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URNER REGIERUNG: Dimitri Moretti: «Ins kalte Wasser geworfen»

Mit seinem Departement musste er sich erst anfreunden. Nun fühlt sich Dimitri Moretti wohl als neuer Sicherheitsdirektor – trotz herausfordernder Dossiers.
Daniel Regli
Seit 100 Tagen im Amt: der Urner Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti an seinem Arbeitsplatz. Im Hintergrund der Uristier von einer SBB-Lok. (Bild Daniel Regli)

Seit 100 Tagen im Amt: der Urner Sicherheitsdirektor Dimitri Moretti an seinem Arbeitsplatz. Im Hintergrund der Uristier von einer SBB-Lok. (Bild Daniel Regli)

Daniel Regli

Massive Eisenketten umrahmen das Gebäude, davor stehen zwei Kanonen. Die Fassade mit den schwarz-gelben Fensterläden wirkt militärisch und historisch zugleich. Im Zeughaus beim Lehnplatz in Altdorf hat der neue Urner Sicherheitsdirektor, Dimitri Moretti, sein Büro. Hundert Tage ist er nun im Amt. Genug Zeit also, um sein Büro einzurichten und Bilder aufzuhängen. Diese stammen aus dem Fundus des Kantons. Daraus wählte der SP-Regierungsrat ein paar Kunstwerke, darunter ein grosses Bild des Urner Künstlers Thomi Dittli. «Es zeigt den Stammtisch im ‹Ochsen›», erklärt Moretti. Ihm gefällt die Stimmung, die das Bild ausstrahlt: «Menschen sitzen am Tisch, es wird gejasst und diskutiert, man trifft sich.» Etwas, das auch Moretti gerne macht. Und künftig? Findet der neu gewählte Urner Regierungsrat noch Zeit für den Stammtisch? Moretti lacht: «Während des Wahlkampfs war ich oft dort. Wie viel Zeit mir jetzt für den Stammtisch bleibt, wird sich zeigen.»

Dimitri Moretti, wie haben Sie den Start in Ihr neues Amt erlebt?

Dimitri Moretti: Der 1. Juni war ein sensationeller Tag. Meine erste Amtshandlung führte mich an die Eröffnungsfeier für den neuen Gotthard-Basistunnel. Es war ein sanfter Einstieg mit vielen interessanten Kontaktmöglichkeiten. Danach wurde ich ins kalte Wasser geworfen: Vor den Sommerferien mussten viele Geschäfte abgeschlossen werden. Dies bedingte viel Vorbereitung und Dossierstudium. Es war herausfordernd und streng – wie in jedem neuen Job. Während der ruhigeren Sommerwochen konnte ich dann aber mein Büro einrichten und mich organisieren.

Und, gefällt Ihnen die Regierungsarbeit?

Moretti: Ich habe die Kandidatur bisher noch nie bereut. Es ist ein toller Job, der mir enorm gut gefällt. Zudem habe ich sehr gute Leute in meiner Direktion. Das durfte ich bereits während meiner Amtseinführung erfahren.

Ihnen gefällt es, obwohl Ihr erstes Amtsgeschäft ziemlich delikat war: der Entscheid für den ersten Abschuss eines Wolfs in Uri seit 163 Jahren.

Moretti: Ich bin pragmatisch an das Geschäft herangegangen: Ich habe mich intensiv mit Fachleuten unterhalten und mich mit unterschiedlichen Meinungen auseinandergesetzt. Beim Wolf gibt es viele Vorgaben vom Bund. Und daran habe ich mich schliesslich orientiert. Ich habe den Wolf verteidigt, solange er das vorgegebene Schadenmass nicht überschritten hatte, und habe ihn zum Abschuss freigegeben, als die Zahl gerissener Schafe darüber hinausging.

Wurden Sie wegen dieses Entscheids angefeindet?

Moretti: Anfeindungen im Sinne des Wortes gab es nur wenige. Aber Reaktionen hat es sehr wohl gegeben. Sowohl positive als auch negative.

Mit der Sicherheitsdirektion haben Sie nicht Ihr Wunsch-Departement erhalten, oder?

Moretti: Stimmt, ich hätte mich in der Finanzdirektion gesehen. Als Landrat war ich in der Finanzkommission und kenne darum die Dossiers. Nun bin ich aber Sicherheitsdirektor geworden und damit sehr zufrieden. Ich freue mich auf die kommenden vier Jahre.

Sie sind von Beruf Lehrer. Nun haben Sie die Polizei unter sich. Wie stark können Sie bei dieser Truppe den Lehrer markieren?

