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URI: Walker-Urteil: Das gilt es zu wissen

Morgen wird das inzwischen sechste Urteil im Fall Walker eröffnet. Die Staatsanwaltschaft hofft auf eine Verurteilung, die Verteidigung auf einen Freispruch. Nun liegt es am Obergericht.
Carmen Epp
18. April: Der Fall Ignaz Walker (rechts) wurde vor dem Urner Obergericht neu aufgerollt. Das Obergericht spricht im April den Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker vom Vorwurf des versuchten Mordes an seiner Frau frei. Im Bild: Ignaz Walker (rechts) und sein Anwalt Linus Jaeggi verliessen am 18. April nach dem Urteilsspruch das Altdorfer Rathaus. (Bild: Pius Amrein / LZ)

18. April: Der Fall Ignaz Walker (rechts) wurde vor dem Urner Obergericht neu aufgerollt. Das Obergericht spricht im April den Erstfelder Barbetreiber Ignaz Walker vom Vorwurf des versuchten Mordes an seiner Frau frei. Im Bild: Ignaz Walker (rechts) und sein Anwalt Linus Jaeggi verliessen am 18. April nach dem Urteilsspruch das Altdorfer Rathaus. (Bild: Pius Amrein / LZ)

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Seit acht Jahren beschäftigt der Fall Walker die Urner Strafverfolgungsbehörden und Gerichte. Morgen Montagvormittag, 22. Januar, wird das Obergericht des Kantons Uri erneut ein Urteil verkünden. Wir zeigen auf, welche fünf Punkte entscheidend sind, um den Entscheid zu verstehen.

Das ist vorgefallen

Am 4. Januar 2010 gerät Ignaz Walker (49) in seinem Nachtklub Taverne in Erstfeld in einen Streit mit Johannes Peeters. Der Holländer beschimpft Walkers damalige Noch-Ehefrau, Nataliya K.*. Als Peeters das Lokal verlässt, fallen vor der «Taverne» Schüsse. Peeters sagt, Walker habe auf ihn geschossen – allerdings ohne ihn zu treffen. Die Polizei findet vor Ort eine Patronenhülse, darauf Walkers DNA. Zehn Monate später, am 10. November 2010, wird Nataliya K. in Erstfeld angeschossen und schwer verletzt. Die Tatwaffe wird bei Sasa Sindelic gefunden; es ist dieselbe wie beim Schuss auf Peeters.

Das ist seither geschehen

Sindelic wird beschuldigt, im Auftrag von Walker auf Nataliya K. geschossen zu haben. Walker selber wiederum soll auf Peeters geschossen haben.

Im September 2012 verurteilt das Landgericht Sindelic wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft zu achteinhalb Jahren. Walker kassiert wegen Gefährdung des Lebens (Peeters) und versuchten Mordes in Mittäterschaft (Nataliya K.) zehn Jahre. Sindelic akzeptiert das Urteil, Walker legt Berufung ein. Im September 2013 erhöht das Obergericht Walkers Strafe auf 15 Jahre.

Im Dezember 2014 heisst das Bundesgericht Walkers Beschwerde teilweise gut, hebt das Urteil auf und schickt es ans Obergericht zurück – mit Direktiven: Die DNA-Spur auf der Patronenhülse darf nicht mehr als ­Indiz verwendet und Peeters muss vor Gericht befragt werden.

Im April 2016 verurteilt das Obergericht Walker wegen des Schusses auf Peeters zu 28 Monaten, spricht ihn aber vom Mordversuch an Nataliya K. frei. Auch dieses Urteil hält vor Bundes­gericht nicht stand. Es bestätigt zwar den Schuldspruch im Fall Peeters, hebt aber den Freispruch vom Mordversuch auf; er sei ungenügend begründet und unhaltbar. Am 16. November 2017 wird der Mordversuch an Nataliya K. zum dritten Mal vor dem Obergericht verhandelt. Das Urteil wird morgen mündlich eröffnet.

Die Ungereimtheiten

Immer wieder drangen Ungereimtheiten ans Tageslicht, die bis heute im Raum stehen: Eine offene Frage ist, ob der Polizist, der Walkers DNA auf der Patronenhülse sicherstellte, in den Ausstand hätte treten sollen, weil er zuvor mit Walker in einem gerichtlichen Streit gelegen war. Ausserdem warf Walkers Verteidiger der Staatsanwaltschaft vor, sie habe die Befragung von Peeters vereitelt, indem sie dem Gericht den Aufenthaltsort des Holländers verschwiegen habe.

Und schliesslich brachte Sindelic 2015 in einem Interview mit der SRF-Sendung «Rundschau» die so genannte «Komplott-Theorie» ins Spiel: Walker habe nichts mit dem Anschlag auf ­Nataliya K. zu tun; das Ganze sei inszeniert worden, um Walker hinter Gitter zu bringen – von ihm, Nataliya K., deren Freund und einem Schützen, dessen ­Namen er nicht nennen will. Sindelics Aussagen werden extern untersucht und verworfen. Auf eine Befragung eines ehemaligen Gefängnisdirektors, der sich als «Mitwisser» beim Obergericht meldet, wird verzichtet.

Das will die Staatsanwaltschaft

Für Oberstaatsanwalt Thomas Imholz steht fest: Walker hat den Mord an Nataliya K. in Auftrag gegeben. Dafür spreche unter anderem eine Kronzeugin, die Verwendung der gleichen Tatwaffe, die Telefonkontakte zwischen Walker und Sindelic und Walkers Motive. Imholz fordert, Walker wegen versuchten Mordes in Mittäterschaft zu 15 Jahren zu verurteilen, wie es das Obergericht 2013 tat.

Das will Walker

Walker beteuert seine Unschuld. Er ist überzeugt, dass die Strafverfolgungsbehörden einzig das Ziel verfolgen, ihn hinter Gitter zu bringen – und dafür entlastende Indizien nicht erhoben oder sogar unterdrückt haben. Er fordert einen Freispruch, wie ihn das Obergericht 2016 gesprochen hat.

Hinweis

* Name der Redaktion bekannt.

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