Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

URI: «Wir haben extrem viel gelernt»

Zwei Oberstufenschüler aus Bürglen verkauften einst auf dem Pausenplatz selbstgestaltete T-Shirts. Innert kurzer Zeit war ihr Kleiderlabel «Rotter Sports» in aller Munde. Nun blicken die Jungunternehmer von damals zurück.
Elias Bricker
Sie machten auch als Models eine gute Figur: Andreas «Fin» Schuler (links) und Thomas Imholz. Bild: PD

Sie machten auch als Models eine gute Figur: Andreas «Fin» Schuler (links) und Thomas Imholz. Bild: PD

Elias Bricker

elias.bricker@urnerzeitung.ch

Vor zehn Jahren war es üblich, dass Jugendliche ihren eigenen Alkohol an die Kilbi mitnahmen. Während Gleichaltrige also am Wochenende Bierfläschchen in ihre Rucksäcke packten, stopften Thomas Imholz und Andreas «Fin» Schuler ihre Rucksäcke mit T-Shirts voll. So brachten die beiden damals 17-Jährigen im Ausgang ihre eigene Modekollektion unter die Leute.

Das Label der beiden Bürgler war vor zehn Jahren im Kanton Uri voll in. Wer etwas auf sich hielt und im entsprechenden Teenageralter war, musste einfach ein Shirt, einen Pullover, einen Gürtel oder eine Mütze von der Marke mit dem Fantasienamen «Rotter Sports» haben.

Teenager lancierten sogar eigenen Schnupftabak

Begonnen hatte alles auf dem Schulhausplatz in Bürglen: Kurz vor Weihnachten 2004 präsentierten die beiden damals 14-jährigen Oberstufenschüler in der Pause ihre selbstentworfenen T-Shirts. Innert wenigen Minuten waren die fünfzig Shirts ausverkauft. Wegen der grossen Nachfrage mussten Imholz und Schuler die Leibchen mit ihrem Design mehrmals nachdrucken lassen. Und schon nach kurzer Zeit doppelten sie mit neuen Modellen nach. Schuler entwarf das Design. Imholz war für den Verkauf verantwortlich. Dank dem Sportgeschäft von Imholz’ Familie konnten die beiden zudem neue Absatzkanäle erschliessen. Schliesslich brachten die beiden Jungunternehmer gar eine Frauenkollektion heraus.

Thomas Imholz und Andreas Schuler müssen lachen, wenn sie sich an ihre ersten Schritte als Unternehmer erinnern. Beide sind heute 27 Jahre alt. «Wir haben einfach einmal gemacht», sagt Imholz. «Wir gingen völlig naiv ans Werk.» Dabei lief aber nicht immer alles rund. Mal bestellten sie die falschen Grössen, mal fand ein Modell nur wenig Absatz. «Wir haben viel gelernt», sagt Schuler. «Das war eigentlich das Wertvollste an dieser Zeit.»

Bei der Modekollektion mit den eigenen Aufdrucken blieb es aber nicht. 2007 lancierte «Rotter Sports» sogar einen eigenen Schnupftabak. «Schnupfen war damals völlig in», meint Imholz. «Das Problem war einfach, dass wir die 400 Dosen innert kürzester Zeit verkaufen mussten, weil der Schnupf schlecht wurde.»

Ab 2006 organisierte «Rotter Sport» zusammen mit dem Jugendlokal Bürglen zudem regelmässig grosse Partys – erst das «Rotter-Fest» und ab 2008 die legendären Street-Soccer-Turniere. «Mit der Zeit erhielten wir sogar Aufträge», erinnert sich Imholz. Ganze Abschlussklassen, Sportmannschaften und Vereine wurden mit «Rotter»-Shirts auf Bestellung ausgerüstet.

«Auf uns hat niemand gewartet»

«Bei uns drehte sich plötzlich alles nur noch um ‹Rotter›», sagt Schuler. «Wir investierten extrem viel Zeit dafür. Doch es ging uns dabei nicht ums Geld.» Verdient hätten sie kaum etwas. «Wir hatten einfach unglaubliche Freude daran, wenn Leute, die wir nicht kannten, unsere Shirts oder Mützen trugen», so Schuler.

Trotz des Erfolgs ist «Rotter Sports» längst Geschichte. «Irgendwann kamen wir an einen Punkt, wo wir uns sagten: Entweder machen wir es nun richtig professionell oder wir lassen es bleiben», sagt Schuler. Denn auch sie merkten mit der Zeit, dass die Modewelt ein hartes Business ist. «Auf uns hat da draussen eigentlich niemand gewartet», so Imholz. Und der Markt in der Zentralschweiz sei eigentlich zu klein zum Überleben. Dazu kam, dass viele Kollegen und Urner, die «Rotter»-Produkte anfänglich aus Sympathie kauften, mit der Zeit mit Shirts und Mützen eingedeckt waren.

Zudem nahm das Hobby immer mehr Zeit in Anspruch. Gleichzeitig absolvierte Imholz eine Lehre als Detailhandelsangestellter, Schuler eine Lehre als Polygraf. «Regelmässig musste ich auch während der Arbeitszeit mit unseren Lieferanten telefonieren», sagt Imholz. «Das wurde mit der Zeit ein bisschen belastend.»

Deshalb entschieden die Geschäftspartner 2010, ihr Label aufzulösen. «Am Schluss blieben etwa 200 Franken für ein Nachtessen übrig», erzählt Schuler. Die Restposten hätten sie zudem einer wohltätigen Organisation gespendet.

Imholz hat nun eine Hut-Kollektion

Auch wenn «Rotter Sports» nur noch in den Erinnerungen existiert, eigentlich sind Imholz und Schuler ihren damaligen Berufungen treu geblieben. «Rotter»-Designer Andreas Schuler arbeitet heute als Polygraf bei einer Werbeagentur und entwirft noch heute coole Logos. Thomas Imholz ist hingegen im Sportgeschäft seiner Familie tätig. Und seit dem vergangenen Jahr hat der Bürgler auch wieder eine eigene Kollektion: Im Shop in Andermatt verkauft er Caps mit dem alten Andermatt-Schriftzug und bekannten Urner Bergen.

Der Bericht, der vor zehn Jahren erschienen ist. (Bild: Archiv)

Der Bericht, der vor zehn Jahren erschienen ist. (Bild: Archiv)

«Es ging uns dabei eigentlich nie ums Geld.» Andreas «Fin» Schuler, früherer Jungunternehmer.

«Es ging uns dabei eigentlich nie ums Geld.» Andreas «Fin» Schuler, früherer Jungunternehmer.

«Das wurde mit der Zeit ein bisschen belastend.» Thomas Imholz, früherer Jungunternehmer

«Das wurde mit der Zeit ein bisschen belastend.» Thomas Imholz, früherer Jungunternehmer

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.