Neuer Videoservice ersetzt den Schalter bei der Urner Kantonalbank

Am Hauptsitz der Urner Kantonalbank in Altdorf sowie in den Geschäftsstellen in Schattdorf, Erstfeld und Bürglen wird der Dienst nun schrittweise eingeführt. Damit spart die Bank auch Personalkosten.

Markus Zwyssig
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Projektleiter Urban Renggli (links) bespricht sich mit Kundenberater Armin Auf der Maur.

Projektleiter Urban Renggli (links) bespricht sich mit Kundenberater Armin Auf der Maur.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. Juni 2020)

Die Reaktionen auf die angekündigte Schliessung von Zweigstellen und den Umbau von Geschäftsstellen der Urner Kantonalbank (UKB) waren heftig. Die Bevölkerung protestierte. Darauf fanden intensive Gespräche mit dem Kanton und den Gemeinden statt. Das habe zu einer von allen Parteien getragenen Kompromisslösung geführt, sagt UKB-CEO Christoph Bugnon. So wird in Bürglen eine neue 24-Stunden-Zone für Ein- und Auszahlungen eingerichtet. In Erstfeld ist der Schalter der Bank weiterhin jeweils vormittags bedient. Göschenen erhält einen neuen Bankomaten. Nun kann man das neue Angebot des Videoservices 1: 1 erleben. In Altdorf ist die Dienstleistung – zusätzlich zu den Schaltern – seit gut einer Woche in Betrieb. In Schattdorf wird seit vergangenem Montag statt der Bedienung am Schalter ein Videoservice angeboten. Am Dienstag wurde die Neuerung öffentlich vorgestellt.

Für die Einführung des Videoservices der Bank braucht es aber wohl noch einiges an Überzeugungsarbeit. Die neue Dienstleistung wurde nämlich sogar zum Fasnachtssujet. «Es brauchte manchmal ein dickes Fell», so Christoph Bugnon. Er ist aber überzeugt, dass die Bank auf dem richtigen Weg ist. Die UKB hat ihr Videosystem bei einer deutschen Volks- und Raiffeisenbank eingekauft. «Dort ist es seit längerer Zeit bereits erfolgreich im Einsatz – und das ebenfalls in einem ländlichen Umfeld.»

Projektleiter Urban Renggli zeigt, wie man den neuen Videoservice der UKB nutzen kann.

Projektleiter Urban Renggli zeigt, wie man den neuen Videoservice der UKB nutzen kann.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. Juni 2020)

Und was erlebt ein Kunde, der den neuen Videoservice nutzen will? Sobald er den Raum betritt, wird automatisch eine Verbindung mit dem Berater der Bank hergestellt. Auf dem Bildschirm erscheint Armin Auf der Maur, adrett im dunkelblauem Jacket gekleidet. Er ist einer von sieben Beratern des Videoservices. Auf der Maur grüsst freundlich. Wenn er jemanden nicht kennt, verlangt er eine ID oder einen Pass. Fast alles, was die Kunden bisher am Schalter erledigt haben, kann man auch über den Videoservice mit Touchscreen machen. So kann dank der Möglichkeit zur digitalen Unterschrift beispielsweise ein Dauerauftrag für eine regelmässige Zahlung eingerichtet werden. Der Dienst steht von 8 Uhr bis 17.30 Uhr zur Verfügung. Um Bargeld abzuheben, muss man den Automaten benützen.

Nur noch 10 Prozent der Kunden nutzen den Schalter

Mit dem Videoservice reagiert die Bank auf geänderte Kundenbedürfnisse. Die Arbeit am Schalter hat in den vergangenen Jahren massiv abgenommen. «Nur noch 10 Prozent der Kunden nutzen in den Geschäftsstellen den Schalter», sagte UKB-CEO Christoph Bugnon am Dienstag an der Medieninformation. «Mit dem Videoservice sind wir für diese Kunden weiterhin vor Ort präsent.»

Der Videoservice ist ein weiterer Schritt hin zur Digitalisierung. «Wir wollen a jour bleiben auch für die nächsten 100 Jahre», sagt Bugnon. Daneben brauche es aber weiterhin auch den persönlichen Kontakt. «Wir wollen für beides gerüstet sein.» Der UKB-CEO verheimlicht nicht, dass der Videoservice auch aus wirtschaftlichen Gründen eingeführt wird. Dadurch werden bei der Bank Stellenprozente eingespart. Bisher war immer mindestens eine Person in den Geschäftsstellen vor Ort. Nun ist einzig in Erstfeld noch vormittags ein Bankangestellter anwesend.

Videoservice bei der UKB: Kundenberater Armin Auf der Maur an seinem Arbeitsplatz.

Videoservice bei der UKB: Kundenberater Armin Auf der Maur an seinem Arbeitsplatz.

Bild: Urs Hanhart (Altdorf, 9. Juni 2020)

Positive Reaktionen der Kunden überwiegen

«Die Reaktionen der Kunden sind in den ersten Tagen durchwegs positiv», sagt Projektleiter Urban Renggli. Das hätten Befragungen ergeben, die man mittels bereitgelegter Karten gemacht habe. Auch könne die Türe zum Videoraum geschlossen werden. Das ermögliche eine grössere Diskretion als bisher am Schalter. Die Bank wolle den Kunden allfällige Ängste nehmen. «In den kommenden drei Monaten werden wir vor Ort die Kunden bei der Benutzung der Dienstleistung begleiten.»

Bis 1. Juli wird der Videoservice auch in Bürglen und Erstfeld in Betrieb sein. Auf Voranmeldung sind weiterhin Gespräche mit einem Kundenberater vor Ort möglich.

Büroräume werden weitervermietet

Und was passiert mit den frei werdenden Räumen in den Geschäftsstellen? In Schattdorf sollen verschiedene Büroräume vermietet werden. In Bürglen ist die UKB nur eingemietet. Dort wird ein Nachmieter gesucht. «Diesbezüglich sind wir in Kontakt auch mit den Gemeinden», sagt Bugnon. «Wir pflegen einen intensiven Dialog.»

Die UKB ist die erste Bank im Kanton Uri, die mehrere Schalter durch Videoservice ersetzt. In der Innerschweiz gibt es aber andere Banken mit einem ähnlichen Angebot. So bietet beispielsweise die Raiffeisenbank Lungern einen Videoservice an.

Der Videoservice ist leicht zu nutzen. «Es ist einfacher als in der Stadt an einem Automaten ein Busticket zu lösen», sagt Bugnon mit einem Schmunzeln. Aber eines ist auch dem UKB-CEO klar: «Wer nicht mehr an den Schalter ging, der wird auch den Videoservice nicht brauchen.»

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