Urner Regierung soll Gleichstellung zum Ziel machen

Die Regierung soll in einem Planungsbericht aufzeigen, wie in Uri die Gleichstellung von Frau und Mann verbessert werden kann. Dies fordern Nora Sommer (SP) und elf weitere Parlamentarierinnen und Parlamentarier.

Florian Arnold
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Es ist augenfällig, dass der Kanton Uri in Sachen Gleichstellung noch Nachholbedarf hat. In der Regierungsreihe im Uristiersaal, der am Mittwoch zum Landratssaal umfunktioniert wurde, sitzen nur Männer. Auch im übrigen Saal gehört gerade mal jedes vierte Pult einer Frau.

Landrätin Nora Sommer (SP, Altdorf) fordert nun gemeinsam mit sieben Mitunterzeichnerinnen und vier Mitunterzeichnern, dass sich die Regierung Gedanken über die kantonale Gleichstellungspolitik macht. Mit einem Postulat verlangen sie einen ausführlichen Planungsbericht. Dieser soll eine Gesamtübersicht der bestehenden, bereits geplanten und weiteren Massnahmen auf kantonaler Stufe enthalten, und auch Schnittstellen der Zusammenarbeit mit dem Bund und den Urner Gemeinden aufzeigen. «Damit soll die Gleichstellung von Frau und Mann im Kanton Uri gezielt und koordiniert vorangebracht werden», so Sommer.

Teilnehmende des Frauenstreiks in Altdorf im vergangenen Jahr.

Teilnehmende des Frauenstreiks in Altdorf im vergangenen Jahr.

Bild: Florian Arnold, (14. Juni 2019)

In den Jahreszielen vergessen gegangen

«Damit die Gleichstellung in der Politik, der öffentlichen Verwaltung, der Wirtschaft und auch im gesellschaftlichen Leben umgesetzt wird, braucht es offensichtlich Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte», stellt Sommer resigniert fest. Im Regierungsprogramm 2016-2020 sei unter dem Legislaturziel Gesellschaft und Familie folgende Massnahme erwähnt worden: «Wir fördern die Gleichberechtigung der Geschlechter und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf». «In den Jahreszielen des Regierungsrates für das Jahr 2020 ist überhaupt nichts zur Gleichstellung zu finden», so Sommer. «Die Ziele der jeweiligen Bereiche werden unserer Meinung nach nur spärlich angegangen und umgesetzt. Die Strategie, dass Männer mehr Frauen Platz machen sollen und Frauen sich mehr um diese Plätze bewerben müssen, scheint offensichtlich nicht aufzugehen.»

Konkrete Fragen gestellt

Die Postulantinnen und Postulanten sind der Meinung, dass diesem Missstand endlich mehr Rechnung getragen werden müsse und der Regierungsrat seine Position für eine aktive Förderung der Gleichstellung nutzen solle.

Konkret soll im verlangten Planungsbericht auf folgende Fragen eingegangen werden:

  • Wie gedenkt der Regierungsrat konkret die Sicht der Frauen einzubeziehen?
  • Wie will der Regierungsrat das Thema Gleichstellung als Legislaturziel 2020 bis 2024 einbringen?
  • Was tut der Kanton Uri für die Sensibilisierung gegen Geschlechterstereotypen innerhalb der Verwaltung, insbesondere bei Führungskräften?
  • Wie wird sichergestellt, dass Frauen und Männer in der kantonalen Verwaltung die gleichen Aufstiegschancen haben und wie gedenkt der Regierungsrat den Frauenanteil in den Kaderpositionen zu erhöhen?
  • Welche Massnahmen trifft der Kanton Uri, damit sich Kinder auf allen Bildungsstufen mit Geschlechterrollen auseinandersetzen, Stereotypen thematisieren und abbauen können und eine Berufswahl frei von Stereotypen treffen können?
  • Wie wird sichergestellt, dass die Bevölkerung im Kanton Uri die jeweiligen Ansprechstellen kennt und gibt es Zahlen zu Beratungsanfragen bezüglich Lohndiskriminierung, sexuellen Übergriffen et cetera?
  • Welche Kompetenzen hat die Gleichstellungskommission? Welche Ziele oder Empfehlungen wurden vom Regierungsrat angegangen und wie wurden sie erreicht? Welche Massnahmen wurden in den letzten Jahren umgesetzt?
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