URI: Urgesteine gründen grösste Guggenmusik im Kanton

Ehemalige Urner Guggenmusikanten wollen wieder an der Fasnacht Musik mitmachen. Sie haben eine neue Guggenmusik gegründet – ihr Konzept könnte auch über die Kantonsgrenzen hinweg Schule machen.

Drucken
Teilen
Die Mitglieder der «Gugg-ÜR-Gschtei» wollen an der Urner Fasnacht 2017 wieder auf die Pauken hauen. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, November 2016))

Die Mitglieder der «Gugg-ÜR-Gschtei» wollen an der Urner Fasnacht 2017 wieder auf die Pauken hauen. (Bild: Urs Hanhart (Altdorf, November 2016))

Es ist über zehn Jahre her, seit Pius Arnold letztmals lautstark mithalf, den Winter zu vertreiben und sich in Vollmontur, geschminkt, die Nächte um die Ohren schlug. Dann verabschiedete sich der heute 41-jährige Urner vom aktiven Guggenmusikmachen. Doch der Seedorfer verrät: «Jedes Mal, wenn ich irgendwo Guggenmusik höre, spüre ich immer noch ein gewisses Zwicken.»

Als sich vergangenes Jahr abzeichnete, dass sich die «Balanggä-Bäägger» aus Seedorf, seine Stamm-Guggenmusik, auflösen würden, fassten sich Arnold und ein paar Kollegen ein Herz: Sie beschlossen, wieder selber ins Urner Fasnachtsgeschehen einzugreifen.

Der Probenaufwand wird gering gehalten

«Wer in Uri mit 30 Jahren noch in einer Gugge ist, ist ein alter Sack», sagt Christian Zberg (37). «Trotzdem ist auch in diesem Alter vielleicht noch das Interesse da, Guggenmusik zu machen.» So ging es offenbar vielen Urnern. Bald war eine ganze Gruppe zusammengetrommelt. Und dem Vorhaben schlossen sich auch ehemalige Mitglieder von anderen Guggen an. Fest stand von Anfang an: Der zeitliche Aufwand sollte sich für die Beteiligten in Grenzen halten. Acht Proben müssten reichen, um damit zwei Auftritte bestreiten zu können. «Das ist kein einfaches Ziel», sagt Pius Arnold. Mit diesem Konzept trafen die Organisatoren den Nagel auf den Kopf. «Viele haben keine Lust, schon im September mit Proben zu beginnen und im Winter Wochenende für Wochenende einen Auftritt zu bestreiten», sagt Christian Zberg. «Mit unserer Philosophie aber haben wir auch Leute gewonnen, die nie in einer Guggenmusik waren, das aber schon immer einmal ausprobieren wollten.» Daneben habe man auch ehemalige Mitglieder angesprochen, die aus familiären Gründen mit dem Guggenmusikmachen aufgehört hatten und deren Kinder mittlerweile aus dem Vorschulalter heraus sind. «Jetzt haben sie wieder Zeit, sich zu engagieren», führt Zberg aus. Im November hat die neue Urner Guggenmusik mit Proben begonnen. «Jeder ist selber verantwortlich, dass er seinen Part einigermassen hinbekommt», erklärt Zberg, der die musikalische Leitung übernommen hat. Noten und Hörbeispiele wurden – wie heute üblich – elektronisch verschickt. Für die kleineren Instrumente wie Trompeten und Posaunen sei jeder selber verantwortlich. Die grösseren wie «Chuchi» (Schlagzeug), Pauken oder Sousafon organisiert der neue Verein – und vermietet sie den Spielern weiter.

«Es war nicht ganz einfach, an die Instrumente heranzukommen», erzählt Arnold. Teilweise musste man bis nach Ob- und Nidwalden oder Schwyz suchen gehen. «Aber es war schön, dass wir von überall her Unterstützung erhalten haben. Eine Abneigung gegen das Projekt haben wir nirgendwo gespürt.»

Gespielt werden nicht etwa alte Klassiker, sondern ein fast neues Repertoire. Vier Songs wurden frisch arrangiert und zwei aus dem Repertoire der «Balanggä-Bäägger» reaktiviert. Auch bei der Verkleidung schlagen die Organisatoren einen liberaleren Kurs ein als die restlichen Guggen. «Wir haben ein Motto, zu dem sich jeder selber verkleiden kann», sagt Zberg.

Gruppe ist auf 60 Mitglieder angewachsen

«Das Ding wird an der kommenden Fasnacht durchgezogen. Dann entscheiden wir, wie und ob es weitergehen soll», sagt Arnold. Vorstellbar sei etwa, dass man nur alle zwei Jahre an der Fasnacht auftritt. «Wir erhoffen uns, dass wir noch grössere Kreise ziehen werden», sagt Christian Zberg, obwohl die Gruppe mit 60 Musikanten bereits jetzt die grösste Urner Guggenmusik sein wird. Vielleicht wird ihre Idee sogar über die Kantonsgrenze hinaus Nachahmer finden. «Das würde uns natürlich freuen», sagt Pius Arnold. Den Namen allerdings nehmen die Urner für sich in Anspruch: «Gugg-ÜR-Gschtei» gehört einfach in den Kanton Uri.

Florian Arnold

 

florian.arnold@urnerzeitung.ch