Urner Feinbäckerei Hauger hilft bei Lehn-Beck aus – kommt es zur Fusion? 

Die Feinbäckerei Hauger, die grösste Bäckerei des Kantons, greift dem Mitbewerber Lehn-Beck wegen personeller Engpässe unter die Arme. Es ist aber nicht der Plan, damit eine Monopolstellung einzunehmen.

Florian Arnold
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Die Zahlen sprechen für sich: Laut dem Branchenverband Schweizer Bäcker-Confiseure (SBC) sind in den vergangenen zehn Jahren schweizweit rund 500 autonome Bäckerei-Betriebe geschlossen worden. Auch in Uri hat sich der Bestand innert weniger Jahre praktisch halbiert, heute gibt es noch acht Urner Bäckerei-Unternehmen. Diese Zahl könnte weiter schrumpfen.

Bei Lehn-Beck wird nun Hauger-Brot über die Theke gereicht. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 3. Juni 2019))

Bei Lehn-Beck wird nun Hauger-Brot über die Theke gereicht. (Bild: Florian Arnold (Altdorf, 3. Juni 2019))

Nun gehen die beiden Altdorfer Mitbewerber Lehn-Beck und die Feinbäckerei Hauger eine Zusammenarbeit ein, wie auf Anfrage unserer Zeitung bestätigt wurde. Seit dem 27. Mai produziert Hauger einen wesentlichen Teil der Brote und Kleinbrote für beide Betriebe. Grund dafür sind akute personelle Engpässe, wie Michael Meier sagt. Er unterstützt seinen Vater Heinz Meier als Inhaber bei der Suche nach einer Nachfolgelösung.

«Das ist eine Urner Lösung»

«Bäcker zu finden ist heute sehr schwierig», so Meier. Deshalb habe man sich seit längerem nach Alternativen umgesehen. Auch mit ausserkantonalen Produzenten hätten Verhandlungen stattgefunden. «Wir sind froh, dass wir nun diese Zusammenarbeit eingehen können, denn es ist eine Urner Lösung», sagt Meier. Die Feinbäckerei Hauger ist momentan innerhalb der Urner Szene die Retterin in der Not. Am 1. Januar 2018 übernahm sie den Betrieb der Confiserie Danioth in Altdorf, im Herbst 2018 wurde die Übernahme der Andermatter Bäckerei/Konditorei Baumann bekannt. Damit ist die Altdorfer Traditionsfirma unter der Leitung von Marco Hauger mit 125 Mitarbeitern das grösste Urner Bäckereiunternehmen. Und auch die komplette Integration von Lehn-Beck ist ein Thema – ein Entscheid soll bis im Herbst vorliegen.

«Wir wollen nicht um jeden Preis wachsen», betont Marco Hauger. Ein Monopol aufzubauen sei keinesfalls eine Absicht. «Wir machen uns gemeinsam Gedanken, was Sinn macht und rentabel ist.» Denn die Detaillisten stehen vor allem in der Konkurrenz zu den Discountern und Grossverteilern, die ebenfalls Brotwaren anbieten. «Vielleicht kann man als grösserer Detaillist eher bestehen», gibt Hauger zu bedenken.

Produktion auch weiterhin an mehreren Standorten

Mit einer Integration soll auf alle Fälle die Effizienz gesteigert werden. Allerdings lassen es die Platzverhältnisse nicht zu, nur noch an einem Standort zu produzieren. «Wir werden aber versuchen, die Logistik zu verbessern und die einzelnen Produkte möglichst nur an einem Ort herzustellen», so Hauger. Er verhehlt nicht: «Es gibt zu viele Bäckerei-Läden auf kleinem Raum.» Schliessungen einzelner Verkaufsstandorte dürften somit kein Tabu sein. Für die bestehenden Arbeitsverhältnisse hat diese momentane Zusammenarbeit keine direkten Auswirkungen.