Urner Polizeistatistik: Mehr Notrufe – aber weniger Delikte

Mit 911 Delikten im Jahr 2019 ist die Kriminalitätsrate im Kanton Uri weiter sinkend.

Marielle Heeb
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Die Urner Kantonspolizei im Einsatz - hier bei der Kontrolle des Osterverkehrs am Gotthard.

Die Urner Kantonspolizei im Einsatz - hier bei der Kontrolle des Osterverkehrs am Gotthard.

Bild: Urs Hanhart (9. April 2020)

Der Jahresbericht der Kantonspolizei Uri zeigt: Die Kriminalität hat erneut abgenommen. 2019 wurden 911 Delikte begangen – das sind vier Prozent weniger als im Vorjahr. Auch im Bereich der Einbruchdiebstähle verzeichnet die Kantonspolizei einen Rückgang. Dies sei unter anderem auf die Kampagne «Bei Verdacht Tel. 117» zurückzuführen, mit welcher die Bevölkerung darauf sensibilisiert wurde, im Verdachtsfall die Polizei zu alarmieren, heisst es im Bericht. Die Zahl der Notrufe stieg: Mit 7162 in der Alarmzentrale eingegangenen Anrufen liegt der Wert um mehr als 100 höher als noch im Jahr zuvor.

Laut dem Jahresbericht nahmen auch die Betrugsfälle im Kanton Uri ab. Diese würden sich laut der Kantonspolizei aber vermehrt auf den Bereich der Cyberkriminalität verlagern. «Es ist immer wieder überraschend, wie viele Personen sich im Internet oder aufgrund von E-Mails zu Aktionen hinreissen lassen, welche sie im wahren Leben wohl so nicht gemacht hätten», heisst es dazu im Bericht. Weiter spricht die Polizei von einer markanten Zunahme an Erpresser-Mails. Darin würden die Empfänger aufgefordert, Geld an eine bestimmte Person zu überweisen.

2019 gab es im Kanton Uri ausserdem neun Fälle von «Sextortion»: Dabei werde damit gedroht, sexuelle Leistungen oder Nacktfotos einer Person zu veröffentlichen, sollte diese nicht eine bestimmte Summe zahlen.

Über 35000 Temposünder und acht Kilo Drogen

Im Strassenverkehr verzeichnete die Urner Polizei 275 Unfälle, von denen zwei tödlich endeten. Trotzdem ereigneten sich im Vergleich zum Vorjahr 116 Unfälle weniger auf den Urner Strassen. «Wir erzielten sehr erfreuliche Ergebnisse bei der Verkehrsunfallstatistik, der Schwerverkehrskontrollstatistik und der Kriminalstatistik», so Polizeikommandant Reto Pfister auf Anfrage. Mit der Erneuerung des Velofahrertests für Primarschüler soll die Prävention weiter verbessert werden. 2019 sei die schweizweit einheitliche Prüfung durch eine Online-Lernplattform ergänzt worden. So sollen die Schüler frühzeitig für Gefahren und Regeln im Strassenverkehr sensibilisiert werden.

Die Kantonspolizei Uri plant zudem eine Kampagne auf Passstrassen, welche an Motorradfahrer appelliere, die Geschwindigkeit anzupassen. Bei der Kontrolle von 2,3 Millionen Fahrzeugen wurden im vergangenen Jahr 35477 Geschwindigkeitsüberschreitungen gemessen. Im Jahresbericht erinnert die Kantonspolizei Uri an die Geschwindigkeitskontrolle vom 2. Mai in Seedorf: Von 78 kontrollierten Fahrzeugen passierten 35 Lenker die Messstelle zu schnell, eine Übertretungsquote von knapp 45 Prozent!

Eine umfangreiche Ermittlung stellte 2019 die Aktion gegen Drogenhandel dar: Über mehrere Monate hinweg ermittelte die Urner Kantonspolizei gegen einen 41-Jährigen. Dieser wurde verdächtigt, mit Betäubungsmitteln zu handeln. Nach zehn Hausdurchsuchungen in mehreren Kantonen konnten insgesamt acht Kilogramm Betäubungsmittel sichergestellt werden. Sieben Personen wurden inhaftiert.

Weg von Bleistift und Notizblock

Um auch in Zukunft Sicherheit und Professionalität gewährleisten zu können, seien seit vergangenem Jahr alle Frontmitarbeiter mit einem mobilen Endgerät ausgestattet. Dieses ersetze den Desktop am Arbeitsplatz und könne ortsunabhängig genutzt werden – auch direkt am Einsatzort. Ausserdem habe die Kantonspolizei Uri im August 2019 das Einsatzleitsystem «Avanti» in Betrieb genommen. So will sie Papierprozesse vermeiden und sich dem komplexer werdenden Systemumfeld anpassen. «Es ist ein Wechsel weg vom Bleistift und Notizblock, hin zu digitalen Geräten», so der Medienverantwortliche Gusti Planzer. Andere Zentralschweizer Kantone seien bereits in den vergangenen Jahren auf dieses System umgestiegen. Die Urner Lösung basiere auf einer umfassenden Datenbank, welche Prozesse und Checklisten für die verschiedensten Ereignisse sowie Kontaktdaten aller involvierten Stellen – von den Feuerwehren bis zu den Gemeindevertretern und Pannendiensten – erfasse.