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URNER ALPENKRANZ: 47 Tage durch die Urner Alpen

Sanna Laurén (39) und ihr Partner Markus Fehlmann (44) waren 47 Tage in den Urner Bergen unterwegs. Im Interview sprechen sie über die schönste Aussicht, schnarchende Zimmergenossen und gefährliche Situationen.
Matthias Stadler
Sanna Laurén und Markus Fehlmann auf dem Brunnifirn oberhalb von Bristen. (Bild: PD (Bristen, 22. Juli 2017))

Sanna Laurén und Markus Fehlmann auf dem Brunnifirn oberhalb von Bristen. (Bild: PD (Bristen, 22. Juli 2017))

Interview: Matthias Stadler

matthias.stadler@urnerzeitung.ch

Wir sind hier am Golzernsee im Maderanertal. Sie haben sich für diesen Treffpunkt entschieden. Weshalb?

Sanna Laurén: Weil es eines der schönsten Täler ist, welches wir während unserer Alpenkranz-Tour durchwandert haben.

Nach 40 Wanderungen muss diese Frage gestellt werden: Wie geht es Ihren Füssen?

Markus Fehlmann: Besser als nach den ersten Tagen. Aber wir hatten nie Blattern. Zwar hatten wir am Anfang Druckstellen, aber das Wandern ging immer gut.

Laurén: Das Schwierigere war viel mehr das Gewicht des Rucksacks. Wir trugen, zusammen mit der alpinen Ausrüstung, bis zu 15 Kilogramm auf dem Rücken. Aber der Körper gewöhnt sich schnell daran.

War der Anfang der Wanderung schwieriger als der Rest?

Fehlmann: Wir brauchten etwa drei Tage, bis wir in den normalen Modus kamen. Ab dann normalisierte sich alles.

Was war der Höhepunkt Ihrer Tour?

Laurén: Meiner war auf der Strecke Haldi–Seewlialp. Dort hatten wir vier Packziegen und ein Packpferd dabei. Das war sehr interessant, da ich ein grosser Tierfreund bin. Wenn man dann Tiere und Berge kombinieren kann, ist das wunderschön.

Fehlmann: (überlegt lange) Ein Höhepunkt war, dass das Wetter so gut war. Wir hatten von diesen 40 Etappen 30 Sonnentage, dann zwei Schneestürme, vier Regentage und vier Nebeltage. Mich haben aber auch die unterschiedlichen Täler und Landschaften berührt. Uri ist sehr wild und ursprünglich – kein Disneyland. Das ist auch ein Kapital für den Kanton. Und die Gletscher gehören hier sicher auch erwähnt. Gleichzeitig haben uns diese aber auch sehr beschäftigt.

Weshalb?

Fehlmann: Der erste Gletscher, den wir gesehen haben, war Anfang Juli bereits schneefrei. Direkt zu erleben und erfahren, wie diese Gletscher wegschmelzen, war für mich sehr intensiv.

Sie kennen die Urner Bergwelt jetzt so gut wie nur wenige: Wo hat man die schönste Aussicht?

Fehlmann: Gegen Ende des Alpenkranzes wurde die Aussicht immer schöner, weil man dann immer mehr auf die zurückgelegte Route blicken konnte. Je länger wir unterwegs waren, desto mehr Bedeutung hatten die Ausblicke. Eine Aussicht, die wir sehr genossen, war diejenige vom Sunnig Grat auf dem Arni.

Laurén: Von dort sieht man in verschiedene Täler. Wir mochten die Aussicht, weil wir sehen konnten, wo wir schon überall gewesen waren.

Sind Sie während der Wanderung je an einen Punkt gekommen, an welchem Sie sagen mussten: «Nein, da gehen wir nicht hoch»?

Laurén: Einmal war es knapp, die Wettervorhersage war sehr schlecht. Die Schneefallgrenze war tief angesagt. Es war bei der Wanderung von der Sewenhütte bis Gurtnellen, also eine lange Wanderung. Am Morgen gab es Graupel während des Frühstücks, später schneite es auf dem höchsten Punkt, dem Rot Bergli. Deswegen waren wir nass, und es war kalt. Aber es ging trotzdem gut.

