Urner Eltern zeigen sich solidarisch und zahlen weiterhin Kita-Gebühren – obwohl ihr Kind aktuell nicht betreut wird

Wegen Corona betreuen Kitas deutlich weniger Kinder. Einige Eltern bezahlen aber weiterhin.

Christian Tschümperlin
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In den Urner Kitas geht es etwas stiller zu und her als auch schon. Die Pandemie hat die Zahl der betreuten Kinder einbrechen lassen, wie eine Umfrage bei der Stiftung Papilio, dem Haus Magdalena und der Kita Märlischloss zeigt. «Die Eltern sind aufgerufen, die Kinder möglichst von zu Hause aus zu betreuen, um Platz zu schaffen für Notfallbetreuungen», sagt Kita-Geschäftsleiter Martin Huber von der Stiftung Papilio. Viele Eltern folgen damit einem kantonalen Schreiben, das zwar nicht den Charakter einer Weisung, immerhin aber einer Empfehlung hat. «Die Verunsicherung bei den Eltern, ob sie ihr Kind zu uns bringen sollen oder nicht, ist spürbar», sagt Huber. Als Resultat davon hütet Papilio – statt wie zu Spitzenzeiten 36 Kinder – derzeit nur rund zehn. Fünf Kinder werden nur in dieser Zeit betreut. Sie nutzen einen Notfallplatz für Eltern in systemrelevanten Berufen, die keine anderweitige Betreuung organisieren können.

Kinder und Betreuerin Nathalie Brenzikofer der Stiftung Papilio.

Kinder und Betreuerin Nathalie Brenzikofer der Stiftung Papilio.

Bild: PD/Angel Sanchez (Altdorf,  April 2020)

Die fallende Zahl der Kinder in den Kitas schlägt sich auf die Einnahmen nieder. Sie können aber in vielen Fällen auf die Solidarität der Eltern zählen. «Einige Eltern zahlen ihre Beiträge glücklicherweise weiterhin», so Huber. Ganz um Kurzarbeit herum kommt man bei Papilio aber nicht. Huber: «Für uns ist es einfach sehr wichtig, dass wir die Lernenden weiter beschäftigen können. Sie müssen einen erfolgreichen Abschluss schaffen.»

Kita-Geschäftsleiter Martin Huber von der Stiftung Papilio.

Kita-Geschäftsleiter Martin Huber von der Stiftung Papilio.

Bild: PD

Von den Mühen der Erwachsenen merken die Kinder wenig. «Für Kleinkinder ist das Thema zu abstrakt. Medizinische Fragen sind für sie weit weg.» Sorgenlos tollen sie im Aussenraum der Stiftung herum. Das Wetter der vergangenen Tage trug das Seine dazu bei. Dass bei Kleinkindern die Mindestabstände nicht immer eingehalten werden können, versteht sich von selbst. Trotzdem wird gut auf sie geachtet. «Wir vermitteln ihnen die Hygienevorschriften spielerisch», sagt Huber. So gäbe es zum Beispiel ein Händewaschen-Spiel.

Klatschen statt Händereichen

Dass der Alltag der Kinder wie gewohnt verläuft, bestätigt auch Gesamtleiterin Sarah Niggli vom Haus Magdalena, zu dem auch die Kita Königschind gehört. «Die Kinder können sich vor dem Haus austoben, ab und zu gehen wir in den Wald oder holen Milch vom Bauern.» Im Haus Magdalena ist es Tradition, sich vor dem Essen die Hände zu reichen und ein Lied anzustimmen. «Stattdessen klatschen wir nun in die Hände», sagt Niggli. Manchmal komme es auch zu lustigen Momenten: «Ein Sechsjähriger hat uns das Coronavirus wie ein Grosser erklärt. Man merkte, dass er zuvor mit einem Erwachsenen darüber gesprochen hatte.» Die Situation in Nigglis Kita ist insofern besonders, als dass diese vom Mutter-Kind-Haus Magdalena getragen wird und daher keine Kurzarbeit angemeldet werden musste.

Kitas in Coronazeiten: Im Freien ist auch im Haus Magdalena viel Platz.

Kitas in Coronazeiten: Im Freien ist auch im Haus Magdalena viel Platz.

Bild: PD

Eine gute Zeit verbringen die Kinder auch im Märlischloss in Altdorf. Auf die Frage, wie sie die Kinder bei Laune halten, sagt Geschäftsleiterin Miriame Koch: «Wir müssen die Kinder nicht bei Laune halten. Sie sind schon guter Laune und wir betreuen sie einfach optimal.» Dass sie ihre Grosseltern nicht sehen können, stimmt die Kinder manchmal traurig. «Uns ist es wichtig, die Kinder in ihrer Trauer zu begleiten, indem wir mit ihnen den Grosseltern einen Brief mit einer selbstgemachten Zeichnung schreiben.» Besondere Vorsicht ist laut Koch beim Abholen der Kinder durch die Eltern geboten. «Wir bereiten alles vor und halten bei der Übergabe die Abstandsregeln ein, sofern es sich nicht um ein Baby handelt.»

Von Infizierungen wurden die Urner Kitas bisher verschont. Alle drei Einrichtungen schätzen die Zusammenarbeit mit den Urner Behörden. Koch sagt: «Wir werden super informiert, man kommt immer wieder auf uns zu und klärt uns über die neuesten Massnahmen auf.»

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