Uri verzichtet vorerst auf die Maskenpflicht

Auch in Uri sind die Fallzahlen exponentiell gestiegen: Aktuell sind 24 Personen positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Gesundheitsdirektor appelliert an die Eigenverantwortung.

Florian Arnold
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«Die Situation in Uri hat sich rasch verändert», sagte Gesundheitsdirektor Christian Arnold am Donnerstagmorgen gegenüber den Medien. Aktuell sind im Kanton Uri 24 Personen am Covid-19-Virus erkrankt. Das entspricht einer Zunahme von 18 Fällen in den letzten sieben Tagen. Zudem befinden sich 120 Personen in Quarantäne, von denen 36 Personen Rückreisende aus einem Risikogebiet sind. Uri ist mit der starken Zunahme kein Einzelfall, «in der ganzen Zentralschweiz zeigt sich ein ähnliches Bild», so Arnold. Für den Anstieg sorgten laut den aktuellen Erkenntnissen vor allem private oder vereinsinterne Veranstaltungen. «Es gibt verschiedene Herde in Uri», weiss der Gesundheitsdirektor. Glücklicherweise seien keine Heime und grössere Betriebe betroffen.

Gesundheitsdirektor Christian Arnold.

Gesundheitsdirektor Christian Arnold.

Bild: Florian Arnold (Erstfeld, 8. Oktober 2020)

Vorderhand will der Kanton Uri auf eine Maskenpflicht im öffentlichen Raum oder in Einkaufsläden verzichten. Aktuell bestehe dazu «noch kein Handlungsbedarf», wie Arnold ausführte. Kein Grund jedoch, sich auszuruhen. Denn die jüngste Entwicklung macht dem Sonderstab Sorgen. Eine Situation, wie man sie im Frühjahr hatte, soll unbedingt verhindert werden. Er zieht deshalb punktuelle Massnahmen in Betracht. «Der Sonderstab ruft deshalb die Urner Bevölkerung auf, die Abstands- und Hygieneregeln noch konsequenter als bisher einzuhalten», heisst es in einer Medienmitteilung. «Dies gilt insbesondere für die Arbeit, das Einkaufen, Besuche von Gastronomiebetrieben, Freizeitaktivitäten und Treffen im Familien- und Bekanntenkreis sowie Vereins- und Vorstandsanlässe.»

An Eigenverantwortung appelliert

Der Gesundheitsdirektor appelliert vor allem an die Eigenverantwortung. Bei grösseren Menschenansammlungen oder wenn die Abstände nicht eingehalten werden könnten, solle man aus eigenem Antrieb eine Maske tragen. Und aufgrund der kälteren Jahreszeit sollen Räume regelmässig gelüftet werden. Daneben sei die Einhaltung von Schutzkonzepten wichtig, so auch bei kleineren Veranstaltungen, wie der Gesundheitsdirektor betont. Wichtig seien auch die Kontaktdaten. Denn auf das Contact-Tracing legt der Sonderstab viel Gewicht. Arnold betont:

«Für uns ist das ein sehr wirksames Instrument.»

Momentan sei man für die Abwicklung gut aufgestellt. In diesem Zusammenhang ist man auch überzeugt von der Wirksamkeit der Quarantäne. Von den aktuell 24 Angesteckten hätten seien zwölf während der Quarantäne positiv getestet worden. Deshalb müsse man die Quarantäne auch aus einem wirtschaftlichen Aspekt sehen. «Für einen Kleinbetrieb ist es zwar nicht schön, wenn ein Arbeiter wegen der Quarantäne ausfällt. Es wäre aber fatal, wenn wegen einer angesteckten Person der ganze Betrieb geschlossen werden müsste», so Arnold.

Mit bisheriger Praxis unglücklich

Allerdings stellt der Gesundheitsdirektor auch fest, dass das Verständnis für die Massnahmen nicht immer vorhanden sei. Erst jüngst sorgte eine Hochzeitsgesellschaft aus Schattdorf für Schlagzeilen. Wegen eines Gasts mussten 131 Personen in Quarantäne gesetzt wurden. Darunter waren auch Personen aus Zürich. Diese konnten dem Zürcher Contact-Tracing plausibel machen, sie hätten mit der entsprechenden Person keinen direkten Kontakt gehabt, worauf die Quarantäne für sie aufgehoben wurde. Für Gesundheitsdirektor Arnold ist diese Vorgehensweise unglücklich.

Über dieses Thema hat sich am Donnerstag auch die Konferenz der Zentralschweizer Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (ZGDK) unterhalten. Diese verständigte sich darauf, dass künftig die überkantonale Umsetzung der Quarantänemassnahmen besser abgesprochen werde. Nach wie vor gelten die Quarantänevorgaben des BAG. Damit sollen Unklarheiten und Missverständnisse im Vollzug verhindert werden, was letztlich im Interesse der betroffenen Personen und der Wirtschaft liegt.

Von Coronaskeptikern wird immer wieder kritisiert, die hohen Fallzahlen hingen nur mit den vermehrten Tests zusammen. Laut Arnold werden in Uri pro Tag 40 bis 50 Tests durchgeführt. Wer sich in Quarantäne befinde, werde nicht automatisch getestet, sondern nur aufgrund von Symptomen.