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URI: Wird die Bergstrecke zum Abstellgleis oder doch nicht?

Sicher ist, bis 2017 wird die alte Gotthard-Bergstrecke der SBB betrieben. Ungewiss ist die langfristige Zukunft. Ideen sind aber vorhanden.
Bahnliebhaber und Touristen schätzen die alte Gotthard-Bergstrecke der Bahn. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Bahnliebhaber und Touristen schätzen die alte Gotthard-Bergstrecke der Bahn. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

sda. Wenn im Dezember 2016 die ersten Züge durch den Gotthard-Basistunnel rollen, bedeutet dies einen Epochenwechsel für die alte Bergstrecke. Bahn-Liebhaber trauern um die spektakulären Aussichten, während Bund, Kantone und SBB an neuen Strategien für die alte Linie feilen.

SBB zahlen 50 Millionen jährlich

Ab Dezember werden Bahnreisende die Kirche von Wassen nur noch sehen, wenn sie ihre Route zuvor geplant haben. Ab dann ist die Gotthard-Bergstrecke zwar historisch und touristisch weiterhin attraktiv, aber im Vergleich zum Gotthard-Basistunnels eine langsame Route zweiter Kategorie.

Mindestens bis zum Auslaufen der Fernverkehrskonzession Ende 2017 soll die Strecke allerdings weiter betrieben werden. «Dafür werden die SBB auch die Erhaltungskosten von 50 Millionen Franken jährlich schultern», erklärt SBB-Sprecher Oli Dischoe. Die SBB seien bereit, sich langfristig finanziell an der Zukunft der Bergstrecke zu beteiligen.

Ist der Gotthard-Basistunnel erst einmal regulär im Betrieb, verkehren zwischen Erstfeld und Bellinzona mit dem Fahrplanwechsel Ende 2016 stündlich Regio-Express-Züge. Sie sollen teilweise bis Lugano und Mailand verlängert werden. Pendler und Touristen aus dem Norden müssen zwangsläufig in Erstfeld den Zug wechseln, wollen sie den Gotthard überqueren.

Konzept bis Ceneri-Eröffnung

Unklar ist, ob die Bergstrecke nach Auslaufen der Fernverkehrskonzession Ende 2017 als Fernverkehrsstrecke weiterbetrieben wird. «Es sind Vorarbeiten für die Erneuerung der Fernverkehrskonzession angelaufen», sagt Andreas Windlinger, Sprecher des Bundesamts für Verkehr (BAV). Es werde keine Ausschreibung für den Betrieb der Bergstrecke geben. Das BAV wird jedoch prüfen, ob ein Betreiberwechsel sinnvoll ist oder nicht. Gemäss Bundesratsbericht aus dem Oktober 2014 hatte auch die Südostbahn (SOB) Interesse am Betrieb der Gotthard-Bergstrecke angemeldet. Das BAV sei auf die Offerte aber nicht eingetreten, da die Bergstrecke nicht für eine «Wettbewerbssituation» geeignet sei.

In seinem Bericht machte der Bundesrat deutlich, dass es für die Zeit zwischen Eröffnung des Gotthard-Basistunnels und der Eröffnung des Basistunnels am Ceneri (voraussichtlich 2020) eines Zwischenkonzepts bedürfe.

Für Volkswirtschaftsdirektor Urban Camenzind ist der Erhalt der Bergstrecke zumindest «mittelfristig gesichert. Er gehe davon aus, dass die Fernverkehrskonzession an die SBB nach 2017 um zehn weitere Jahre verlängert werde. Der Kanton Uri setze sich dafür ein, dass in der Hochsaison zur Winter- und Sommerzeit weiter Inter-Regios von Zürich nicht nur bis Erstfeld, sondern weiter bis nach Göschenen verkehren können. «Auf diesem Angebot kann dann aufgebaut werden, sodass die Bergstrecke langfristig erhalten bleibt», so Camenzind. Die SBB schlagen bei einem langfristigen Erhalt der Bergstrecke über 2017 hinaus eine «partnerschaftliche Finanzierung» vor. Dabei soll ein mögliches Defizit zwischen SBB, Bund und Kantonen aufgeteilt werden.

Strecke als «Kulturerbe»?

Für die Tessiner Kantonsregierung ist diese Variante beunruhigend, wie der Sprecher des Verkehrsdepartements, Martino Colombo, sagte. Der Kanton schätze die jährlichen Kosten für diese Variante auf 2 bis 2,5 Millionen Franken. Dafür könne das Tessin zum jetzigen Zeitpunkt noch keine finanziellen Garantien geben. Die Tessiner Regierung ist aber überzeugt, dass die landschaftlich reizvolle Bergstrecke auch künftig Besucher anlocken wird. Die SBB teilen diese Ansicht und versuchen die Marke «St. Gotthard» zu etablieren.

So wird die aktuelle Panoramareise «Wilhelm-Tell-Express» per 2017 ausgebaut und verkehrt dann als «Gotthard-Panorama-Express»: eine Reise im Schiff von Luzern nach Flüelen und weiter im Panoramawagen über die historische Gotthard-Bergstrecke – oder Gotthard-Panoramastrecke – ins Tessin.

«Geschichte geht verloren»

Mehr Anziehungskraft könnte der Gotthard-Bahnstrecke eine Welterbe-Kandidatur verleihen – sie hatte sich der Bundesrat in einem Bericht vom Oktober 2014 zumindest offengehalten. Damals habe noch kein «langfristiges Erhaltungskonzept» formuliert werden können. Welterbestatus hin oder her, der Erhalt der Gotthard-Bergstrecke ist für Bahnliebhaber ein wichtiges Anliegen: Die Strecke verkörpere ein wichtiges Stück Schweizer Verkehrsgeschichte, sagt Hugo Wenger, Verbandspräsident der historischen Eisenbahnen Schweiz (Hech). Aus Sicht des technischen Fortschritts begrüsse er zwar das Jahrhundertprojekt Basistunnel, allerdings gehe für ihn auch ein «Stück Bahnreisegenuss» verloren.

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