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URI: Urnerin kämpft sich mit Disziplin zum Traumkörper

Anita Baumann ist eine der besten Fitnessathletinnen der Schweiz. Nun hat sie in Südafrika an einem Profi- Wettkampf brilliert.
Anita Baumann beim Spagat­training in Horw. (Bild Anian Heierli)

Anita Baumann beim Spagat­training in Horw. (Bild Anian Heierli)

Auf der Strasse fällt Anita Baumann (32) kaum auf. Das Haar hat sie zu einem praktischen Pferdeschwanz zusammengebunden, Lippenstift und Schminke sind dezent. Als Schmuck trägt sie einzig zwei kleine Perlenohrringe. Ihre insgesamt unauffällige Erscheinung wird zusätzlich von einer ruhigen, zurückhaltenden Art untermauert.

Auffällig wird Baumann erst, wenn sie ihren Pullover abstreift und im Muskelshirt das Trainingscenter betritt. Dann zieht das Fitnessmodel alle Blicke magisch an. Von Kopf bis Fuss ist Baumanns Körper durchtrainiert. Mit ihren definierten Muskeln gewann sie dieses Jahr neun Preise. Einige ihrer grössten Erfolge sind Miss World IBFA Fitness, Miss European IBFA Fitness und Miss Universe WFF Aerobic Fitness.

Aktuell Platz zwei in Südafrika

Am Aerobic-Fitness-Wettkampf des WFF-Verbands (siehe Box) in der französischen Hafenstadt La Ciotat holte sie im Juni zusätzlich zum Sieg eine Pro-Card. Damit hat die gebürtige Altdorferin, die heute in Buochs NW lebt, am Samstag in Südafrika im Ort Pretoria erstmals in der Profiklasse starten können. Mit Erfolg: Baumann holte in der Kategorie Aerobic Fitness Model den 2. Platz. Jetzt ist sie «erleichtert» und freut sich «riesig» über das Resultat.

Ihr durchtrainierter Körper kommt nicht von ungefähr «Dafür muss ich hart arbeiten», sagt sie. Tatsächlich ist Baumanns Leben von Disziplin geprägt. «Mit dem Sport lebe ich einen Lifestyle», so Baumann. «Es ist für mich kein Müssen. Das Training gehört einfach zu mir.» 15 Stunden pro Woche trainiert sie im Fitnessstudio. Auf ihrem Plan steht Krafttraining alter Schule. Das heisst: Baumann stemmt jedes Gewicht zwölfmal in drei Durchgängen. Das könne aber variieren. «Ich möchte meine Muskeln ganz ausreizen», betont sie. Deshalb macht sie zwischendurch viele langsame Wiederholungen mit weniger Gewicht. Zudem splittet die Athletin ihr Training innerhalb der Woche. An Tag eins belastet sie die Beine, an Tag zwei die Arme, an Tag drei die Beine und den Rücken und an Tag vier die Schulter und die Brust. Dem Beintraining schenkt sie besondere Beachtung, denn die Beine seien ihr «persönlicher Schwachpunkt».

Die Muskeln machen aber nur einen Teil der Bewertung an Fitness-Wettkämpfen aus. Genauso wichtig ist die Kür, die aus Aerobic- und Tanzelementen besteht. «Dafür braucht es Körperspannung, Beweglichkeit und Talent», erklärt Baumann. «Es hilft mir, dass ich als Kind Kunstturnen gemacht habe und dadurch Körperspannung mitbringe.» Als Fitnessmodell und Wettkampfathletin ist neben dem Training auch die richtige Ernährung entscheidend. Trotz ihrer Muskeln und der Körpergrösse von 1.70 Metern wiegt Baumann nur 61 Kilogramm. Um sehr schlank zu bleiben, isst Baumann viel Gemüse, Huhn und Fisch und verzichtet abends auf Kohlenhydrate. Zudem steigt sie regelmässig aufs Velo und geht joggen. «Hungern musste ich aber noch nie», sagt Baumann. «Zwischendurch gönne ich mir auch Süsses.»

In der Woche vor einem Wettkampf ist ihr Ernährungsplan besonders strikt. Diese sogenannte Entladungs- und Entwässerungsphase dauert rund fünf Tage. Am ersten Tag trinkt Baumann 8 Liter Wasser, am zweiten 10, am dritten 8, am vierten 3 und am fünften nur noch einen halben Liter. Und am sechsten Tag – dem Wettkampf – trinkt sie nichts mehr. Dazu nimmt sie in der Woche vor dem Wettkampf fast keine Kohlenhydrate zu sich. Durch das Entladen des Wasserspeichers kommen die einzelnen Muskeln definierter zum Vorschein.

«Missbrauch kommt vor»

Erst am Wettkampftag lädt Baumann ihre Muskeln dann wieder mit Energie auf, indem sie Reiswaffeln mit Konfi­türe isst. «Dank dieser Vorbereitung sehe ich für kurze Zeit muskulöser aus als sonst», sagt sie. Einige Athleten würden aber immer wie am Wettkampf aussehen, was für Baumann ein Indiz für Doping ist. «Steroide, Anabolika und Medikamentenmissbrauch kommen in der Szene vor», sagt sie. «Ich würde aber nie zu solchen Mitteln greifen. Ich bin ein ästhetischer Mensch. Ein schöner Körper ist mir wichtig, und ich will wie eine Frau aussehen.» Bei gedopten Athletinnen sei das aber nicht der Fall. Steroide und Anabolika führen bei Frauen zu Haarausfall, Unfruchtbarkeit, einer tieferen Stimme und massiven gesundheitlichen Schäden. Beruflich arbeitet sie als Polizistin in Uri. «Grundsätzlich sind die Reaktionen aus meinem Umfeld positiv», sagt sie.

Auch ihre Familie, die anfangs skeptisch reagiert hatte, unterstützt sie mittlerweile bei ihrer Leidenschaft. Ihr Freund Ivan Bucher, der als einer der besten Bodybuilder weltweit gilt, hilft ihr beim Training. Die beiden haben auch bereits gemeinsame Titel an Paarwettkämpfen geholt.

Sie will anderen helfen

Im Januar tritt Baumann eine neue Stelle als Trainerin in einem Fitnes­studio an. «Ich möchte anderen Frauen helfen, ihre Ziele zu verwirklichen, sich auf Wettkämpfe vorzubereiten», sagt sie. Zusätzlich möchte sie sich noch gezielter auf den Sport konzentrieren. Fest steht aber, dass sie in Zukunft nicht noch mehr Muskeln aufbaut. «Ich möchte mein weibliches Aussehen behalten. Selbst wenn dadurch der grosse Erfolg in der Profi-Liga ausbleibt.»

Anian Heierli

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