Porträt
Urner «Alpinmaus» wirbt im Exil für ihren Heimatkanton

Aus beruflichen Gründen verliess Andrea Lorenz vor 14 Jahren den Kanton. Heute bewirbt sie Uri als Bergführerin.

Christian Tschümperlin
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Andrea Lorenz mit ihrem Uri-Stier-Aufkleber vor dem alpinen Tourbus.

Andrea Lorenz mit ihrem Uri-Stier-Aufkleber vor dem alpinen Tourbus.

Bild: PD

Woher könnte eine «Alpinmaus» stammen, wenn nicht aus dem Kanton Uri? Doch die Geschichte dieses Exemplars ist etwas komplizierter. Denn sie lebt heute im Exil. Aber nicht im Kanton Zürich – wie ihre Autonummer suggeriert – sondern in Engelberg. Mit bürgerlichem Namen heisst sie übrigens Andrea Lorenz.

Die 37-Jährige ist seit 2012 vollberufliche Bergführerin. «Das Auto ist auf meinen Partner zugelassen, darum hat es eine Zürcher-Nummer dran. Nur Zürich als Wappen, das geht nicht», hat sich Lorenz gedacht und unverzüglich einen Uristier an das Auto geklebt. Den Mercedes Viano hat sie seit 2016, doch bereits am letzten Auto war ein Uristier-Kleber dran.

Schaf aus Schnee gerettet

Wer so viel in den Bergen unterwegs ist, hat viel zu erzählen. Einmal habe sie eine Schneeschuhtour gemacht über den Grimselpass. Das war im Januar 2017. Mitten im Schnee fand sie ein lebendiges Schaf. «Ich habe es eingefangen und runtergetragen nach Goms», erzählt Lorenz. Das Schaf konnte bei der Alpabfahrt im Herbst nicht mehr gefunden werden. «Es konnte überleben dank des milden Winters», erklärt Lorenz.

Doch auch im Kanton Uri ist Lorenz regelmässig unterwegs. «Ich versuche, den Gästen immer den Kanton Uri schmackhaft zu machen», sagt sie. In den letzten Jahren habe sie hier einige Touren unternommen: Sie spricht von Andermatt, Lidernen und dem Meiental. Sogar die Gletscher im Kanton Uri – Maderanertal, Clariden, Schärhorn – kennt sie wie ihre eigene Westentasche. «Den Clariden kann man im Sommer und Winter besteigen. Aber im Sommer nur angeseilt», weiss Lorenz.

In den Bergen, seit sie sechs ist

Aufgewachsen ist Lorenz in Silenen. Bereits als Sechsjährige erlag sie dem Ruf der Berge. «Einfach draussen sein, unterwegs sein, die schöne Bergwelt geniessen.» So umschreibt sie ihre Faszination für die Bergwelt. Sie erinnert sich, dass sie mit ihren Eltern den Bristenstock bestieg. «Der Bristenstock ist eine T5 auf der Wanderskala, der zweitoberste Schwierigkeitsgrad. Da braucht man manchmal die Hände, oder wie ich sage, den ‹Vier-mal-Vier›», sagt Lorenz.

Zur Schule ging sie in Silenen/Amsteg. «Man dürfte mich noch aus dem Velo-Moto-Club Silenen kennen. Da sind wir viele Rennen gefahren», sagt sie. Als Elfjährige besuchte sie Kletterlager und unternahm Skitouren. Und warum ist sie damals, im Jahr 2006, nach der Lehre zur Hochbauzeichnerin, weggezogen? Nicht ganz überraschend sagt sie: «Aus beruflichen Gründen. Ich trat eine Arbeitsstelle am Titlis an.» Den Dialekt vermisse sie aber schon. Darum will sie auch nicht ausschliessen, eines Tages in den Kanton Uri zurückzukehren.

Zur Serie: «Dr Schtiär am Fitlä»

Wenn Urner ihre Heimat verlassen, müssen sie das Kennzeichen ihres Autos gegen das ihres neuen Wohnkantons eintauschen. Das fällt einigen so schwer, dass sie den fehlenden Stier in der Autonummer mit einem Aufkleber am Autoheck ersetzen. Wie fährt es sich mit dem UristierAufkleber? Und was vermissen sie am meisten an ihrer Heimat? Wir haben Leute mit dem «Schtiär am Fitlä» aufgespürt und porträtieren sie in loser Reihenfolge. (red)