Urner Lehrpersonen können Dienstjahre weiterhin zusammenzählen

Wer als Lehrperson in Uri die Gemeinde wechselt, erhält trotzdem nach 20 Jahren ein Dienstaltersgeschenk. Der Landrat wertet dies als Zeichen der Wertschätzung.

Florian Arnold
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Urner Lehrer können auch in Zukunft Dienstjahre aus verschiedenen Gemeinden zusammenzählen, wenn es um das Dienstaltersgeschenk geht. Der Landrat hat mit 33 zu 26 Stimmen (2 Enthaltungen) die Motion von Claudia Gisler (CVP, Bürglen) nicht erheblich erklärt. Diese wollte die kantonale Regelung so anpassen, dass die Dienstjahre jeweils nur innerhalb der gleichen Gemeinde gegolten hätten. Schliesslich sind es die Gemeinden, welche die Lehrpersonen anstellen.

Langjährige Lehrpersonen können auch weiterhin die Gemeinde wechseln ohne Einfluss auf das Dienstaltersgeschenk.

Langjährige Lehrpersonen können auch weiterhin die Gemeinde wechseln ohne Einfluss auf das Dienstaltersgeschenk.

Symbolbild: Urs Hanhart

«Ein übertriebener Föderalismus»

Im Landrat herrschte in dieser Frage alles andere als Einigkeit. Besonders die CVP-Fraktion zeigte sich gespalten. Kurt Gisler (CVP, Altdorf) sagte: «Lehrer haben einen Sonderstatus – und das ist auch gut so.» Sie seien in wesentlichen Aspekten mehr Kantons- als Gemeindeangestellte. «Es wäre schlecht, wenn der Aktionsradius einer Lehrperson an der Gemeindegrenze aufhören würde.» Die Lehrpersonen würden als Urnerinnen und Urner handeln und fühlen. Was man hier heraufbeschwöre, sei ein übertriebener Föderalismus. «Unter dem Strich bleibt nur die Brüskierung einer ganzen Berufsgruppe.»

Dies sah Rafael Keusch (CVP, Altdorf) gleich. Er relativierte, dass gerade einmal 17,8 Prozent der betroffenen Lehrpersonen in anderen Gemeinden gearbeitet hätten. Der Vergleich mit der Privatwirtschaft hinke, weil es dort oft schon nach fünf Jahren ein Dienstaltersgeschenk gebe, bei den Lehrpersonen jedoch erst nach 20 Jahren. Hinzu kämen in der Privatwirtschaft Boni oder die Benutzung eines Firmenautos.

Besonders für Frauen ein Nachteil

«Immer wieder sprechen wir von Frauenförderung. Diese Regelung sorgt gerade bei den Frauen für eine Verschlechterung», so Keusch. Dies unterstrich auch Viktor Nager (SP, Schattdorf). Nach einer Babypause seien Lehrerinnen oft dazu gezwungen, die Gemeinde zu wechseln, weil in der ehemaligen keine Stelle mehr frei sei. Dies komme auch durch familiäre Veränderungen vor. «Soll man für die Flexibilität nun auch noch bestraft werden?», fragte Nager rhetorisch.

Motionärin Claudia Gisler sah dies freilich anders. Sie machte darauf aufmerksam, dass diese «Sonderklausel» auch ihre Schattenseite habe: Jemand, der kurz vor dem Dienstaltersgeschenk stehe, dürfte Schwierigkeiten haben, angestellt zu werden, da die neue Gemeinde mit Zusatzkosten rechnen müsse. Dies liess Ruedi Cathry nicht gelten. Solche unglücklichen Umstände könnten die Gemeinden untereinander lösen, mit einer einfachen Vereinbarung. Dazu sei keine Gesetzesänderung nötig. Georg Simmen appellierte daran, solche «Neid-Debatten» zu stoppen. Wie auch andere Parlamentarier sprach er sich aber dafür aus, das gesamte Reglement zu überdenken. Er sagte es so:

«Einem Lehrer zum Dienstjubiläum Ferien zu schenken, ist in etwa so, wie einem Alkoholiker Alkohol zu geben.»

Die SVP hingegen sprach sich für die Abschaffung aus. Es sei eine Tatsache, dass Lehrer bei den Gemeinden angestellt seien. Für attraktive Arbeitsbedingungen würden andere Dinge entscheidender sein. Die bestehende Regelung mache es für ältere Lehrpersonen schwierig, zu wechseln. Zudem bemängelte SVP-Landrat Christian Schuler (Erstfeld), dass die Regierung nicht bei den Gemeinden nachgefragt habe. «Die Argumente wurden zu einseitig gewichtet.»

«Mit anderen Dingen punkten»

Bildungsdirektor Beat Jörg stellte klar, dass die Gemeinden bei den Anstellungsverhältnissen der Lehrpersonen nicht frei seien, sondern nach kantonalen Richtlinien handeln müssten. Durch die Motion mache man deutlich, dass dem Kanton die Treue der Lehrpersonen gar nicht so viel wert sei. Wegen des Lehrermangels hätten andere Kantone ihre Bedingungen angepasst.

«Wir können unser Lohnniveau nicht auf das von Zug anheben, wir müssen mit anderen Dingen punkten wie einem intakten Umfeld, kleineren Klassen und einer hohen Wertschätzung.» Für Beat Jörg ist klar: «Die Motion würde nicht nur den Lehrermangel anheizen, sondern auch einen Graben zwischen kleinen und grossen Gemeinden aufreissen.» Corona habe es gezeigt: «Schule ohne Schulhaus ist möglich, aber nicht ohne gute Lehrpersonen.»

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