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URI: Zwei Metal-Fans im Kelly-Family-Fieber

Einst Brieffreundinnen wider Willen sind aus Claudia Walker und Daniela Imhof beste Freundinnen geworden. Was sie verbindet, ist damals wie heute die Musik. Die Gefühle ihrer Kindheit und Jugend lassen die beiden am Sonntag in Zürich neu aufleben.
Carmen Epp
Schwärmen auch heute noch immer ein wenig für Paddy Kelly: Daniela Imhof (links) und Claudia Walker. (Bild: Carmen Epp (Altdorf, 28. Februar 2018))

Schwärmen auch heute noch immer ein wenig für Paddy Kelly: Daniela Imhof (links) und Claudia Walker. (Bild: Carmen Epp (Altdorf, 28. Februar 2018))

Carmen Epp

carmen.epp@urnerzeitung.ch

Claudia Walker und Daniela Imhof sind seit 23 Jahren befreundet. Was die beiden Urnerinnen über all die Jahre verbindet, ist ihr gemeinsamer Musikgeschmack. Dass der damals, in den Neunzigerjahren, als die beiden sich kennenlernten, ein anderer war als heute, wird spätestens am kommenden Sonntag im Hallenstadion in Zürich offensichtlich. Dann nämlich jubeln die beiden Freundinnen mit rot gefärbten Haaren und Heavy-Metal-Shirts ihren Idolen von damals zu: der Kelly Family.

So speziell die Mischung dann sein wird, ist auch die Geschichte ihrer Freundschaft. Die begann nämlich nicht ganz freiwillig: In der 3. Primarklasse mussten die beiden Urnerinnen Gleichaltrigen aus einer anderen Gemeinde Briefe schreiben. So flatterte am 22. November 1995 der erste Brief von Daniela Imhof aus Altdorf bei der ihr zugeteilten Brieffreundin Claudia, damals noch Bricker, in Sisikon ins Haus.

Schnell merkten die beiden, dass sie mehr verband als die schulisch verordnete Brieffreundschaft. Sie teilten nämlich ein gemeinsames Interesse: «The Kelly Family», eine irische Band, die in den Neunzigerjahren mit Hits wie «An Angel» die Musikcharts stürmte.

Briefe von damals machen die Schwärmerei deutlich

Wie sehr die Musik der Kelly Family das Leben der damals Neunjährigen dominierte, wird klar, wenn man die Briefe liest, die sich die beiden damals geschrieben haben. Imhof hat sie aufgehoben und die Sammlung ihrer Freundin zum 30. Geburtstag in einem Album geschenkt. Darin findet sich kaum ein Brief, in dem es nicht um die irische Band geht. «I love Kelly Family», steht in bunten Buchstaben geschrieben, oder: «Ich lose gerade die Kelly-Family-Kassette und schreibe dir diesen Brief.» Auch die Lieblingslieder der Brieffreundinnen sind immer wieder Thema.

«Wir waren schon ziemlich angefressene Kelly-Family-Fans», erinnert sich Imhof. Vor allem Sänger und Gitarrist Paddy Kelly, der damals 15-Jährig als Teenieschwarm verehrt wurde, hatte es den beiden Urnerinnen angetan. Dass sie beide denselben Jungen gut fanden, tat ihrer Freundschaft keinen Abbruch. Im Gegenteil: Gemeinsam liess sich in den Briefen viel besser schwärmen. Über Paddys tolle lange Haare, seinen Gesang und die Art, wie er Gitarre spielte. «Das war schon beeindruckend», sagt Imhof. «Und er war halt auch ein Herziger.»

Bei der Schwärmerei in den Briefen ist es nicht geblieben; die Freundinnen deckten sich auch mit Fanmaterial ein. Kassetten, CDs, T-Shirts, Poster, Filmbänder – wo immer «Kelly Family» draufstand, die beiden wollten es haben. Und denken bis heute gerne an die Momente zurück, in denen ihnen die Wünsche erfüllt wurden. Walker etwa erinnert sich an eine CD, die mal unter dem Christbaum lag. «Im Booklet stand geschrieben ‹Liebe Grüsse von Paddy›, darunter eine Unterschrift. Ich bin fast ausgeflippt!» Dass sie inzwischen weiss, dass nicht Paddy, sondern ihre Mutter die Urheberin der Grussbotschaft war, macht die Freude nicht kleiner. Ab und zu musste Walker zu einem Trick greifen, um an ihre «Kelly-Sachen» zu kommen: Ihre Mutter hatte ihr nämlich verboten, die «Bravo» zu kaufen. Sie tat es aber trotzdem, schnitt kurzerhand alles aus, was im Jugendheft zu ihrer Lieblingsband zu finden war, und schmiss den Rest der «Bravo» auf dem Heimweg aus der Kabine der Unteraxen-Seilbahn. «Einer meiner Geschwister hat mich dann aber verraten», erinnert sich Walker. «Das gab Ärger!»

Vorliebe für Männer mit langen Haaren ist geblieben

Nach zirka drei Jahren gemeinsamer Schwärmerei für die Kelly Family eröffnete Imhof ihrer Brieffreundin, dass sie jetzt nicht mehr Kelly-Family-Fan sei. «Das war für mich unvorstellbar. Ich dachte mir: Wie kann man nur?», erinnert sich Walker. Die damals Zwölfjährige packte die Gelegenheit jedoch beim Schopf und eröffnete ihrer Brieffreundin einen Deal: «Ich schicke dir die Sachen, die du Fan bist, und Du mir die Kelly-Sachen», steht in einem der Briefe geschrieben. Imhof ging auf den Deal ein und überliess ihre gesammelten Fanmaterialien ihrer Freundin. «Das werde ich ihr nie vergessen», sagt Walker. Lange hielt die Begeisterung für die Kelly Family aber auch bei ihr nicht: Rund ein halbes Jahr später wandte sie sich anderer Musik zu. Das war 1998.

Ihre Brieffreundschaft hielten die beiden noch bis zur Oberstufe aufrecht. Bis sie sich dann im Ausgang mal trafen, seither sehen sie sich regelmässig und arbeiten beide bei der SBU in Schattdorf. Was sie seither erneut verbindet, ist derselbe Musikgeschmack: Die heute 32- beziehungsweise 31-jährigen Urnerinnen hören am liebsten Metal und gehen regelmässig gemeinsam an Konzerte. Und auch wenn die Musik, die sie heute teilen, ganz anders ist als jene von damals, so sei der Einfluss der Kelly Family bis heute spürbar, wie Imhof sagt: «Die Vorliebe für Männer mit langen Haaren, die Musik machen, ist geblieben.»

Als bekannt wurde, dass ein Teil der Kelly Family sich wieder vereint hat und im Hallenstadion in Zürich ein Konzert spielen, war für Imhof und Walker klar: Da müssen wir hin! Dass sie in ihrem Freundeskreis dafür ausgelacht werden, ist den beiden egal. «Die Kellys gehören zu unserer Vergangenheit und wir stehen dazu», hält Walker fest. Die zweifache Mutter ist denn auch überzeugt, dass das Konzert im Hallenstadion emotional sein wird. «Es werden sicher Tränen fliessen», sagt sie. Dies jedoch nicht wegen Paddy Kelly. Der steht – zum Ärger der beiden damaligen Verehrerinnen aus Uri – am Sonntag nicht auf der Bühne.

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