Fehlmann: Die Routen zu finden war manchmal bei schlechtem Wetter eine Herausforderung. Es war rutschig und mit den 15-Kilo-Rucksäcken zudem nicht leicht. Aber grundsätzlich sind wir sehr gut durchgekommen. Das Schwierigste war, dass die Wanderungen oft recht anspruchsvoll waren. Immerhin legten wir um die 60'000 Höhenmeter und rund 360 Kilometer auf Berg- und Alpinwanderwegen zurück. Der Körper spürt da nach einer gewissen Zeit schon, was man gemacht hat, obwohl wir nie Muskelkater hatten.

Sie standen also nie kurz davor, die Tour abzubrechen?

Fehlmann: Nein, das war nie der Fall. Wir hatten beide grosse Reserven. Obwohl es natürlich – gerade auch vom Wetter her – einige wenige schwierige Momente gab.

Welcher Abschnitt war der technisch anspruchsvollste?

Laurén: Die Wanderung vom Gotthardpass zur Rotondohütte war als schwierigste eingestuft. Aber ich fand den Abschnitt nicht so schwierig, weil wir auch gute Verhältnisse hatten.

Fehlmann: Es gibt schon gute Gründe, weshalb dieser Abschnitt als Schwierigkeit T5 eingestuft ist. Es hat ein paar Firnfelder, die es bei schlechten Verhältnissen schwierig machen können. Aber wir kamen gut durch. Anspruchsvoll war sicher auch die Route von der Kröntenhütte nach Stäfeli. Das ist ein hochalpiner Übergang mit Gletscherspalten und beim Gross Spannort mit enorm viel Steinschlag. Alle fünf bis zehn Minuten kamen Steine runter.

Wie kommt man unbeschadet aus solchen Situationen?

Fehlmann: Generell ist es wichtig sich aufmerksam und konzentriert auf den Wegen zu bewegen. Nebst der Absturzgefahr haben wir durch unser langes Unterwegssein verhältnismässig viel Steinschlag gesehen. Wir lernten, dass die Berge auch leben.

Sie haben in Alpenhütten übernachtet, vielfach in Massenlagern. Wie sind Sie mit den Schnarchern umgegangen?

Fehlmann: Das war kein Problem. Es war eine Grundsatzeinstellung, die wir mitgebracht haben. Uns war klar, dass wir lange unterwegs sein werden und wir das Schnarchen einfach ignorieren müssen. Mit dieser Einstellung ging das gut. Wir haben oft gut geschlafen und nur zweimal etwas schlechter.

Wenn wir bei den Hütten sind: Haben Sie jetzt vierzig Tage die in Alpenhütten beliebten Älplermaggronä gegessen?

Fehlmann: Nur zehnmal (lacht).

Laurén: Dann je fünfmal Curryreis und Spaghetti. Danach hat es mit dem Typischen auch schon aufgehört. Ich als Vegetarierin war sehr zufrieden. Es gab immer Viergänger – wir haben also sehr gut gegessen.

Was steht als Nächstes auf dem Programm?

Fehlmann: Wir leben im Isenthal und wollen die Alpen dort erkunden.

Laurén: Wir sind vor kurzem auf den Uri-Rotstock gewandert. Denn es ist schwierig, sich jetzt nicht zu bewegen. Zudem würde ich den Alpenkranz am liebsten noch umgekehrt machen (lacht). Oder die gleiche Route im Winter mit den Ski. Zumindest will ich im Winter einige Touren machen. Etwa von Andermatt nach Engelberg – die «Urner Haute Route».

Wie geht es nun mit dem Urner Alpenkranz weiter?

Fehlmann: Der Verein Urner Wanderwege will den Alpenkranz neu organisieren. Wir lassen unsere Erfahrung, die wir nun gemacht haben, in einen neuen Wanderführer einfliessen. Auch bei der neuen App «Uri Outdoor» helfen wir mit. All das soll zur nächsten Wandersaison erscheinen.

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