Urner Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Ob Energiepolitik oder EU: Die Urner Ständerats- und Nationalratskandidaten mussten Stellung beziehen. Pikant: Die Verkehrspolitik ist allen ein grosses Anliegen.

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Diese drei Politiker kandidieren für den Ständerat (von links): Isidor Baumann, Felix Muheim und Gusti Planzer. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Diese drei Politiker kandidieren für den Ständerat (von links): Isidor Baumann, Felix Muheim und Gusti Planzer. (Bild: Urs Hanhart/Neue UZ)

Die Meinungen waren mehrheitlich gemacht. Dennoch wohnten rund 150 Personen am Samstagabend dem öffentlichen Wahlpodium mit den sechs Urner National- und Ständeratskandidaten im «Schlüssel»-Saal in Altdorf bei. Bruno Arnold, Redaktionsleiter der «Neuen Urner Zeitung», und Markus Arnold, stellvertretender Chefredaktor des «Urner Wochenblatts», moderierten den Anlass der beiden Urner Zeitungen.

Bekanntlich tritt Hansheiri Inderkum (CVP) als Ständerat zurück. Der grünliberale Markus Stadler will seinen Sitz im «Stöckli» verteidigen, FDP-Fraktionschefin Gabi Huber jene im Nationalrat. Neu in den Ständerat wollen Isidor Baumann von der CVP, Felix Muheim von der SP und Gusti Planzer von der SVP. Und SP-Mann Toni Moser will in den Nationalrat.

«In Uri gute Arbeit finden»

Der Abend war in drei Themenblöcke aufgeteilt. Der erste Block befasste sich mit der Verkehrspolitik. «Alle Kandidaten sagen, dass ihnen der Verkehr ein grosses Anliegen ist», begründete Moderator Bruno Arnold den Themenschwerpunkt, bei dem er Gabi Huber, Toni Moser und Markus Stadler befragte. Bekanntlich war FDP-Nationalrätin Gabi Huber stets eine Befürworterin eines zweiten Gotthardstrassentunnels. Sie versprach am Podium aber, dass sie nach dem klaren Urner Nein zur zweiten Röhre im vergangenen Mai die Urner Volksmeinung im Bundeshaus vertreten werde. «Ich werde aber nicht aktiv gegen eine zweite Röhre weibeln», sagte sie. «Ich bin doch nicht schizophren.»

Für den grünliberalen Markus Stadler geht es jetzt darum, die Tunnelschliessung rund um die bevorstehende Röhrensanierung vorzubereiten. «Wir müssen die Hauptlast des Verkehrs auf die Schiene bringen», so der Bürgler. «Dafür wurde die Neat ja gebaut.»

Und für SP-Mann Toni Moser ist klar: «Wir dürfen keine neuen Strassen bauen. Neue Strassen führen nur zu mehr Verkehr.» Man solle mit diesem Geld besser den ÖV und den Langsamverkehr fördern. Damit würde man indirekt auch etwas für die Gesundheit tun.

In einem Punkt waren sich aber alle drei einig: Die heutige Pendler-Situation – in den Zentren arbeiten und in den umliegenden Regionen wohnen – führe zwangsläufig zu mehr Verkehr. «Wir müssen deshalb schauen, dass unsere Leute auch im Kanton Uri gute Arbeit finden», sagte Markus Stadler.

«Unfruchtbare Scheindiskussion»

Markus Arnold moderierte den zweiten Themenblock, der unter dem Titel «Schweiz und die Welt» stand. Dabei löcherte «Wochenblatt»-Redaktor Markus Arnold Gusti Planzer, Felix Muheim und Isidor Baumann mit Fragen. CVP-Regierungsrat Baumann sprach sich klar für den bilateralen Weg aus: «Wie würden wir denn leben ohne diese Verträge?», fragte der Wassner. «Die Aufgabe der Parlamentarier ist es, diese Verträge zu verbessern.»

Der Altdorfer SP-Mann Felix Muheim sagte: «Ich bin kein EU-Turbo.» Das Gebilde der EU sei ihm als Unternehmer schon immer ein bisschen suspekt vorgekommen. Der eingeschlagene Weg sei für die Schweiz nicht so schlecht.

