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Urner Musikschule spielte Pionierrolle

Kurt Baumann war von 1982 bis 1991 Leiter der Musikschule Uri. Er erzählt von jährlich steigenden Schülerzahlen, ständiger Lehrpersonensuche und Leistung.
Kurt Baumann blickt auf seine Zeit als Leiter der Musikschule Uri zurück. (Bild: PD)

Kurt Baumann blickt auf seine Zeit als Leiter der Musikschule Uri zurück. (Bild: PD)

(pd/ml) Kurt Baumanns persönliches Highlight: die Radioaufnahme vom 3. Juli 1989. Schüler der Musikschule Uri gestalteten eine Stunde auf SRF 1. «Das war eine Qualität!» Kurt Baumann, der von 1982 bis 1991 Leiter der Musikschule Uri war, lächelt. Es waren Schüler, die heute Profis, Musiklehrpersonen sind, zum Beispiel Simone Zgraggen, Christian Zgraggen oder Erna Baumann.

Die Sendung wurde schweizweit ausgestrahlt. Und Kurt Baumann erhielt als Leiter der Musikschule Uri mehrere Rückmeldungen. «Einige riefen an, auch von ausserhalb, dass das ‹grad ä chli äs Niveau› gewesen sei», erzählt er. «Das war für uns natürlich eine sehr gute Reklame.»

Schülerzahlen stiegen jährlich

Reklame brauchte es auch, denn damals stiegen die Schülerzahlen jährlich um 70 bis 90 Personen: Rund 300 waren es, als Kurt Baumann als Leiter begann, über 900, als er aufhörte. «Doch gleichzeitig kamen nicht genug Lehrpersonen vom Konservatorium», sagt er. Für die Musikschule Uri bedeutete das eine ständige Lehrpersonensuche. Kam dazu, dass viele Lehrer nicht «in den hinterwäldlerischen Kanton» wollten, wo es «wahrscheinlich noch nicht einmal ein Klavier gab». Da kam die Radioaufnahme gerade richtig.

Apropos Qualität: Das war etwas, worauf Kurt Baumann achtete. «Der Jöö-Effekt hat mich nicht interessiert», sagt er. Sprich, er wollte Qualität auf der Bühne. Traten Musikschüler nur vor den Eltern auf, durften alle spielen. War das Publikum aber ein öffentliches, so durfte nur spielen, wer seine Stücke zumindest im Unterricht konnte. «Das hat mir immer wieder Kritik eingebracht», gesteht er. Doch, meint er, seien die Schüler die gleichen geblieben: «Es gab und gibt immer welche, die gerne üben, und solche, die das nicht gerne tun.»

Er wünscht sich Schüler, die weiter musizieren

Gerade 28 war Kurt Baumann, als er die Leitung der ebenfalls noch jungen Musikschule Uri übernahm. «Im Nachhinein würde ich nicht mehr alles gleich machen», sagt er und lacht. Aber einfach sei es nicht immer gewesen als Musikschule. Vor der Gründung der Schule hatten häufig die Blasmusikvereine die Ausbildung des Nachwuchses übernommen. Nicht immer wollten sie diese aus der Hand geben, Skepsis gegenüber der neuen Musikschule bestand. Räumlichkeiten in den Gemeinden mussten gesucht werden, einen einheitlichen Ansprechpartner wie heute einen Schulleiter gab es nicht. Kurt Baumann telefonierte und fuhr durch den Kanton. «Wir waren manchmal wie ein Fremdkörper in den bestehenden Strukturen.»

Im Büro halfen zwei Freiwillige. Die Lehrer wurden nur nach Unterrichtsstunden bezahlt. In den Sommerferien hatten sie kein Einkommen. «Sozialleistungen, 13. Monatslohn und so weiter, das kam alles erst viel später», sagt Baumann. «Musiklehrer war ein brutaler Job.» Obwohl er den Job als Musikschulleiter sehr gern mochte – der ständige Druck war es schliesslich, der Kurt Baumann einen anderen Job suchen liess. «Da hat auch die Motivation gelitten», sagt er. Der Seelisberger, sowieso schon oft im Kanton Nidwalden, war danach Musiklehrer an diversen Musikschulen, darunter Stans, Buochs und Beckenried mit den angeschlossenen Gemeinden Seelisberg und Emmetten. Von letzterer war er später neun Jahre, bis zur Pension im vergangenen Jahr, Musikschulleiter. «Da musste ich nur noch ein Rundmail schicken, wenn ich nach Lehrpersonen suchte.»

Von Nidwalden kennt Kurt Baumann auch ein anderes Musikschulsystem. Fast jede Gemeinde hat dort eine eigene Musikschule. «Man schaute manchmal nach Uri und sagte, die machen das gut», erzählt er. Die Musikschule Uri, meint er, habe damals als kantonale Musikschule eine Art Pionierrolle eingenommen. Nur Glarus hatte damals schon ein solches System. Und das Modell, könnte er sich vorstellen, mache in Zukunft Schule. Der Musikschule wünscht er in der Zukunft Nachhaltigkeit. Das heisst: Schüler, die weiter musizieren, auch wenn sie die Musikschule Uri verlassen. «Das ist nämlich so schade, wenn sie einige Jahre ein Instrument gelernt haben und dann einfach aufhören.»

Dieses Porträt erscheint anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums der Musikschule Uri. In der Reihe an Jubiläumsveranstaltungen folgt als Nächstes das Finale: der Jubiläumstag am 25. Mai. Dabei gibt es nicht nur ein Musical, sondern auch ein Musiktheater. Weitere Infos: www.musikschule-uri.ch.

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