Urner Jodler auf Netflix: Verlag hat Genehmigung erteilt

Der unverhoffte Auftritt des Jodlerklubs Bärgblüemli in einer weltweit beachteten Serie bringt zwar Ruhm – aber kaum das grosse Geld.

Lucien Rahm
Hören
Drucken
Teilen
Der Jodlerklub Bärgblüemli bei einem Auftritt in Schattdorf.

Der Jodlerklub Bärgblüemli bei einem Auftritt in Schattdorf.

Bild: PD (21. Oktober 2018)

Wer sich eine der neusten Folgen der amerikanischen Netflix-Serie «Better Call Saul» anschaut, kriegt Urner Jodel zu hören: Der «Jänzigrat-Jüz» des Schattdorfer Jodlerklubs Bärgblüemli hat darin einen über einminütigen Auftritt. Zunächst war jedoch unklar, ob die Fernsehproduzenten für die Verwendung der Aufnahme aus dem Jahr 1982 eine Bewilligung eingeholt hatten.

Mittlerweile hat sich gezeigt: Sie ist offenbar doch nicht ungefragt zum Einsatz gekommen, wie zunächst vermutet wurde. Der Musikverlag Annabella, der die Verlagsrechte an der Komposition hält, habe die Rechte zur Verwendung über eine Partnerfirma in den USA an die Fernsehmacher vergeben. Dies hat der Zürcher Verlag inzwischen beantwortet. «Es lief also alles korrekt», so der Verlag.

Produzenten fragen bei Verlagen nach passendem Stück

Neben einer Entschädigung, welche die Serienverantwortlichen dem Verlag für die Nutzung zahlen, erhält ein Verlag in der Regel auch eine Vergütung für die Verlagsrechte, die von der Urheberrechtsgesellschaft Suisa eingezogen werden. Die hierfür zuständige Gesellschaft in den USA zieht das Geld dann ein und gibt es ans Schweizer Pendant weiter, welche es dann an die hierzulande ansässigen Rechteinhaber weitergibt. «Das dauert rund ein Jahr», sagt Suisa-Sprecher Giorgio Tebaldi.

Den Weg in die Serie hat die Aufnahme des Schattdorfer Jodlerklubs womöglich gefunden, indem die Produzenten beim US-Partner des Zürcher Verlags nach einem passenden Musikstück gefragt haben. So vermutet es eine Person, die mit der Branche vertraut ist. Die Produzenten würden jeweils nach bestimmten Klängen eines Musikstücks fragen, um die entsprechenden Szenen musikalisch zu unterlegen. Werde man sich einig, würden Fernsehproduzenten und Musikverlag einen Lizenzvertrag abschliessen. Je nach Grösse der Fernseh- oder Filmproduktion könne eine solche Vereinbarung dem Verlag eine beachtliche Summe einbringen. Wie die Vereinbarung im vorliegenden Fall konkret ausgesehen haben mag, ist allerdings unklar.

Klubpräsident möchte sich bei Produzentin bedanken

Ob auch der Jodlerklub Bärgblüemli finanziell profitieren können wird, ist nach wie vor nicht ganz sicher. Zwar hat Klubpräsident Bruno Aschwanden noch etwas recherchiert und ist dabei auf den Namen der Produzentin gestossen. Wie er sie allerdings kontaktieren könnte, das habe er noch nicht herausfinden können. Gerne hätte er dieser ein E-Mail zukommen lassen. «Darin hätte ich mich bedankt und meine Freude ausgedrückt über die Verwendung», sagt Aschwanden. Auch hätte er fragen wollen, weshalb ihr Klub als Interpret vorgängig nicht für die Verwendung angefragt wurde.

Unklar ist allerdings auch, ob die Netflix-Produzentin dazu verpflichtet gewesen wäre, oder ob die Anfrage beim Verlag ausreichend war. Hierfür müsste man herausfinden, welche Abmachungen bei der Aufnahme der 40-Jahr-Jubiläumsplatte des Jodlerklubs im Jahr 1982 getroffen wurden. Denn auf dieser ist das Stück enthalten. Im Vertrag zwischen Klub und Verlag könne theoretisch stehen, «dass der Verlag das Recht für eine Fernseh- oder Filmverwendung weitergeben kann, ohne dass die Interpreten damit einverstanden sein müssen», sagt Bruno Marty, Geschäftsleiter der Schweizerischen Interpretengenossenschaft. Sollte dies nicht der Fall sein, wäre grundsätzlich denkbar, eine Entschädigung mittels Gerichtsklage zu erlangen. Aber:

«Für ein Verfahren in den USA müsste die gesamte Rechtekette der unterschiedlichen Verträge geprüft werden und das wäre sehr kostenintensiv.»

Freude über positive Rückmeldungen

Einen solchen Schritt möchte Jodlerklub-Präsident Aschwanden nach wie vor aber gar nicht gehen, zumal ihm Geld hierbei keine Rolle spiele. Was der Jodlerklub von 1982 genau mit der damaligen Plattenfirma abgemacht hat, konnte Aschwanden bisher nicht herausfinden.

Erreicht haben ihn indessen einige Glückwünsche zu ihrem Auftritt in der Netflix-Serie. «Eine Person aus Kanada mit Schweizer Wurzeln hat den ‹Jüz› gehört und sich bei uns gemeldet», sagt Aschwanden. Und auch aus der Schweiz habe es Rückmeldungen gegeben, es sei ein «wunderschöner Jüz».

Hinweis: Die Konzerte des Jodlerklubs Bärgblüemli vom 1. und 2. Mai sind wegen des Corona-Virus abgesagt. Am 30. Oktober singt der Klub stattdessen in der Pfarrkirche Schattdorf.

Mehr zum Thema