Urner Alpen
Kanton will gegen Klauenseuchen bei Alpen-Rindern vorgehen

Mit gezielten Untersuchungen von Sömmerungs-Alpen in Uri und Schwyz soll das Krankheitsrisiko für Rinder reduziert werden.

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Rinder auf der Alp Alplen.

Rinder auf der Alp Alplen.

Bild: Bruno Arnold (Unterschächen, 30. Juni 2018)
(lur)

Grössere Rinderalpen, auf denen Tiere verschiedener Betriebe aus mehreren Kantonen gesömmert werden, waren in den vergangenen Jahren vermehrt mit Klauenkrankheiten konfrontiert. Kranke Klauen bedeuten für die Tiere Stress und Schmerzen. Zudem ist oft auch eine tierärztliche Behandlung notwendig. Tiere auf der Alp zu behandeln, bedeutet wiederum nicht nur einen höheren Medikamenteneinsatz für die betroffenen Alpen, sondern auch eine grosse Mehrbelastung für das Hirtepersonal. Es drohen dadurch Kündigungen dieses Personals, wie die Urner Volkswirtschaftsdirektion in einer Mitteilung schreibt. Fehlendes Personal und fehlende Sömmerungstiere würden die Aufrechterhaltung und Pflege der Alpen und damit der touristisch attraktiven Landschaft im Alpgebiet gefährden.

Die Ämter für Landwirtschaft der Kantone Uri und Schwyz, der Veterinärdienst der Urkantone, die Korporation Uri und die Hirteverwaltungen Surenen und Fiseten wollen diese Problematik daher gemeinsam angehen. Sie setzen das vom Bundesamt für Landwirtschaft finanziell unterstützte Projekt «Gesunde Tiere, attraktive Hirtenstellen und weniger Medikamente auf grossen Rinderalpen» von 2020 bis 2022 um.

Langfristig soll damit die Bewirtschaftung der Alpen gesichert und das Wohlergehen der Tiere erhalten und gesteigert werden, heisst es. Zudem soll der Einsatz von Tierarzneimitteln auf den betroffenen Alpen sinken. Während der Projektzeit von 2020 bis 2022 werde die Situation bezüglich Klauenkrankheiten auf den einigen ersten Alpen detailliert erhoben.

«Erdbeeri» spielt keine Rolle

Nach dem letztjährigen Alpsommer würden ausserdem bereits erste wertvolle Erkenntnisse zur Verbesserung der Klauengesundheit auf grossen Rinderalpen vorliegen. Bakteriologische Untersuchungen zeigten, dass auf betroffenen Alpen vor allem die sogenannte Schlegelfäule auftritt und sich ausbreitet. Andere häufige Klauenkrankheiten wie etwa das «Erdbeeri» spielen auf den beiden untersuchten Alpen hingegen keine Rolle.

Die Bakterien, die an der Schlegelfäule beteiligt sind, kämen überall vor, wo die Rinder sind. Die einmalige Desinfektion der Klauen mit einem Klauenbad beim Alpauftrieb bringe deshalb keine ausreichende Wirkung. Die Befragung der Tierhaltungsbetriebe zeige zudem, dass weder die Klauenpflege, die Fütterung noch das Stallhaltungssystem der Tiere im Heimbetrieb einen Einfluss auf das Vorkommen von Schlegelfäule auf der Alp haben. Zusätzliche Vorkehrungen auf den Heimbetrieben vor der Alpung seien daher nicht notwendig.

Die begleitenden Tierärztinnen richten ihre Bemühungen gegen die Schlegelfäule deshalb künftig voll und ganz auf zwei entscheidende Faktoren: Die Minimierung der Gefahr für Klauenverletzungen auf den betroffenen Alpen sowie die Reduktion feuchter Stellen auf Weiden, Wegen und bei Tränkestellen, in denen sich die Bakterien rasch vermehren können.

Weniger Unruhe führt zu geringerer Verletzungsgefahr

Erste Ansätze zur Reduktion der Verletzungsgefahr der Tiere hätten sich im vergangenen Alpsommer schon bewährt. Die Separierung und getrennte Weideführung von trächtigen und nicht trächtigen Rindern führte beispielsweise zu ruhigeren Herden. Und mehr Ruhe bedeute weniger Bewegung und Stress. Damit werde die Verletzungsgefahr an den Klauen und in der Folge auch die Eintrittsmöglichkeit für Bakterien reduziert.