den Musikanten im Orchestergraben pro Abend über 50 Lichtzeichen. Denn nur so kann Dirigent Michel Truniger den Musikanten die Einsätze geben. Denn obwohl es im Orchestergraben einen Monitor gibt, bekommen die Musikanten nur wenig davon mit, was auf der Bühne abgeht.

Grosser Einsatz fürs Spektakel

Alles muss bereitstehen, wenn es gebraucht wird: Sei es der grosse Findling auf dem Rütli oder das Aquarium, in dem sich nach der Pause Tell befindet. Die Technik, die bei der Neuinszenierung unter der Regie von Phi­lipp Becker eine bedeutende Rolle spielt, erfordert viel Aufmerksamkeit. So muss sich die grosse Eisenklappe im Hintergrund nach Plan öffnen und schliessen. Die Hebebühne muss gut getimt nach oben gehievt werden und ebenso wieder nach unten fahren. Das Theaterstück ist ein Spektakel mit Wasser, Feuer und Pyrotechnik. Das schlägt sich auch auf die Arbeit des Bühnenteams nieder. «Wir hatten noch nie so viel zu tun wie dieses Mal», sagt Waser. Daher ist er jeweils zwei Stunden vor der Aufführung bereits im Tellspielhaus.

Waser kann auf acht Helfer im Bühnenteam zählen. Pro Aufführung müssen mindestens vier Personen anwesend sein. Jeder hat ein Drehbuch. «Die Checkliste muss Punkt für Punkt abgearbeitet werden», erklärt er. Die Männer verständigen sich per Funk miteinander. Trotzdem kann einmal etwas schieflaufen und eine Meldung falsch ankommen. So gab es auch bei der Premiere der Tellspiele einen Schreckensmoment: Die Dachdecker-Puppe ist zu früh von der Bühnendecke heruntergefallen. In so einem Moment gelte es, Ruhe zu bewahren. «Man darf die Nerven einfach nicht verlieren», sagt Waser. «Alle müssen weiterspielen. Das zeichnet auch die Professionalität aus.» Waser ist bei allen 26 Tellspiel-Aufführungen dabei. Konzentration brauche es bei jeder Aufführung. «Am gefährlichsten ist die Routine. Wenn man sich sicher fühlt, passieren die meisten Fehler.»

Asylbewerber helfen mit

Nach der Pause regnet es auf der Bühne in Strömen. Was das Publikum nicht sieht: In der Pause wurde Wasser aus einem Feuerwehrschlauch auf die Bühne gespritzt. «Viel Wasser auf der Bühne zu haben, ist sicherer, als wenn es nur wenig ist», erklärt Waser. «Das vermindert die Unfallgefahr.» Nach der Vorführung ist die Arbeit noch nicht zu Ende. So müssen zirka 2000 Liter Wasser vom Bühnenboden abgesaugt werden. Dabei gibt es Unterstützung für das Bühnenteam. Eine Gruppe von Asylbewerbern kommt jeweils um 22 Uhr. Sie setzen die Pumpe der Feuerwehr ein, um Wasser über die Rampe ins Freie zu leiten, was rund eine Dreiviertelstunde dauert. Dann haben auch die Asylbewerber Feierabend. «Sie haben Freude, bei uns mitzumachen», sagt Toni Waser. Auch beim Einrichten der Bühne für die Tellspiele hätten sie geholfen.

Eine grosse Familie

Der 65-jährige Altdorfer findet seine Arbeit streng, aber trotzdem toll. Er ist bereits in der dritten Saison Inspizient. Auch bei den beiden Inszenierungen von Volker Hesse (2008 und 2012) übernahm er das Amt. Zuvor war er Präsident der Tellspielgesellschaft Altdorf. Begonnen hat er aber ganz bescheiden. Zu Beginn der 1990er-Jahre war er als Scheibenwechsler für die Scheinwerfer im Einsatz. Er sorgte mit seiner Arbeit für die richtigen Farben zur richtigen Zeit auf der Bühne. In der darauffolgenden Saison war er für die Organisation der Platzanweiser zuständig. Dann wurde er zum Vizepräsidenten gewählt. Als Louis Naef Regie führte (2004), war er Präsident der Tellspielgesellschaft Altdorf.

«Der Turnus von vier Jahren bis zur nächsten Neuinszenierung der Altdorfer Tellspiele ist gut», findet Waser. Alle seien motiviert, die neue Saison in Angriff zu nehmen. «Wir sind eine grosse Familie», sagt Waser. Rechnet man alle Helfer im Hintergrund mit, sind mehr als 200 Personen im Einsatz. «Es entstehen während der Proben und Aufführungen viele Freundschaften. Und: Es gab sogar schon Tellspiel-Ehen», so Waser schmunzelnd. Trotzdem weiss er bereits heute, dass er froh sein wird, wenn am 22. Oktober die Saison zu Ende geht. Dann geniesst er wieder die zusätzliche Zeit, die er für sich nach eigenem Gutdünken zur Verfügung hat.

Eines weiss Toni Waser ganz genau. In die Politik will der pensionierte Kantonsangestellte nicht einsteigen. Er sei auch schon angefragt worden, ob er sich für den Landrat nominieren lasse. Er habe aber abgesagt. Im kulturellen Bereich helfe er aber gerne. So war er auch auf der schwimmenden Kulturplattform Seerose im vergangenen Jahr in Flüelen im Urner-OK als Vizepräsident tätig.

Theaterspieler zu Kollegi-Zeiten

Selber hat Toni Waser bei den Altdorfer Tellspielen zwar noch nie mitgespielt. In jungen Jahren stand er beim Kollegi-Theater in Schwyz auf der Bühne, und er machte bei den damaligen Theateraufführungen «Hänsel und Gretel» sowie «Ali Baba und die 40 Räuber» bei der Pfadi Altdorf mit. Der Lohn für die Arbeit ist nicht viel grösser geworden als damals. Heute gibt es ein Nachtessen nach der Premiere und der Derniere sowie zum Abschluss der Saison eine Theaterreise. Das Wichtigste sind jedoch die vielen neuen Kontakte, die geschlossen werden – verbunden mit schönen gemeinsamen Stunden nach den Aufführungen.

Markus Zwyssig

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