Urner Freiwillige räumen im Reussdelta auf

Mitglieder von Klimastreik Uri und weitere Helfer sammeln Plastik und Müll ein – 18 Abfallsäcke zu je 110 Liter wurden dabei gefüllt.

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Dieses Bild vom Clean-Up Day im Reussdelta mit dem imposanten Sammelgut entstand noch vor der Coronakrise.

Dieses Bild vom Clean-Up Day im Reussdelta mit dem imposanten Sammelgut entstand noch vor der Coronakrise.

Bild: PD

(pd/MZ) Über 25 Menschen trafen sich kürzlich bereits zum zweiten Mal zu einem Clean-up-Day im Urner Reussdelta. Die bunte Gruppe setzte sich das Ziel, gemeinsam so viel Müll wie möglich aus dem Naturschutzgebiet am Urnersee zusammenzutragen. Und Müll gab es mehr als genug. Sobald man die bekannten Spazierpfade verliess und durchs Dickicht bis an die Uferzone schritt, traf man auf von Plastik übersäte Strände. Lauter farbige Punkte leuchteten einem zwischen Kies und Schwemmholz entgegen. Dementsprechend schnell konnte ein 110-Liter-Güselsack nach dem anderen gefüllt werden, bis am Ende 18 Stück prallvoll waren.

Neben den üblichen Verdächtigen wie PET-Flaschen, Essensverpackungen und Baustellenabfall tauchten auch einige Kuriositäten auf. Ein halber Ski, etliche Snus- und Schnupfdosen und sogar ein Feuerlöscher fielen den Müllsammlern in die Hände.

Klimaerwärmung lässt Problempalme spriessen

Bei der ersten Durchführung des Clean-up-Day im November 2019 befasste sich eine Gruppe auch mit dem Ausreissen von Hanfpalmen. Die Palme stammt aus Südostasien und ist bei uns ein Neophyt mit invasivem Potenzial. Im Tessin etablierte sich die Palme schon in den Wäldern und kann dort die Verjüngung von einheimischen Gehölzen verhindern. Mit der Erwärmung des Klimas schafft es die Palme jetzt auch auf die Alpennordseite und spriesst schon häufig im Reussdelta. Mit der aktuellen Entwicklung ist zu erwarten, dass sich die Hanfpalme noch stärker ausbreiten wird. Dies könnte dann auch für unsere Schutzwälder problematisch werden.

Organisiert wurde der Clean-up-Day erneut von der Bewegung Klimastreik Uri und war von den zuständigen Behörden genehmigt. Die Aktion war offen für alle interessierten Menschen. Es ging darum, sich innerhalb der Bewegung persönlich kennen zu lernen und gemeinsam auf lokaler Ebene etwas Gutes für die Umwelt zu bewirken. Trotz vollem Engagement, einem ganzen Tag Einsatz und zwei Müllwagenvelos wurde nur ein Bruchteil des ge­samten Abfalls eingesammelt. Millionen kleiner und grosser Abfallteile, von der Reuss aus dem ganzen Kanton zusammengetragen und im Naturschutz­gebiet an Land gespült, liegen noch entlang des Seeufers. Dort, wo die Kantons- und Gemeindearbeiter nicht fleissig alles zusammenräumen können, bleibt der Müll jahrzehntelang liegen, zersetzt sich in immer kleinere Teile und verschmutzt die Umwelt.

Alle Abfälle einzusammeln, ist eine Sisyphusarbeit, zumal man Naturschutzgebiete zum Wohl der Tiere und Pflanzen gar nicht betreten soll. Das Problem muss man an der Wurzel packen. Manch eine oder einer handelt wohl noch nach dem Spruch «aus den Augen, aus dem Sinn». Was aber weggespült wird, taucht irgendwo auch wieder auf und verschwindet nicht auf einfache und wundersame Weise.

Aktionen im Reussdelta werden fortgesetzt

Wer will, kann selbst eine solche Aufräumaktion ins Leben rufen. Möglich ist es auch, sich einem organisierten Anlass anschliessen. Diverse Interessengruppen führen diese regelmässig durch. Und natürlich wird es auch von Klimastreik Uri in Zukunft weitere Aktionen geben.