Urner Institut beleuchtet zum Jubiläum die Dufourkarte

Die bedeutendste Landkarte der Schweiz wird 175 Jahre alt. Statt eines geplanten Anlasses vom Institut «Kulturen der Alpen» und «Swisstopo» soll nun ein zweiteiliger Podcast dazu produziert werden.

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(RIN) Im Jahr 1809 begann die Armee, die Schweiz zu vermessen. Doch die Arbeiten dümpelten lange vor sich hin und nahmen erst richtig Fahrt auf, als sich 1832 der spätere General Guillaume-Henri Dufour der Sache annahm. Er zog zahlreiche Wissenschafter, Topografen sowie Kupferstecher bei und liess die erste «Topografische Karte der Schweiz» im Massstab 1:100'000 fertigen.

Die Dufourkarte wird 175 Jahre alt.

Die Dufourkarte wird 175 Jahre alt.

Bild: PD/ Swisstopo

Vor 175 Jahren erschienen die ersten beiden Kartenblätter der Dufourkarte. Die 1845 veröffentlichten Schwarz-Weiss-Landkarten bildeten die Berner und Unterwalliser Alpen sowie das Nordufer des Genfersees ab. Die übrigen Kartenblätter erschienen fortlaufend bis 1865. «Die Dufourkarte war das erste amtliche Kartenwerk des Landes und entwickelte sich bald zu einer unentbehrlichen Informationsquelle des jungen Bundesstaates. Die Karte war wegweisend», schreibt das Institut Kulturen der Alpen in ihrer Mitteilung.

Dem Weg des Alpkäses und dem Tourismus auf der Spur

Anlässlich des 175-Jahr-Jubiläums der Dufourkarte gibt das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo das Buch «Die Schweiz auf dem Messtisch. 175 Jahre Dufourkarte» heraus. Der Sammelband richtet sich an eine breite, interessierte Leserschaft und gliedert sich in sieben Artikel – davon drei in deutscher, drei in französischer und einer in italienischer Sprache. Unter anderem untersuchen die Autorinnen und Autoren anhand der Dufourkarte, wie sich Agrarlandschaften veränderten, auf welchen Wegen Güter über Alpenpässe gelangten und wo der Tourismus in der Schweiz Fuss fasste. Zudem zeigen sie auf, dass die Dufourkarte für die Schweiz von grosser politischer Bedeutung war. «Sie gilt als ein Schlüsseldokument des im Entstehen begriffenen Bundesstaates», so das Urner Institut.

Am Dienstag, 10. November, wäre der Sammelband in Altdorf öffentlich präsentiert worden. Das Bundesamt für Landestopografie Swisstopo und das Urner Institut «Kulturen der Alpen» an der Universität Luzern hätten dazu ein Podiumsgespräch mit Autoren des Buches geplant. Denn das Buch enthält auch Beiträge des renommierten Alpenforschers Jon Mathieu, dem designierten Präsidenten des wissenschaftlichen Beirates des Instituts «Kulturen der Alpen», sowie Romed Aschwanden, dem Geschäftsführer des Instituts.

Steile Berghänge auf der zweidimensionalen Karte leserlich darzustellen, stellte vor grosse Herausforderungen. Das Blatt XVII der Dufourkarte von 1845 zeigte die Gebirgswelten des Unterwallis.

Steile Berghänge auf der zweidimensionalen Karte leserlich darzustellen, stellte vor grosse Herausforderungen. Das Blatt XVII der Dufourkarte von 1845 zeigte die Gebirgswelten des Unterwallis.

Bild: PD/ Swisstopo

Gespräch im Internet verfolgen

Wegen der aktuellen Coronasituation kann die Abendveranstaltung vom 10. November nicht wie geplant durchgeführt werden. Stattdessen planen «Swisstopo» und das Institut «Kulturen der Alpen» nun einen mehrteiligen Podcast. Im ersten Teil spricht Daniel Speich Chassé, Mitglied der Institutsleitung, über die Vermessungsarbeiten und die Schwierigkeiten der Topografen, steile Berghänge auf der zweidimensionalen Karte leserlich darzustellen. In den folgenden Teilen des Podcasts diskutieren vier Autoren des Sammelbandes «Die Schweiz auf dem Messtisch. 175 Jahre Dufourkarte», worin die Bedeutung der Dufourkarte lag, wie sie die Vorstellung der Schweiz veränderte und was sich bei genauem Hinschauen auch heute noch aus historischen Karten herauslesen lässt. Am Podium nehmen teil: Andreas Schlatter, Philippe Frei und Felix Frey (alle drei von «Swisstopo») sowie Romed Aschwanden und Andreas Bäumler (Moderation) vom Urner Institut.

Karte symbolisierte eine nationale Einheit

Die Dufourkarte erfuhr bereits während der Zeit ihrer Entstehung neben Kritik auch viel Lob. Sie begründete den Weltruf der Schweizer Kartografie und wurde mit mehreren internationalen Auszeichnungen geehrt. In neuerer Zeit wurde von Historikern auch die politisch-kulturhistorische Dimension der Dufourkarte untersucht und dargestellt: «Das Kartenwerk stellt das erste geometrisch korrekte und ästhetisch schöne Bild des jungen Bundesstaates dar, ein Bild der nationalen Einheit, vor dem kantonale Unterschiede in den Hintergrund gerückt werden», schreibt das Urner Institut.

Das Buch kann in der Buchhandlung Bido in Altdorf gekauft werden. Mehr Informationen zum Institut gibt es online unter www.kulturen-der-alpen.ch. Dort kann auch der Podcast gehört werden.