Urner Verkaufsläden schalten in den Krisenmodus

Die Pandemie verlangt den Detaillisten einiges ab. Der Altdorfer Gewerbecoach verlangt, dass die Politik noch weitere Schritte geht.

Christian Tschümperlin
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Einkaufscenter Urnertor. Die Kunden werden aufgefordert, ihre Hände zu desinfizieren

Einkaufscenter Urnertor. Die Kunden werden aufgefordert, ihre Hände zu desinfizieren

Bild: Urs Hanhart / Urner Zeitung

Seit Montagmitternacht haben schweizweit alle Läden geschlossen. Ausgenommen sind nur Gesundheitseinrichtungen und Lebensmittelverkäufer. Für die Altdorfer Geschäfte sind dies keine guten Nachrichten, wie Roman Schön, Altdorfer Gewerbecoach, sagt. Trotzdem steht er voll und ganz hinter dem verordneten Lockdown. «Ich habe viel Verständnis, die Gesundheit der Leute steht nun im Vordergrund.»

Momentan sind die Altdorfer Ladenbesitzer damit beschäftigt, ihre Existenz zu sichern. «Für sie stellt sich die Frage, wie sie den Schaden minimieren können», so Schön. Die Geschäfte organisieren ihre Mitarbeiter neu und erkundigen sich, ob sie Anspruch auf Kurzarbeitsentschädigung haben. Der Bund hat bis zu 8 von 10 Milliarden Nothilfe für die Kurzarbeitsentschädigung reserviert. Der Kanton Uri hat zusätzlich 1,1 Millionen aus dem kantonalen Wirtschaftsförderungsfonds gesprochen.

«Ich bin überzeugt, dass die Vollzugsstellen pragmatisch handeln werden», meint Schön. Denn: Vielen Geschäften läuft die Zeit davon. Es geht um wenige Tage. «Die Liquidität, also die Atmung des Unternehmens, kommt sehr schnell an den Anschlag.» Schön erinnert etwa an das Grounding der Swissair.

Staatliche Hilfe muss ausgedehnt werden

Selbst wenn die Altdorfer Geschäfte in die Gunst einer Kurzarbeitsentschädigung kommen, ist das Problem damit für sie laut Schön noch nicht gelöst. «Die Kurzarbeitsentschädigung reduziert zwar das Personalkostenproblem, doch was ist mit anderen Fixkosten wie Miete, Steuern, Sozialversicherungen und Ähnlichem?» Der Unternehmer ist daher überzeugt, dass die staatliche Hilfe über die reine Kurzarbeitsentschädigung hinaus gehen muss. Sein Vorschlag: «Take-away-Betriebe dürfen zum Beispiel im Gegensatz zu Restaurants nach wie vor Mahlzeiten abgeben. Was wäre davon zu halten, dass den Kunden der Altdorfer Geschäfte wenigstens ermöglicht wird, Waren abzuholen. Ohne Beratung und unter Einhaltung der Sicherheitsvorschriften.» Schön macht zudem darauf aufmerksam, dass viele der kleinen Altdorfer Geschäfte Einzelfirmen sind. «Geschäftsinhaber können derzeit für sich selber keine Kurzarbeitsentschädigung geltend machen. Hier gilt es, nachzubessern.» Der 46-Jährige gibt sich optimistisch: «Es sind Signale zu vernehmen, dass so etwas angedacht ist.»

Der Gewerbecoach nimmt positiv zur Kenntnis, dass die Politik über alle Parteien hinweg nun geschlossen und unbürokratisch handelt. «Es ist eine Einheit da, wie man sie nur selten spürt. Wir müssen nun alle ein Zeichen der Solidarität setzen. Sei es als Vermieter, Arbeitnehmer, Kunden oder Bürger. Denn letztlich geht es neben der Gesundheit auch um unsere Arbeitsplätze.»

Migros und Coop öffnen am Josefstag

In den Einkaufszentren Urnertor und Tellpark haben nur noch Geschäfte der Grundversorgung geöffnet, also beispielsweise Migros und Coop. Um keinen Versorgungsengpass zu schaffen, bleiben die Verkaufsstellen auch am Josefstag offen. Allerdings beschränkt sich das Sortiment auf lebensnotwendige Güter, die übrigen Regale bleiben abgesperrt. Damit kommen die Grossverteiler einer Anordnung des Bundes nach.

Beim Coop im Tellpark stellt man eine erhöhte Nachfrage fest, beispielsweise nach länger haltbaren Lebensmitteln, Handreinigungsmitteln und Toilettenpapier. «Es gibt jedoch keinen Grund für Hamsterkäufe. Coop kann die Grundversorgung sicherstellen», sagt Mediensprecherin Rebecca Veiga. Bei Coop geht man davon aus, dass die Nachfrage weiterhin hoch bleiben wird. Der Detailhändler hat deshalb Massnahmen getroffen und die Produktion bestimmter Artikel erhöht, etwa von Desinfektionsmitteln. «Generelle Engpässe sind bei Coop aktuell kein Thema.» Der Detailhändler befindet sich in engem Austausch mit den Behörden und betont, dass ein Pandemieplan bestehe. «Der Schutz der Mitarbeiter und Kunden hat für uns oberste Priorität. An allen Verkaufsstellen besteht ein Zugang zu Händedesinfektionsmitteln.» Die Mitarbeiter wurden bezüglich konsequenter Einhaltung der Hygienemassnahmen instruiert. Die tägliche Reinigung, beispielsweise von Einkaufswagen oder an Kassenterminals und Self-Checkout-Kassen wurde erhöht.

Sondereffort wird abverlangt

Auch bei der Migros im Urnertor hat man zur Eindämmung der Pandemie verschiedene Schutzmassnahmen ergriffen. «Stationen der Händedesinfektion sind aufgestellt, ebenso werden Türgriffe, Handläufer, Liftbedienungen, Einkaufswagen und weitere exponierte Stellen mehrmals täglich desinfiziert», sagt Mediensprecherin Rahel Kissel. Die Lage verlange von vielen Mitarbeitern einen Sondereffort. «Die Schweiz befindet sich zurzeit in einer Ausnahmesituation. In unseren Verteilzentren und im Transport werden die personellen Kapazitäten erhöht, um dem erhöhten Warenfluss Rechnung zu tragen.» Auch in dieser Ausnahmesituation sei es aber nicht notwendig, grosse Vorräte anzulegen, da die Migros laufend nachliefere und die Regale auffülle.