URI: Urteil verändert Bild des Kesb-Falls

Das Obergericht bemängelt, dass es kein schriftliches Konzept zur Pflege von Klaus Seidel gibt. Der Bruder des Betagten beruft sich auf Gespräche.

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Das Türschild einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Symbolbild) (Bild: Markus von Rotz / Neue NZ)

Das Türschild einer Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde. (Symbolbild) (Bild: Markus von Rotz / Neue NZ)

Florian Arnold

Der Fall Klaus Seidel hat grosse Wellen geschlagen (siehe Box). Vor allem die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) des Kantons Uri musste harte Kritik einstecken. Nun wirft aber ein Urteil des Urner Obergerichts, das nun den Medien zugänglich gemacht wurde, ein anderes Licht auf den Fall. Demnach soll es die Familie verpasst haben, ein schriftliches Konzept einzureichen. Darin sollte dargelegt werden, wie Klaus Seidel zu Hause hätte betreut werden können, ohne ins Heim eingewiesen werden zu müssen. «Bis heute liegen keine entsprechenden Unterlagen vor», so das Obergericht. Hauptsächlich deswegen hätten die Kesb, aber auch das Obergericht keine Anhaltspunkte dafür gehabt, dass eine Betreuung zu Hause funktioniert hätte. Folglich habe die Kesb richtig gehandelt, und das Vorgehen könne nicht beanstandet werden, schreibt das Obergericht. Die Beschwerdeführer hätten nicht dargelegt, inwiefern die Kesb Recht verletzt hätte, respektive dass der Sachverhalt unrichtig oder unvollständig dargelegt wurde.

In allen Nuancen dargelegt

Helmut Seidel, der Bruder des 88-Jährigen, bestätigte auf Anfrage, dass niemals ein schriftliches Betreuungskonzept eingereicht wurde. Gegenüber der psychiatrischen Anstalt, in welcher sich der Betagte zeitweise aufhielt, habe er «die Betreuung jedoch mündlich in allen Nuancen dargelegt», beteuert Helmut Seidel. Von diesem Gespräch gäbe es sogar Notizen, welche die Kesb jedoch ignoriert hätte. Bereits zwei Tage später habe sich die Behörde entschieden gehabt, so Helmut Seidel. Zudem habe er bei der Kesb um ein Gespräch ersucht. Dieses Verlangen sei jedoch abgeblockt worden. «Es entstand kein vernünftiger Dialog», erinnert sich Helmut Seidel: «Unter diesen Umständen hatte ich das Vertrauen verloren.»

Arzt glaubt an Pflege zu Hause

Am 31. März hatte die Kesb Uri eine fürsorgerechtliche Unterbringung von Klaus Seidel in der Pflegewohngruppe Höfli angeordnet. Zwei Wochen später legten die Angehörigen beim Obergericht eine Verwaltungsgerichtsbeschwerde ein. Mitte Mai wurde der Kantonsarzt beauftragt, ein Gutachten zu erstellen. Darin wurde festgehalten, dass Klaus Seidel wegen einer Demenz und Alzheimer-Krankheit nicht in der Lage sei, für sich selber zu sorgen. Seidel brauche einen regelmässigen Tagesablauf, enge Bezugspersonen und müsse sich regelmässig auch draussen bewegen. Dafür erschien dem Arzt die Pflegewohngruppe als ideal. Jedoch schloss er nicht aus, dass diese Voraussetzungen auch bei einer Betreuung zu Hause gegeben sein könnten. Bedingung wäre gewesen, dass die Bezugsperson über Pflegeerfahrung verfügt. Unter diesen Umständen sei der Verbleib im «eigenen häuslichen Umfeld für das Wohl, die Wünsche und den Willen des Beschwerdeführers das Beste», wird im Urteil aus dem Gutachten des Kantonsarztes zitiert.

Vom Obergericht werden die Beschwerdeführer nun dazu angehalten, die Gerichtskosten von 1600 Franken zu berappen. Die Familie zieht das Urteil aber weiter und überlegt sich, ihrerseits Strafanzeige gegen die Schweizer Behörden einzureichen.