Urner Dätwyler-Stiftung überreicht gleich drei Preise: Das sind die Gewinner

Die Dätwyler-Stiftung feiert ihr 30-jähriges Bestehen – und hat zum elften Mal ihren Dätwyler-Preis verliehen. Die Auszeichnung geht im Jubiläumsjahr der Stiftung gleich an mehrere Preisträger.

Markus Zwyssig
Drucken
Teilen
Bei der Preisverleihung (von links): Wanderpapst Paul Dubacher, Kinobesitzerin Marianne Hegi, Kinobetreiber Patrick Dal Farra, Peter Spillmann, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft, Geschäftsführerin Susanne Döhnert und Hansheiri Inderkum, Präsident der Dätwyler-Stiftung.

Bei der Preisverleihung (von links): Wanderpapst Paul Dubacher, Kinobesitzerin Marianne Hegi, Kinobetreiber Patrick Dal Farra, Peter Spillmann, Präsident der Naturforschenden Gesellschaft, Geschäftsführerin Susanne Döhnert und Hansheiri Inderkum, Präsident der Dätwyler-Stiftung.

Bild: Valentin Luthiger (Altdorf, 1. Oktober 2020)

Der Urner Wanderpapst Paul Dubacher, die Naturforschende Gesellschaft Uri mit Präsident Peter Spillmann sowie das Cinema Leuzinger in Altdorf mit Inhaberin Marianne Hegi und dem Betreiberpaar Patrick und Dragana Dal Farra hatten am Donnerstag allen Grund zur Freude. Sie erhielten von Hansheiri Inderkum, dem Präsidenten der Dätwyler-Stiftung, und deren Geschäftsführerin Susanne Döhnert den mit 20'000 Franken dotierten Dätwyler Preis. Die geplante feierliche Übergabe musste aufgrund der Pandemie verschoben werden und wurde nun am Donnerstag nachgeholt.

Alt Regierungsrat Josef Arnold bei seiner Laudatio für Wanderpapst Paul Dubacher.

Alt Regierungsrat Josef Arnold bei seiner Laudatio für Wanderpapst Paul Dubacher.

Bidl: Valentin Luthiger (Altdorf, 1. Oktober 2020)

Wanderpapst hat bereits ein neues Ziel

Alt Regierungsrat Josef Arnold ehrte die Leistungen des Urner Wanderpapstes Paul Dubacher. Als Initiant und Unterschriftensammler hat der Seedorfer dazu beigetragen, dass zur 700-Jahr-Feier der Eidgenossenschaft der Weg der Schweiz rund um den Urner See verwirklicht wurde. Der Vier-Quellen-Weg im Gotthardmassiv wurde dank seiner Vision und Tatkraft umgesetzt und mit der höchstgelegenen, dreifachen kontinentalen Wasserscheide in Europa ergänzt. «In all den Jahren sind somit rund 200 Kilometer Wanderwege zu Stande gekommen, bei denen Dubacher die Hand im Spiel hatte», so Arnold. Dubacher baue aber nicht nur Wanderwege, sondern sei selber begeisterter Wanderer und gebe die Begeisterung weiter – allen voran mit dem Gotthardmarsch von Seelisberg auf den Gotthardpass sowie mit seinen Karfreitagswanderungen. Er verfolge seine Ziele beharrlich und mit grosser Energie. «Er ist ein Macher, der Lösungen vor Ort sucht.» Und bereits gibt es ein neues Ziel: ein Rundweg auf dem Gotthardpass, der auch für Menschen mit Behinderung zugänglich ist.

Urs Marbet, ehemaliger Chefarzt des Kantonsspitals Uri, bei der Laudatio für die Naturforschende Gesellschaft.

Urs Marbet, ehemaliger Chefarzt des Kantonsspitals Uri, bei der Laudatio für die Naturforschende Gesellschaft.

Bild: Valentin Luthiger (Altdorf, 1. Oktober 2020)

Der Retter des Teufelssteins

Urs Marbet, ehemaliger Chefarzt des Kantonsspitals Uri, würdigte die Leistungen der Naturforschenden Gesellschaft Uri. «Nur wenige Forscher können über derart viele Neuentdeckungen berichten», so Marbet. Das sei das Resultat einer überdurchschnittlichen und beharrlichen Neugier. «All dies ist nur möglich durch eine topmotivierte und unermüdliche Teamarbeit.» Als Bindeglied zwischen Forschung, Entwicklung und Bevölkerung ist der Schutz der Landschaft und einzelner Gebiete ein wichtiges Anliegen des Vereins. Mit Vorträgen und Exkursionen werden Erkenntnisse aus der Medizin, Botanik, Zoologie und Geologie vorgestellt und der Bevölkerung nähergebracht.

