Porträt

Urner Profis messen sich an den Berufsmeisterschaften mit den Besten ihres Fachs

In diesen Wochen messen sich Jungtalente aus 60 Berufen an den Schweizer Berufsmeisterschaften. Mit von der Partie sind drei Urner. Der Landschaftsgärtner Roman Herger hat bereits eine Silbermedaille eingeheimst.

Christian Tschümperlin
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Ein chinesischer Tempel in einer Seedorfer Metallbauer Firma ist etwas Ungewohntes. In der Halle von Metall-Total GmbH stellt der Metallbauer Tobias Zgraggen aber einen solchen vor. Die einzelnen Elemente sind korrekt zusammengebaut, die Scharniere und der Rahmen sind nach Plan verschweisst. Der silberne Kasten, der eine Grundfläche von 500 Millimeter auf 730 Millimeter und eine Höhe von 730 Millimeter erreicht, hat Tobias in nur 16 Stunden an den diesjährigen Schweizermeisterschaften im Metallbau konstruiert. Dies als Einstimmung auf die Berufsweltmeisterschaften World Skills 2021 in Schanghai.

Tobias Zgraggen an den Swiss-Skills-Championships.

Tobias Zgraggen an den Swiss-Skills-Championships.

Bild: PD/Jan Hellman

An den Swiss-Skills-Meisterschaften messen sich 700 junge Talente aus 60 Berufen. Was normalerweise als grosses Spektakel auf dem Areal der Bernexpo über die Bühne geht, verteilt sich dieses Jahr aufgrund der besonderen Umstände auf Standorte über die ganze Schweiz. Tobias Zgraggen ist einer von drei Urnern, die es dieses Jahr an die Swiss-Skills geschafft haben. Diese finden zwischen September und November statt.

Der Attinghauser stellte bereits Anfang September im Bildungszentrum Aarberg (Bern) sein Können unter Beweis. «Die Halle war etwas kleiner als unsere Werkstatt in Seedorf», sagt er. Und doch hatten darin 15 Berufskollegen Platz, die einen Sieg zumindest ins Auge gefasst hatten.

Auf und Ab der Motivation

Auf die Meisterschaft hatte sich Zgraggen nicht «explizit» vorbereitet. «Das Schweissen kann man üben, aber den Bauplan erhält man erst vor Ort.» Nervös sei er dennoch nicht gewesen. «Ich habe mir keinen Druck gemacht.» Die Wettkampfhalle wurde dreigeteilt mit den üblichen Maschinen für einen Metallbauer in der Mitte: Bohrmaschinen, Sagen und Biegemaschine. «Die Schweissanlagen hatte jeder an seinem Platz.» Während des Wettkampfes erlebte Zgraggen ein Auf und Ab mit der Motivation. «Zusammen mit dem Zeitdruck gab es Momente, in denen ich dachte, das wird nichts mehr.» Denn eigentlich gefallen ihm an seinem Beruf die Montagen. «Die Produktion in der Bude war aber das, was abgefragt wurde.» Letztlich reichte es aber doch noch auf den neunten von sechzehn Plätzen. Zgraggen sagt: «Ich bin absolut zufrieden mit meiner Leistung.» Und sein Lehrmeister Roland Zurfluh fügt an: «In der Schule war er top, doch die Swiss-Skills haben nochmals ein ganz anderes Level.»

Tobias Zgraggen baute diesen chinesischen Tempel an den Swiss-Skills der Metallbauer.

Tobias Zgraggen baute diesen chinesischen Tempel an den Swiss-Skills der Metallbauer.

Bild: Christian Tschümperlin

Und was geschieht nun mit dem chinesischen Tempel? «Die Zukunft des Tempels kenne ich noch nicht. Aber wenn ich mal Zeit und Lust habe, mache ich ihn parat, vielleicht mit ein paar Farbtupfern.»

Nicht einmal ein ganzer Punkt fehlte zum Sieg

Einen grossen Sieg konnte der Seedorfer Landschaftsgärtner Roman Herger verbuchen. Er nimmt die Medaille des zweiten Platzes aus Oeschberg BE mit nach Hause. «Es war eine Ehre, an den Swiss-Skills antreten zu können und ein lehrreiches Erlebnis», sagt er.

Roman Herger an den Swiss-Skills in Oeschberg.

Roman Herger an den Swiss-Skills in Oeschberg.

Bild: PD/Stefan Wermuth

Der Tag an der Berufsmeisterschaft hatte für ihn später als im Berufsleben begonnen, nämlich um 8 statt um 6.30 Uhr. «Ich habe jedenfalls in der Nacht vor dem Wettkampf gut geschlafen», sagt er. Er trat an im Zweierteam mit dem Luzerner Tobias Aecherli, den er bereits von den Trainings bei Jardin Suisse Zentralschweiz kannte. «Die Zusammenarbeit hat sehr gut geklappt, wir kamen gut miteinander zurecht», sagt Herger. Zum Sieg fehlten gerade mal 0,97 Punkte. Da die Zentralschweizer gemäss Auskunft der Swiss-Skills-Veranstalter in den letzten Jahren aber oft vorne mit dabei waren, vermögen sie den Rückstand zu verkraften. «Die Berner wollten unbedingt auch mal gewinnen und haben viel trainiert», sagt Herger mit einem Augenzwinkern.