Moretti: Ich versuche nicht, den Lehrer zu spielen. Als Regierungsrat erfülle ich meine Arbeit auf einer anderen Ebene: Ich bin Chef einer Direktion und will mit meinen Leuten konstruktiv zusammenarbeiten. Übrigens habe ich als Lehrer auch nicht den Lehrer markiert, sondern war in erster Linie der Chef meiner Klasse und habe für diese Verantwortung getragen.

Von Ihrem Vorgänger haben Sie ein paar schwierige Dossiers übernommen: Die Urner Polizei wurde beim Gerichtsverfahren gegen Ignaz Walker kritisiert. Polizist X., ein Kadermann, machte Schlagzeilen, weil er beim Abrechnen seiner Arbeitszeit gemogelt hat. Und der abgetretene Polizeikommandant schaffte es mit seinem grossen Überzeitsaldo in die Zeitung. War das für Sie schwere Kost?

Moretti: Weder zum ersten noch zum zweiten Fall hatte ich bisher irgendwelche Entscheide zu treffen. Diese Fälle werden mich wohl erst erreichen, wenn es gilt, sie aufzuarbeiten. Zum ehemaligen Polizeikommandanten kann ich Folgendes ausführen: Es stimmt, dass in 22 Jahren Überstunden geleistet worden sind. Die aufgelaufene Überzeit entstand jedoch nach altem Personalrecht, also vor 2001. Da ein erheblicher Teil auf Grossprojekte zurückzuführen ist, war der Regierungsrat bereit, einen tiefen Prozentsatz der Überzeit zu vergüten. Seit 2001 wird mit vielen Mitarbeitern eine Jahresarbeitszeit vereinbart. So auch mit dem Polizeikommandanten.

Nochmals kurz zurück zu Ihrer Wahl in den Regierungsrat. Sie mussten in den zweiten Wahlgang. War das eine heftige Zitterpartie für Sie?

Moretti: Als ich von der Partei angefragt wurde für eine Kandidatur, bin ich davon ausgegangen, dass der SP ein Sitz in der Urner Regierung zusteht. Und plötzlich wurden SP-Kandidaten in anderen Zentralschweizer Kantonen nicht mehr in die Regierung gewählt. Von da an rechnete ich eigentlich mit einem zweiten Wahlgang. Ein weiteres Mal gezittert habe ich, als die vorgedruckten Stimmzettel für den zweiten Wahlgang mit den Namen von Urs Janett und Petra Simmen im Briefkasten lagen. Dennoch habe ich die Freude am Wahlkampf nie verloren. Ich wusste, ich bin kein Alibi-Kandidat.

Nun sind Sie der einzige SP-Regierungsrat in der Zentralschweiz. Ist das für Sie besonders?

Moretti: Zumindest wurde ich sehr viel darauf angesprochen. Es gab aber auch amüsante Erlebnisse: Im Juni nahm ich an der Zentralschweizer Regierungskonferenz teil. Dort wurde ich unverhofft von einer Regierungsrätin gefragt, ob sie mir beim Mittagessen einen Platz reservieren solle. Es war die grüne Zuger Regierungsrätin Manuela Weichelt-Picard. Wir beide sind die einzigen Vertreter der Linken in den Kantonsexekutiven der Zentralschweiz.

In Uri sind Sie der einzige SP-Regierungsrat. Ist es für Sie schwierig, Entscheide mitzutragen, die nicht ihrem Denken entsprechen?

Moretti: Als Landrat habe ich gerne meine Meinung pointiert kundgetan. Ich habe gestritten und debattiert. Als linker Parlamentarier ist man oft in der Minderheit. Dabei lernt man zu verlieren und trotzdem nicht aufzugeben. Auch im Regierungsrat werde ich meine Meinung kundtun und mich für gewisse Themen starkmachen. Aber wenn dann mal ein Entscheid im Kollegium getroffen worden ist, kann ich diesen auch vertreten. Schliesslich kennen die Wählerinnen und Wähler meine Ansichten und wissen, dass ich mich dafür einsetze.

Im Bilderfundus des Kantons hat der in Erstfeld wohnhafte Regierungsrat noch eine Besonderheit ausgewählt: einen Uristier auf gelbem Grund. «Dieses Wappen stammt von einer SBB-Lokomotive. Es passt gut zu Uri und mir.»

Hinweis

Unsere Zeitung blickt mit allen drei Urner Regierungsräten, die am 1. Juni ins Amt gestartet sind, auf ihre Anfangsphase in der Kantonsexekutive zurück. Es sind dies Roger Nager, Urs Janett und Dimitri Moretti.

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