URI: Wie der «andere» Walter Tresch den Skizirkus prägte

Ehemalige Schweizer Skigrössen haben gestern auf der Gurschenalp einen Mann gefeiert, ohne den sie kaum so viel Erfolg gehabt hätten.

Bruno Arnold
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Freunde fürs Leben: Bernhard Russi (Mitte) mit «Salomon»- und «Völkl»-Tresch (rechts) 1972 in Wengen. (Bild: PD)

Freunde fürs Leben: Bernhard Russi (Mitte) mit «Salomon»- und «Völkl»-Tresch (rechts) 1972 in Wengen. (Bild: PD)

Bruno Arnold

Der «richtige» Walter Tresch (67) hat Schweizer Skisportgeschichte geschrieben. Er gewann 1971 die nach St. Moritz verlegte Lauberhorn-Abfahrt und 1976 die Hahnenkamm-Kombination in Kitzbühel. Mit Bernhard Russi, Roland Collombin, Edy Bruggmann, Werner Mattle und Marie-Theres Nadig erlebte er bei Olympia 1972 die goldenen Schweizer Tage von Sapporo hautnah mit. Später machte «Völkl»-Tresch beruflich Karriere.

Von «Völkl»-Tresch abgegrenzt

Einige der Siege und Medaillen von Russi, Collombin, «Völkl»-Tresch, René Berthod und Co. hätte es wohl nicht gegeben ohne den «anderen» Walter Tresch (68). Er war von 1970 bis 1990 für die Firma Salomon tätig und jettete nicht nur mit der Schweizer Nati, sondern auch mit internationalen Stars wie Gustavo Thöni, Rosi Mittermaier, Annemarie Moser Pröll oder Erik Haker nach Chile, Japan und Nordamerika sowie von einem europäischen Skiort zum andern. «Ich bin ‹Salomon›-Tresch», so stellte er sich jeweils vor, um sich von «Völkl»-Tresch zu unterscheiden. Oder: «Ich bin Tresch, nicht der Richtige», um Verwechslungen von Anfang an vorzubeugen.

Erinnerungen niedergeschrieben

«Tresch, nicht der Richtige»: So heisst auch der Titel der Autobiografie, die gestern auf der Gurschenalp oberhalb von Andermatt den geladenen Gästen vorgestellt wurde. Das Buch erzählt aus dem abwechslungsreichen Leben von «Salomon»-Tresch, der während Jahren Skibindungen auf die schmalen Latten der Stars von damals montiert und möglichst exakt justiert hat – von Hand, mit Bohrer und Schraubenzieher, ohne maschinelle Hilfe. «Es ist im Wesen die ergreifende Geschichte eines Einzelkinds, das in seiner Umgebung und in Ausübung seines Jobs als Servicemann zwei Freunde wie Brüder gefunden hat: Bernhard Russi und Walter Tresch, der Richtige», sagt Lektor Erich Herger, der «Salomon»-Tresch animiert hat, seine Erinnerungen an die wohl populärste Zeit des Schweizer Skirennsports niederzuschreiben. Der heute in Andermatt und Hergiswil lebende Tresch schildert im Buch vor allem sein Leben im Skizirkus. Er erzählt von Verwechslungen mit dem «richtigen» Tresch und wie er militärischen Arrest riskierte, um bei Russis WM-Feier dabei zu sein – aber auch von «Blick»-Verdächtigungen, er habe Collombins Bindung sabotiert.

Heute noch als Weinhändler tätig

«Ich möchte die Zeit im Skizirkus nicht missen», sagt «Salomon»-Tresch. «Das war Herzblut, Identifikation mit der Heimat und eine Lebensschule.» Der Job als Servicemann habe ihm Freundschaften fürs Leben gebracht, etwa mit Trauzeuge René Berthod oder mit Roland Collombin. Letzterer war gestern – neben Russi und dem «richtigen» Tresch – nicht nur einer der prominenten Vernissage-Gäste. «Salomon»-Tresch vertreibt heute auch den von Collombin produzierten Wein.

Hinweis

Die öffentliche Buchvernissage findet nächsten Dienstag, 21. April, 20 Uhr im Glasi-Restaurant in Hergiswil statt.