Gusti Planzer, Präsident der SVP Uri, kam beim Thema EU richtig in Fahrt. Er glaubt, dass der EU-Beitritt für die anderen Parteien nach den Wahlen wieder ein Thema werde. «Momentan herrscht nur ein gewisser Burgfrieden.» Zudem fordert er, dass die Schweiz ihr EU-Beitrittsgesuch zurückziehe.

Planzers Voten lösten bei Gabi Huber Kopfschütteln aus. Sie kam in Rage. «Mit der Diskussion über den Rückzug des EU-Beitrittsgesuchs schürt die SVP nur unnötig Emotionen. Das ist eine unfruchtbare Scheindiskussion.» Denn der Adressat des Beitrittsgesuchs existiere nicht mehr. Demzufolge sei das Gesuch ungültig.

«Müll, den niemand will»

Im dritten und kürzesten Themenblock drehte sich alles um das Thema Energie. «Atomenergie kann man nicht privat versichern», sagte Markus Stadler. «Allein dieser Umstand sollte doch allen klarmachen, dass an dieser Energieform etwas nicht gut ist.» Gabi Huber erhofft sich, dass es trotz dem faktisch beschlossenen Atomausstieg kein Denkverbot gebe, und schon gar kein Technologieverbot. «Wir müssen weiterforschen.» Toni Moser wäre froh, es gäbe beim Atomausstieg keine Hintertür. «Atomkraftwerke produzieren nur Müll, denn niemand will.» Und Regierungsrat Isidor Baumann will beim Energiesparen ansetzen. «Die öffentliche Hand muss mit einem guten Beispiel vorangehen.»

Elias Bricker

Politiker nehmen auf dem «heissen Stuhl» Platz

Zwischen den verschiedenen Themenblöcken setzten die beiden Moderatoren Bruno Arnold und Markus Arnold die sechs Kandidaten auf den «heissen Stuhl». Sie mussten je fünf «giftige» Fragen beantworten. Hier eine kleine Auswahl:

Markus Stadler, Sie haben als Parteiloser kandidiert und traten dann den Grünliberalen bei. Haben Sie Ihre Wähler «versecklet»?

Stadler verneinte. Er sei damals vom Fraktionschef im Glauben gelassen worden, der CVP-Fraktion beitreten zu können. Doch die CVP liess ihn hängen. Damit er seine Ideen einbringen konnte, habe er einer Fraktion respektive einer Partei beitreten müssen. Er sei aber nach wie vor unabhängig.

Isidor Baumann, on dit que vous ne parlez pas très bien français. (Man sagt, Sie sprächen nicht sehr gut französisch.)

«Juste», antwortete der Regierungsrat. Doch es sei eine Anstandsregel, dass man mit den Leuten in ihrer Muttersprache spreche. Und da im «Schlüssel»-Saal die meisten Deutsch sprechen würden, bleibe er für heute dabei.

Gusti Planzer, ist es bei der SVP nicht so, dass die Parteileitung sagt, was Sie als Parteisoldat zu machen haben?

«Das ist ein Klischee», verteidigte sich Planzer. «Und wenn es so wäre, wären wir nicht die einzige Partei, bei der das so ist.»

Toni Moser, ist Ihre Nationalratswahl eine Alibiübung?

«Nein», sagte der Bürgler Arzt. Dafür sei der Aufwand zu gross. Und zudem habe der FC Basel am vergangenen Dienstag gegen Manchester United auch fast eine Sensation gelandet. «I bin jetzt dr FC Basel», sagte der Kandidat in seinem breitesten St. Galler Dialekt.

Felix Muheim, sind Sie nicht zu alt, um als Ständerat zu kandidieren?

«Solange ich mit dem Bike auf den Klausenpass fahren kann, fühle ich mich nicht alt», sagte der 63-jährige SP-Politiker. Zudem stelle sich Christoph Blocher mit seinen 71 Jahren auch wieder zur Wahl.

Gabi Huber, Sie haben in den vergangenen acht Jahren in Bern lediglich eine Motion und zwei Anfragen eingereicht. Vertreten Sie die Urner Anliegen in Bern überhaupt?

«Sehr wohl», sagte die Nationalrätin aus Altdorf. «Ich habe die Interessen der Urner verinnerlicht.» Dazu brauche es nicht nur immer Vorstösse. eb