Teich musste ohne Fische auskommen

Die Landschaftsgärtner hatten vier Tage lang ein volles Programm. Nachdem am Mittwoch die Informationen verteilt und die Werkzeuge parat gemacht worden waren, ging es am Donnerstag los. Die insgesamt elf Teams bauten zuallererst eine vier Meter lange Natursteinmauer in Sitzbankhöhe und kümmerten sich dann um eine Bepflanzung mit Gräsern. Am Freitag wurden Platten verlegt, ein Holzrost und ein rundes Stahlbecken gebaut, das mit Pflastersteinen ausgeschmückt wurde, wie man es sonst in einer Altstadt sehen kann. Zum Schluss durfte auch der Teich nicht fehlen, der aber ohne Fische auskommen musste. «Letztlich hatten wir einen schönen Garten zusammen», so Herger.

Zu einer guten Vorbereitungen gehören laut Roman Herger vor allem drei Dinge: Ehrgeiz, Interesse und ein guter Wille. Auf die Frage, was er denn seinen Kindern eines Tages von dem Wettkampf erzählen würde, sagt er: «Dass es von anderen Leuten wertgeschätzt wird, wenn man gute Arbeit macht.» Der bald 20-Jährige ist seit einem Jahr ausgelehrt und kann weiterhin für seinen bisherigen Arbeitgeber Hess Galabau in Seedorf tätig sein.

Präzision ist sein Handwerk

Der Polymechaniker Simon Vogel hat seinen Auftritt an den Swiss-Skills noch vor sich. Lange muss er nicht mehr warten: Ab der kommenden Woche wird er sich mit den sieben Jahrgangsbesten seines Faches messen.

Am Montagmorgen fertigt der 18-Jährige in der Schattdorfer Dätwyler-Niederlassung ein metallisches Drehteil für das Werk in Indien. Dabei handelt es sich um eine Form für die Produktion von Gummikomponenten, die weltweit in Spritzen zum Einsatz kommen.

Der Polymechnaiker Simon Vogel bereitet sich im Schattdorfer Werk der Dätwyler AG auf die Teilnahme bei den Swiss-Skills vor.

Der Polymechnaiker Simon Vogel bereitet sich im Schattdorfer Werk der Dätwyler AG auf die Teilnahme bei den Swiss-Skills vor.

Bild: Christian Tschümperlin

Die Formenfertigung in Schattdorf wurde 2013 zum globalen Kompetenzzentrum ausgebaut. Gefragt ist höchste Präzision, es geht um Hundertstelmillimeter, damit die Qualität der Endprodukte den hohen Anforderungen entspricht. Obwohl Vogel sich Präzisionsarbeit also gewohnt ist, sagt der Bürgler: «Dass ich bei den Vorausscheidungen auf dem dritten Rang landete und an die Swiss-Skills darf, hat mich positiv überrascht.»

Simon Vogel nimmt eine Justierung an der computergesteuerten Drehmaschine vor. «An die Swiss-Skills kann ich diese Maschine leider nicht mitnehmen.» Deshalb hat er an einem viertägigen Kurs eine Schnellbleiche für dasjenige Modell erhalten, mit welchem er an der Meisterschaft hantieren muss. «Die Unterschiede in der Handhabung sind in etwa vergleichbar mit denjenigen zwischen den Betriebssystemen Mac und Windows.»

Kopf- statt Handarbeit

Obwohl die Berufsbezeichnung des Polymechanikers suggeriert, dass da viel mit den Händen gearbeitet wird, ist dies längst nicht mehr der Fall, wie sich bei einem Rundgang durch die Formenbau-Abteilung zeigt. Am Boden liegen keine Späne, die Arbeitskleider und Hände der Mitarbeiter sind sauber wie diejenigen von Büroangestellten. «Bei uns machen nicht die Polymechaniker Überstunden sondern die Maschinen», sagt Teamleiter und Ausbildner Daniel Baumann lächelnd.

Simon Vogel fräst nicht, er zeichnet und rechnet, programmiert und justiert Maschinen. «An meinem Beruf fasziniert mich, wie abwechslungsreich er ist und es ist schön, am Ende des Tages zu sehen, was man geleistet hat.» Zudem sei die Polymechanikerlehre eine gute Grundausbildung fürs weitere Leben, die einem viele Türen öffne. Daniel Baumann sagt aber auch: «Die Anforderungen in diesem Beruf sind gestiegen.» Um den Berufsnachwuchs zu fördern, bietet Dätwyler im Kanton Uri insgesamt 32 Polymechaniker-Lehrstellen an.

Diese Woche wird Vogel während zwei Tagen für die Swiss-Skills trainieren können, an den anderen Tagen wird er in der Firma gebraucht. «Die zwei Tage müssen genügen», sagt er. Dass er sich überhaupt für eine Teilnahme an den Swiss-Skills entschieden hat, begründet er folgendermassen: «Mir geht es darum, mich zu messen und meine Grenzen kennenzulernen – zu sehen, wo ich stehe.» Eine solche Gelegenheit kommt schliesslich nicht oft im Leben.

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