URI: Urner Lebensretterin wirbt für Zivilcourage

Sara Ineichen-Bissig ist seit Jahrzehnten engagierte Rettungsschwimmerin und hat schon mehrfach Menschen vor dem Ertrinken bewahrt. Jetzt soll die Urner Polizistin in die Christophorus-Stiftung gewählt werden.

Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
Sara Ineichen-Bissig (40) im Schwimmbad Altdorf. Sie setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen den Mut haben, im Ernstfall zu helfen. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 2. März 2017))

Sara Ineichen-Bissig (40) im Schwimmbad Altdorf. Sie setzt sich dafür ein, dass mehr Menschen den Mut haben, im Ernstfall zu helfen. (Bild: Corinne Glanzmann (Altdorf, 2. März 2017))

Diesen Augenblick vergisst Sara Ineichen-Bissig nicht so schnell. Bei einer Regatta fällt ein Ruderer bei der Zieleinfahrt unvermittelt aus dem Boot. Der einstige Weltmeister treibt bewusstlos im Wasser. Jetzt gilt es, schnell zu reagieren. «Zum Glück gelang es uns, den Mann wiederzubeleben», erinnert sich die 40-jährige Urnerin. Es ist nicht das einzige Mal, dass sie einen Menschen vor dem Tod bewahrt.

Sara Ineichen hat mehrfach unter Beweis gestellt, dass sie Zivilcourage hat. Nun soll sie im Stiftungsrat der Christophorus-Stiftung Einsitz nehmen (siehe Box) – und dort andere Menschen in den Fokus stellen, die heldenhaft gehandelt haben. Ins Leben gerufen wurde die Stiftung von der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG). Sie hat das Ziel, Lebensretter auszuzeichnen. Die Region Zentral, welche Sara Ineichen vertritt, befasst sich pro Jahr mit fünf bis zehn Wasserunfallmeldungen aus dem Raum Zentralschweiz.

Wer ist diese Frau, die einen Grossteil ihrer Freizeit dafür einsetzt, Kindern das Schwimmen beizubringen und Menschen vor dem Ertrinken zu retten? Früher hat Sara Ineichen im Schwimmklub Uri aktiv an Rennen teilgenommen. Im Teenageralter verabschiedete sie sich aber vom Leistungssport. «Im Schwimmsport wird es schwierig, an der Spitze mitzuhalten, wenn man etwas älter wird.» Das Wasser blieb aber ihr Element.

Frau vor dem Herztod gerettet

Mit 15 Jahren bestand sie das SLRG-Brevet zur Rettungsschwimmerin. Mit 18 Jahren war sie bereits Kursleiterin bei der SLRG Sektion Uri. Viele Jahre half sie im Schwimmbad Altdorf als Bademeisterin aus. Im Schwimmbad selbst kam es dabei nie zu einem Ernsteinsatz. Einmal musste sie jedoch notfallmässig ins angrenzende Restaurant rennen. Eine Frau hatte einen Herzinfarkt erlitten. Dank ihrem raschen Eingreifen konnte sie reanimiert und gerettet werden.

«Prävention muss schon früh ansetzen», ist Sara Ineichen überzeugt. Deshalb besucht sie in den Urner Gemeinden Schulklassen, um Mädchen und Buben für die Gefahren am und im Wasser zu sensibilisieren. Die SLRG hat dazu das Projekt «Das Wasser und ich» ins Leben gerufen, das sich an Kindergärtler richtet. Mit Kindern in diesem Alter ist Ineichen als Mutter zweier Mädchen im Alter von 6AABB22und 8AABB22Jahren vertraut. Sie unterrichtet zudem im Schwimmbad Altdorf im Rahmen von J + S eine Gruppe Kinder im Schwimmen. Im Gegensatz zu anderen Ländern hätten die Menschen in der Schweiz eine gute Ausgangslage. «Die Kinder lernen bei uns von klein auf, wie man sich am Wasser richtig verhält.»

Seit mehr als zwanzig Jahren ist Sara Ineichen bei der Urner Sektion der SLRG aktiv. Sie war Technische Leiterin und Jugendverantwortliche. Zu Beginn war sie Aktuarin. Eine Tätigkeit, die sie heute wieder ausführt. Beruflich arbeitet die Urnerin in Luzern als Polizistin.

«Schwimmunterricht darf nicht gestrichen werden»

Früher galt der Leitsatz, dass jeder Schwimmer ein Rettungsschwimmer sein soll. Doch das sei als hochgestecktes Ziel in weiter Ferne, sagt Sara Ineichen. «Schön wäre es, wenn jeder Mensch schwimmen könnte und sich im Wasser richtig verhält.» Schulschwimmen müsse in allen Gemeinden angeboten werden. «Wenn es keinen Schwimmunterricht gibt, wird am falschen Ort gespart.» Die SLRG hat im Rahmen des LehrplansAABB2221 Unterrichtsmaterial entwickelt, das für die Gefahren im Wasser sensibilisiert.

Die Zahl der Menschen, die ertrinken, ist in den vergangenen Jahren konstant geblieben. Sara Ineichen hofft, dass die ­Präventionskampagnen der SLRG auch ihren Beitrag dazu leisten. «Es braucht viel Mut, ­jemandem in einer lebensbedrohlichen Situation im Wasser zu ­helfen», sagt Ineichen. Als Rettungsschwimmer brauche es Zivilcourage, und man trage grosse Verantwortung. Dabei gäbe es aber auch Grenzen: «In den Kursen lernt man auch, dass es wichtig ist, sich nicht selber in Gefahr zu bringen.»

Markus Zwyssig