Beim Bau des Gotthard-Strassentunnels wurde der Teufelsstein nicht gesprengt, sondern von der Naturforschenden Gesellschaft gerettet und für 300'000 Franken verschoben. Weit wichtiger aber war der Einsatz zum Schutz des Urner Reussdeltas. «Hier wurde aus einer Vision Wirklichkeit», so Marbet. «Die Naturforschende Gesellschaft Uri sucht neue Wege, um die Natur besser zu verstehen und zu schätzen – um uns zu zeigen, welch faszinierendes Gebiet doch der Kanton Uri ist.»

Walter Baumann bei seiner Laudatio fürs Cinema Leuzinger.

Walter Baumann bei seiner Laudatio fürs Cinema Leuzinger.

Bild: Valentin Luthiger (Altdorf, 1. Oktober 2020)

Cineastische Leckerbissen und aktuelle Blockbuster

«Rundherum und fast in der ganzen Zentralschweiz mussten die Landkinos schliessen. In Altdorf ist es immer noch da», stellte Walter Baumann, Stiftungsrat der Dätwyler-Stiftung, fest. Zu verdanken habe man das der engagierten Inhaberin des Cinemas Leuzinger, Marianne Hegi. Seit 1980 führt sie erfolgreich das einzige Kino im Kanton Uri. «Sie ist mit dem Lichtspieltheater aufgewachsen. Sie lebt fürs Kino.» In Altdorf seien immer wieder cineastische Leckerbissen, aber auch die aktuellen Blockbuster zu sehen. Mit dem Format Zauberlaterne verstärkte sie die Filmvermittlung bei der Kinder- und Jugendförderung. Geehrt wurden auch Patrick und Dragana Dal Farra, die Betreiber des Altdorfer Kinos.

Ebenfalls eng verbunden mit dem Cinema Leuzinger ist der noch junge Verein Freiluft- und Studiofilm Altdorf. Mit der Organisation der jährlichen Freiluftfilme in Altdorf hat der Verein eine Marktlücke geschlossen. Die vielseitige und treffende Auswahl der Filme erfreut sich einer grossen Akzeptanz und Beliebtheit in der Bevölkerung. Bei misslichen Wetterverhältnissen konnten am ersten Abend immer noch 80 Personen begrüsst werden, am Samstagabend waren es 300. Auch dies sei nur möglich dank viel freiwilliger Arbeit und einer grossen Portion Idealismus und Herzblut, so Baumann.

Hansheiri Inderkum, Präsident der Dätwyler-Stiftung, bei seiner Ansprache.

Hansheiri Inderkum, Präsident der Dätwyler-Stiftung, bei seiner Ansprache.

Bild: Valentin Luthiger (Altdorf, 1. Oktober 2020)

Förderung seit 30 Jahren

Die Dätwyler-Stiftung ist eine gemeinnützige Förderstiftung mit Sitz in Altdorf. Sie wurde 1990 im Rahmen der Nachfolgeregelung der Dätwyler Holding AG durch die Mehrheitsaktionäre Peter und Max Dätwyler gegründet. Die Dätwyler-Stiftung ist keine Unternehmensstiftung; das Unternehmen und die Stiftung agieren voneinander unabhängig. Die Stiftung fördert schweizweit Projekte und Institutionen, die einen geografischen, thematischen oder personellen Bezug zum Kanton Uri haben oder in den Kanton Uri ausstrahlen. Sie fördert gemeinnützige Bestrebungen in den Bereichen Kunst (Baukunst und Brauchtum), Erziehung und Bildung, Gesundheit und Sport, Heimatschutz, Natur- und Umweltschutz sowie Natur-, Geistes- und Sozialwissenschaften.

Zu den bisherigen Preisträgern zählen – der chronologischen Reihe nach – die Tellspielgesellschaft Altdorf (1992), der Urner Historiker Hans Stadler-Planzer (1995), der Flüeler Musiker Franz Muheim (1998), das Historische Museum Uri (2001), die beiden Jungunternehmer Alois Bissig und Dolf Wipfli (2004), der Meisterlandwirt Wisi Zgraggen-Stadler und der ehemalige Altdorfer Jugendtheaterförderer Josef Grossrieder-Simmen (2007), die Ludothek Altdorf (2008), das Hilfswerk der Kirchen Uri (2011), der Urner Mundartforscher Felix Aschwanden (2014) sowie der Leiter des Theater Uri Heinz Keller (2017). (MZ)

Mehr zum Thema