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Gegen die Abwanderung: Uri will seine Dörfer neu beleben

Der Kanton Uri hat ein Projekt zur Wohnraumförderung initiiert. Damit soll der Abwanderung entgegengetreten werden. Gelingt das Vorhaben, könnte es auch in anderen Regionen Schule machen.
Markus Zwyssig
In Andermatt entstehen neue Jobs. Für die dort Beschäftigten braucht es aber neuen Wohnraum. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 5. Juni 2018))

In Andermatt entstehen neue Jobs. Für die dort Beschäftigten braucht es aber neuen Wohnraum. (Bild: Urs Hanhart (Andermatt, 5. Juni 2018))

Im Tourismusresort in Andermatt entstehen in den nächsten Jahren 1500 neue Arbeitsplätze. Die Chancen stehen gut, dass sich einige der Mitarbeiter in den umliegenden Dörfern ansiedeln. Doch damit sie sich überhaupt in der Nähe niederlassen können, braucht es für sie ein entsprechendes Angebot. Vielerorts muss der benötigte Wohnraum erst noch geschaffen werden. In den Dörfern gäbe es zwar leer­stehende Wohnungen. Diese werden aber vielfach nicht vermietet oder sind sanierungsbedürftig. Der Kanton Uri klopfte daher bei der Hochschule Luzern an, um ein Projekt zur Wohnraumförderung anzustossen.

«Wir gaben mit unserer Arbeit in den vergangenen zwei Jahren Impulse, damit die Urner Dörfer wiederbelebt werden», sagt Projektleiter der Hochschule Luzern und Immobilienexperte Markus Schmidiger. Wichtig ist ihm dabei, dass die Bewohner selber Initiative ergreifen. «Mit der Mithilfe der Menschen vor Ort entsteht neuer Wohnraum, und das Dorf wird attraktiver zum Leben.» Weil das Projekt Modellcharakter hat und anderen Regionen mit ähnlichen Problemen als Vorbild dient, wird es auch vom Bund finanziell unterstützt.

Eine Hausanalyse erleichtert den Entscheid

Um in den Gemeinden bei Sanierungen und Umnutzungen zu helfen, wurde mit dem Projekt für Besitzer von Altbauten die Hausanalyse eingeführt. Der Kanton unterstützt Eigentümer aktiv, wenn sie Gebäude im Dorfkern erneuern und dabei Wohnraum erhalten oder neuen schaffen.

«Nicht immer ist dies so einfach», lässt Schmidiger durchblicken. «Vielfach sind die Menschen mit den Zweitwohnungen emotional verbunden, weil sie die alte Bausubstanz von den Eltern übernommen haben.» Die Besitzer stehen vor der Frage, ob sie investieren wollen oder nicht. Eine Hausanalyse könne den Entscheid erleichtern, so Schmidiger. Zwei von fünf Eigentümern, die im Rahmen des Modellvorhabens eine Hausanalyse durchgeführt haben, sanieren derzeit auch tatsächlich. Nun lanciert der Kanton in allen ländlichen Gemeinden Analysen und zahlt jeweils die Hälfte der Kosten von 6000 Franken.

Viel zusätzlicher Wohnraum wird in Göschenen in den kommenden Jahren auch mit dem Bau der zweiten Röhre benötigt. «Der Bedarf wird sich aber vor ­allem auf Göschenen konzentrieren», glaubt Schmidiger. Zudem sieht er zeitlich befristet Effekte. «Geplant sind für die Arbeiter ja vor allem Containerwohnungen. Diese werden nach dem Ende der Bauarbeiten wieder abgeräumt, sind also auf längere Sicht nicht so nachhaltig.»

Genügend Wohnraum zu schaffen ist nur ein Aspekt, um der Abwanderung entgegenzuwirken. Wichtig ist ebenso, dass auch die Infrastruktur verbessert und die Dorfkerne aufgewertet werden. «Das Dorfleben geht immer mehr zurück, die Poststelle verschwindet, und vielleicht gibt es im Dorf nicht einmal mehr ­einen Bancomaten», beschreibt Schmidiger eine Situation, die oft vorkommt. Die Hochschule Luzern hat mit ihrer Arbeit die Situation im Kanton Uri analysiert und entsprechend aufgegleist. «Die Menschen in den Dörfern sind bereit, etwas gegen die Abwanderung zu unternehmen.» Die Veränderungen brauchen ­jedoch Zeit. «Der Dorfladen kann alleine vielleicht nicht mehr existieren, aber in Verbindung mit einem Dienstleistungszentrum im Dorf ist dies möglich», sagt Schmidiger. Im Kanton Uri wurden in Hospental und Sisikon die Gemeinden bei der Dorfentwicklung begleitet.

«Kleine Puzzleteile sind dem Ganzen förderlich»

Es brauche viele kleine Massnahmen, dass sich etwas verändere, so Schmidiger. «Viele Puzzleteile sind dem Ganzen förderlich.» So beispielsweise auch im öffentlichen Verkehr: Positive Beispiele sind der «Schächä-Express» der Gemeinde Unterschächen, welcher eine Ergänzung zum Postautoverkehr bietet. Auch hat der Kanton erreicht, dass zusätzliche Busse nach Andermatt fahren. Zudem wurden in den Gemeinden Ideen für alternative Mobilitätsangebote aufgezeigt – etwa Whatsapp-Gruppen für Mitfahrgelegenheiten oder Bustransporte durch Freiwillige.

Die Experten der Hochschule Luzern haben ihre Arbeit inzwischen abgeschlossen. Der Kanton bietet aber weiterhin Hand. «Wir haben auf der Homepage des Kantons eine Plattform mit Informationen zum Thema Wohnraumförderung lanciert», sagt Kantonsplaner Marco Achermann. «Besitzer älterer Liegenschaften finden Ratschläge, wie sie ihre Häuser aufwerten und besser nutzen können.»

Hinweis: Die Infoplattform Wohnraumförderung ist unter www.ur.ch (im Bereich Wirtschaft) zu finden.

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