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Urner CBD-Bauer fordert: Hanf-Tabu soll fallen

Mitchel Monckton gewinnt auf seinen Plantagen im Kanton Uri legalen Hanf. Von der heilenden Wirkung der Pflanze ist er überzeugt.
Christian Tschümperlin
Mitchel Monckton hegt und pflegt seine Hanfpflanzen. (Bild: Urs Hanhart, Silenen, 1. Juli 2019)

Mitchel Monckton hegt und pflegt seine Hanfpflanzen. (Bild: Urs Hanhart, Silenen, 1. Juli 2019)

Wer Hanf anbaut und verkauft, macht sich strafbar. Nicht so Mitchel Monckton. Der findige Unternehmer produziert in Silenen legalen Hanf, das sind Cannabispflanzen, die weniger als 1 Prozent des halluzinogenen THC (Tetrahydrocannabinol) beinhalten. Stattdessen ist der legale Hanf reich an Cannabidiol (CBD), das als biochemischer Gegenspieler des THC gilt.

Der Hitzesommer hat auch den CBD-Produzenten mächtig zugesetzt. «Wir hatten drinnen viele Probleme, die Temperatur im Griff zu halten», sagt Monckton. Und draussen sei es zu trocken für die Hanfpflanzen. «Wir mussten viel bewässern.» Kurzärmlig steht er in seiner Indoor-Plantage, einem umfunktionierten Schwimmbad. Die vielen Ventilatoren im Raum sorgen für ein stetiges Windchen, es herrschen angenehme 28 Grad. «Diese Temperatur ist perfekt für die Pflanzen. Wenn es dem Menschen wohl ist, ist es auch ihnen wohl.»

Zu warm, zu kalt, nicht genügend Licht, der falsche pH-Wert im Wasser – es ist nicht einfach, Hanf zu züchten. «Man hat 1000 verschiedene Feinde in diesem Geschäft», meint Monckton und zwickt zum Beweis ein Blatt von einer seiner Pflanzen: Darauf kriechen emsig kleine rote Punkte. «Das sind Raubmilben, die ich extra freigelassen habe», sagt er. Sie essen die unerwünschten Milben, die natürlichen Feinde der Hanfpflanze.

Hanf als Heilmittel versus Hanf als Konsumdroge

Monckton ist ein findiger Unternehmer. Er bewirtschaftet mehrere hundert Quadratmeter Hanfpflanzen. Und er hat eine Mission: «Ich möchte die Leute wegbringen von dem altmodischen Gedanken, dass Hanf nur eine Droge ist. Dieses Dogma möchte ich aufbrechen.» Hanf sei eine zutiefst missverstandene Pflanze. Denn die Droge müsse klar vom Heilmittel abgegrenzt werden. Dieser Unterschied ist ihm wichtig.

«Mein Onkel in Spanien hatte Krebs», erzählt er. Er habe viele Bestrahlungen und Chemotherapien über sich ergehen lassen. «Dann haben sie ihn aufgegeben», erinnert sich Monckton. Man habe seinem Onkel gesagt, dass er nur noch zwei Monate zu leben habe. Als letzter Strohhalm habe er nach Rücksprache mit seinem Arzt zu einem THC-Präparat gegriffen. Als Reaktion darauf sei der Krebs verschwunden. «Mein Onkel ist seit zweieinhalb Jahren krebsfrei», erzählt Monckton. Das sei kein Zufall: Eine Studie von Cristina Sanchez aus Madrid habe die positive Wirkung von THC auf Krebs nachgewiesen, hält der Unternehmer fest. Vor einem halben Jahr starb seine Tante an Krebs. «Sie hatte Angst davor, Hanf-Öl einzunehmen.» Der Tod seiner Tante habe ihn daraufhin motiviert, in das Geschäft mit CBD einzusteigen.

Seither investiert Mitchel Monckton sehr viel Zeit und Energie in seine In- und Outdoor-Plantagen. «Als CBD-Produzent hast du fast kein Wochenende», erzählt er. Das sei normal, wenn man mit Tieren oder Pflanzen arbeite. Zudem sei eigentlich immer Erntezeit. «Man will ja nicht alle Pflanzen auf einmal ernten», gibt Monckton zu bedenken. «Wir CBD-Produzenten sind eng vernetzt und beliefern ausschliesslich Hanfölproduzenten, die das Produkt zu medizinischen Zwecken einsetzen», betont der Unternehmer weiter.

Ein Medikament gegen Krebs, Epilepsie und Parkinson

Für den Kanton Uri entschied er sich aufgrund schöner Kindheitserinnerungen. «Seit klein auf kam ich regelmässig in die Skiferien nach Andermatt», sagt er. Uri sei der schönste Kanton der Schweiz. Und woher weiss er, wie man Hanf anpflanzt? «Ich komme aus Holland. Jeder Holländer hat zwei, drei Hanfpflanzen auf seinem Balkon und einen Wohnwagen», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Die Zusammenarbeit mit den Behörden verläuft reibungslos. Kontrolliert wird er regelmässig von der Kriminalpolizei. «In den letzten fünf Monaten wurden wir zweimal kontrolliert», sagt er. Solange der THC-Wert unter 1 Prozent liege, ist die Produktion legal. Auch mit dem Amt für Landwirtschaft pflege er einen engen Kontakt, etwa, um Gesetzesänderungen zu besprechen. Für die Zukunft hat sich Monckton einiges vorgenommen: «Mein Ziel ist es, ein Medikament gegen Krebs, Epilepsie und Parkinson zu entwickeln, basierend auf Hanf», sagt er. Auch deshalb fordert er: «Das Hanf-Tabu muss fallen. Dann könnten wir viele Leben retten.»

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