Urner Fasnächtler im Fokus
Meientaler machen den Wintergeist wütend

Die Katzenmusik Meiental zieht aus, um zu tun, was getan werden muss. Dem Wintergeist gefällt das gar nicht, wie Dirigent Samuel Hagmann berichtet.

Christian Tschümperlin
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Im Meiental begann die Fasnacht dieses Jahr mit dem Eintrommeln am vergangenen Freitag. Angeführt wird die bunte Truppe von Dirigent Samuel Hagmann.

Im Meiental begann die Fasnacht dieses Jahr mit dem Eintrommeln am vergangenen Freitag. Angeführt wird die bunte Truppe von Dirigent Samuel Hagmann.

Bild: Florian Arnold (Meiental, 18. Februar 2022)

Im Februar hat der Wintergeist das wild-romantische Meiental noch fest im Griff. Deshalb ziehen Samuel Hagmann und seine Kollegen der Katzenmusik Meiental ab Mitte des Monats aus, um den Kälteschreck mit dem Urner Katzenmusikmarsch zu vertreiben. «Mehrheitlich funktioniert das gut. Der Wintergeist hat aber auch schon zurückgeschlagen und blies uns eine Biese mitten ins Spiel. Da wussten wir, dass wir unser Ziel erfüllt und ihn wütend gemacht haben», berichtet der Meientaler.

Das ganze Tal kommt an Fasnacht zusammen

Die Menschen im Meiental sind stark vom Wetter abhängig. Eine der Lawinenzonen im Tal erstreckt sich über mehrere Kilometer. «Wenn wir wegen einer Lawine von der Aussenwelt abgeschnitten werden, können wir die Leute ja nicht an unsere Fasnachtsfeste einfliegen lassen. Auch deshalb trommeln wir, um den Wintergeist zu vertreiben», erklärt Hagmann. Und zu festen gibt es nach der Aufhebung der meisten Coronaregeln einiges. Nach dem Eintrommeln mit Spaghetti-Plausch am 18. Februar folgte am Freitag, 25. Februar, um 20 Uhr ein Maskenball in der Mehrzweckhalle Meien. «Wir haben kein Motto, jeder darf kommen. Aber wir freuen uns über jeden Maskeraden», so Hagmann. Um 24 Uhr fallen übrigens die Masken und «dann wird richtig gefestet», wie er sagt. «Das ganze Tal versammelt sich am Fest, sogar diejenigen, die ausgezogen sind, kommen an dem Tag zurück.» Heute zählt das Meiental noch rund 60 Einwohnerinnen und Einwohner. «Immer mal wieder tauchen an unseren Festen aber auch Überraschungsgäste auf. Wir sind um jeden dankbar, der kommt.»

Am kommenden Sonntag, 27. Februar 2022, folgt dann der Kinderumzug. «Die Feste und Umzüge sind immer gleich und trotzdem geschieht jedes Jahr etwas Neues. Im Meiental wird es nie langweilig, denn die Leute sind einfallsreich.» Hagmann, der im Meiental aufgewachsen ist, bezeichnet seine Heimat als den «Himmel auf Erden».

Es ist die einzige Katzenmusik ohne Dirigentenstock

Er hat das Amt des Dirigenten der Katzenmusik von seinem Stiefvater übernommen, als er 15 war. Mittlerweile ist er seit bald 15 Jahren im fünfköpfigen Vorstand dabei. Anders als andere Katzenmusiken trägt er keine Katze auf dem Dirigenten-Stock, sondern einen Sagexkopf eines unbekannten Maskeraden. «Eigentlich hätten wir auch eine Katze, doch diese ist zu schwer. Damit laufe ich keine fünfzig Meter weit», sagt der bald 31-Jährige mit sportlicher Postur.

In den vergangenen zwei Jahren waren die Aktivitäten der Katzenmusik Meiental pandemiebedingt völlig zum Erliegen gekommen. «Die Menschen im Meiental hatten grosse Angst vor dem Virus.» Jetzt aber ist er optimistisch, wieder das volle Fasnachtsprogramm durchziehen zu können. Und würde sich über auswärtige Gäste am Maskenball freuen. «Damit wir den Wintergeist noch besser vertreiben können.»