Urner Fasnächtler müssen auf grosse Umzüge verzichten

In Altdorf und Schattdorf finden an der Fasnacht 2021 keine Grossanlässe statt. Erstfeld wartet noch zu mit einem Entscheid.

Christian Tschümperlin
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Weder die Katzenmusikgesellschaft Altdorf noch das Altdorfer Umzugskomitee werden 2021 Fasnachtsumzüge organisieren. Das teilten sie am Freitagmorgen in einer Medienmitteilung mit. Die Begründung: Die aktuell geltenden Bestimmungen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) für Grossveranstaltungen würden eine Durchführung verunmöglichen. «Der Aufwand für einen geregelten Ablauf der Umzüge und die damit einhergehende Verantwortung können von uns schlicht nicht getragen werden», wird Françoise Burkart, Präsidentin der Katzenmusikgesellschaft Altdorf, in der Mitteilung zitiert. «Speziell den Fasnachtsgruppen die jeweils in vielen Stunden Fronarbeit ihre Wagen für den Gidelmäändig bauen, möchte man mit dem Entscheid zur Absage des Umzugs Planungssicherheit geben», ergänzt Mario Burkart vom Umzugskomitee.

Bilder wie solche vom Umzug 2020 an der Fasnacht Schattdorf wird es im kommenden Jahr keine geben.

Bilder wie solche vom Umzug 2020 an der Fasnacht Schattdorf wird es im kommenden Jahr keine geben.

Markus Zwyssig / Urner Zeitung

Der Entscheid sei an einer Koordinationssitzung mit Vertretern der Gemeinde Altdorf, des kantonalen Sonderstabs Covid-19 und verschiedenen Vereinen, die zur Altdorfer Fasnacht beitragen, kommuniziert worden. Der Beschluss werde von allen Seiten mitgetragen und seitens der Behörden als vernünftig erachtet.

Auf Anfrage erklärt Françoise Burkart den Entscheid: «Ich gehe von Herzen gerne trommeln.» Aber: «Knacknuss sind die Teilnehmerzahlen, Zuschauermengen und die nicht einhaltbaren Abstandsregeln», sagt sie. Wenn fast der halbe Kanton wegen Corona-Infektionen und -quarantänen lahmgelegt würde, wäre niemandem geholfen.

Schutzkonzepte könnten nicht eingehalten werden

Der Kanton begrüsst in einer eigenen Mitteilung den Entscheid der Organisatoren der Altdorfer Fasnacht, keine grösseren Umzüge oder Veranstaltungen durchzuführen. Denn: «Angesichts der geltenden Covid-19-Verordnung des Bundes können bei Fasnachtsgrossveranstaltungen die für solche Anlässe geforderten Schutzkonzepte nicht eingehalten werden.» Der Sonderstab appelliert an alle Urner Fasnachtsorganisationen, ebenfalls auf Grossveranstaltungen an der Fasnacht 2021 zu verzichten.

Inwieweit kleinere Fasnachtsveranstaltungen stattfinden könnten, hänge sehr stark von der Entwicklung der epidemiologischen Lage und von den dann geltenden gesetzlichen Bestimmungen ab. Grundsätzlich gelte: «Wer in irgendeiner Form eine Veranstaltung oder eine Feier durchführt oder daran teilnimmt, hat in Eigenverantwortung dazu beizutragen, dass andere Personen oder Betriebe danach nicht unter den Folgen einer Verbreitung des Virus zu leiden haben.» Aus heutiger Sicht seien eine auf Eigenverantwortung basierende und von Rücksichtnahme geprägte Urner Fasnacht 2021 in reduziertem Umfang möglich. Definitive Entscheide dazu könnten aber noch nicht gefällt werden.

Entscheid zur Fasnacht im kleinen Rahmen folgt in zwei Monaten

Seit gestern ist das Verbot von Grossveranstaltungen mit über 1000 Zuschauern durch den Bund aufgehoben. Die Grossveranstaltungen unterliegen aber einer Bewilligungspflicht durch den Kanton. Die Auflagen sind unter anderem wie folgt: Wo die Abstände nicht eingehalten beziehungsweise keine Trennwände eingesetzt oder Schutzmasken getragen werden können, müssen Teilnehmerlisten zur Rückverfolgung der Infektionsketten vorhanden sein. «Es ist ein logischer Schritt, dass man die Fasnachtsgrossanlässe unter diesen Vorzeichen nicht durchführt», sagt Informationsbeauftragter Sonderstab Covid-19 Adrian Zurfluh auf Anfrage.

Von Seiten des Kantons habe man die Veranstaltung in Altdorf nicht verboten. «Die Veranstalter kamen selber zur Einsicht, dass eine Durchführung nicht zu stemmen ist. Wir teilen diese Meinung voll und ganz.» Das Eintrommeln zählt traditionell über 800 Mitwirkende und Tausende Zuschauer am Strassenrand. Der Veranstalter wäre verantwortlich, dass die Fasnächtler die Abstände einhalten und ihre Masken tragen. «Das sind die Konsequenzen der jetzigen Lage.» Ob Fasnachtsanlässe im kleinen Rahmen durchführbar sind, darüber soll zum Jahreswechsel beraten werden.

Auch Schattdorf verzichtet auf den Umzug

Ebenfalls definitiv abgesagt ist der grosse Fasnachtsumzug, der dieses Jahr in Schattdorf stattgefunden hätte und traditionell bis zu 5000 Personen anlockt. «Weiter haben wir entschieden, dass es auch keinen Kinderumzug am Schmutzigen Donnerstag geben kann», sagt Simon Geisser, Präsident der Katzenmusik Schattdorf. «Wir sind in Kontakt mit verschiedenen Gemeinden. Ob kleinere Anlässe wie beispielsweise die Vorfasnacht und andere kleine Katzenmusiken durchgeführt werden können, halten wir uns offen.» Noch offen ist auch, ob und in welcher Form die Fasnacht in Erstfeld stattfinden kann.

Gestern gab es im Kanton Uri sechs Fälle von positiv auf das Coronavirus getesteten Personen. Keine der kranken Personen sind hospitalisiert. Total 100 Kontaktpersonen aus dem Kanton Uri befinden sich in Quarantäne, teilt der Sonderstab mit.