Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Hilfseinsatz in der Karibik: Urner lässt Haitianer staunen

Fabian Kieliger hilft beim Aufbau einer Bäckerei in Haiti. Und trifft dort als weisser Rollstuhlfahrer öffters auf ungläubige Blicke.
Carmen Epp
Fabian Kieliger beim Backen in der Wohnung seiner Freundin. (Bild: Manuela Jans-Koch, Oberkirch, 11. Oktober 2018)

Fabian Kieliger beim Backen in der Wohnung seiner Freundin. (Bild: Manuela Jans-Koch, Oberkirch, 11. Oktober 2018)

Fabian Kieliger ist seinem einem Velounfall vor dreieinhalb Jahren auf den Rollstuhl angewiesen. Mitte November ist der gelernte Bäcker aus Schattdorf nach Haiti gereist, um dort dem Hilfswerk HaitiRehab beim Aufbau einer Bäckerei zu helfen.

Obwohl Kieliger nach knapp fünf Wochen noch nicht mal die Hälfte seines Hilfseinsatzes im Norden des karibischen Inselstaats hinter sich hat, kann er bereits von berührenden, skurrilen, aber auch abenteuerlichen Erfahrungen berichten.

Wegen Demo sechs Tage im Hotel eingesperrt

Vier Tage nach seiner Ankunft musste der 30-Jährige seine Sachen schon wieder packen und den Einsatzort, das Village des Hilfswerks ausserhalb der Hafenstadt Cap-Haitiën, sofort verlassen. Der Grund: Einheimische kündigten eine Demonstration an gegen Regierungsmitglieder, die sich an einem Fonds bedient haben, der für die Bevölkerung gedacht gewesen wäre.

Kieliger wurde in ein Hotel gebracht, wo auch Personen der Schweizer Paraplegiker-Zentrum (SPZ) Nottwil einquartiert waren. «Als tags darauf die Demonstrationen begannen, hiess es, dass wir nicht in die Stadt dürfen», erzählt er. «Schlussendlich verbrachten wir sechs Tage nur im Hotel.» Das sei eine reine Vorsichtsmassnahme gewesen, um den Gewaltausschreitungen in der Stadt aus dem Weg zu gehen, sagt der Urner. Gefahr habe nie bestanden.

Nicht weniger speziell sind die Erfahrungen, die Kieliger macht, wenn er jeweils einmal pro Woche mit einem Einheimischen zum Markt in die Stadt fährt. «Als Weisser wird man hier schon komisch angeschaut», erzählt er. «Aber als Weisser im Rollstuhl wird man einfach nur noch angestarrt.» Dass Leute wegen Krankheit oder Unfall auf einen Rollstuhl angewiesen sind, sei in Haiti zwar nichts Unbekanntes. Ein Einheimischer erklärte Kieliger, dass man hier davon ausgehe, dieses Schicksal könne nur Schwarze ereilen, weil sie in Armut leben, nicht aber Weisse, die aus dem Wohlstand kommen.

Fabian Kieliger aus Schattdorf hilft in Haiti beim Aufbau einer Bäckerei. (Bild PD)Fabian Kieliger aus Schattdorf hilft in Haiti beim Aufbau einer Bäckerei. (Bild PD)
Karibische Sonnenuntergänge lässt sich Fabian Kieliger nicht entgehen. (Bild: PD)Karibische Sonnenuntergänge lässt sich Fabian Kieliger nicht entgehen. (Bild: PD)
Hier soll eine kleine Bäckerei entstehen. (Bild: PD)Hier soll eine kleine Bäckerei entstehen. (Bild: PD)
Dieses kleine Bijou will Fabian Kieliger aufbauen. (Bild: PD)Dieses kleine Bijou will Fabian Kieliger aufbauen. (Bild: PD)
Für Fabian Kieliger gibt es noch viel zu Entdecken. (Bild: PD)Für Fabian Kieliger gibt es noch viel zu Entdecken. (Bild: PD)
Die Armut ist auf der Insel allgegenwärtig... (Bild: PD)Die Armut ist auf der Insel allgegenwärtig... (Bild: PD)
....Ihre Schönheit jedoch auch. (Bild: PD)....Ihre Schönheit jedoch auch. (Bild: PD)
Fabian Kieliger bleibt noch bis Ende Februar 2019 in der Karibik. (Bild: PD)Fabian Kieliger bleibt noch bis Ende Februar 2019 in der Karibik. (Bild: PD)
8 Bilder

Urner im Einsatz auf Haiti

Die Armut sei allgegenwärtig, sagt Kieliger. In der Stadt leben Kinder auf der Strasse, Familien hausen in Wellblechkonstrukten. Ob ihm das nahegeht? Kieliger zögert. «Man kann nicht ständig über das Elend nachdenken hier, sonst geht man unter», sagt er. Stattdessen konzentriere er sich auf das, was er dort macht.

Kieliger hilft beim Aufbau der Bäckerei mit Café in der Nähe eines Spitals, in dem Menschen mit Querschnittlähmung rehabilitiert werden. Der Urner schult dort sechs Einheimische, davon drei mit Handicap. Am 6. Dezember wurde die Bäckerei auf den Namen «Mon Bijou» getauft und eröffnet. Am 26. Dezember werden Bäckerei und Café offiziell in Betrieb genommen.

Weihnachtsfeier mit der UN-Polizei

Kieliger ist zuversichtlich, dass der Betrieb nach seiner Abreise Ende Februar selbstständig funktioniert. Damit die Bäckerei das Spital, die freiwilligen Helfer und ein Kinderheim mit Brot und Backwaren beliefern kann, wirbt Kieliger um Unterstützung aus seiner Heimat. Mit einem sogenannten «Brot-Abo» können Brote für die Patienten der Rehabilitationsabteilung und des Kinderheims gespendet werden. «Das eignet sich übrigens auch als Weihnachtsgeschenk.»

Apropos Weihnachten: Da er zurzeit der einzige verbleibende Freiwillige im Village von HaitiRehab ist, feiert der Urner die Festtage eben mit seinen Nachbarn, der UN-Polizei.

Infos unter: www.haitirehab.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.