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Urner Regierungsrat entschuldigt sich bei Verdingkindern und weiht Gedenkstätte ein

In Erstfeld steht nun eine Gedenkstätte für Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen. Die Urner Regierung weihte am Mittwoch das Mahnmal an der Reuss ein.
Paul Gwerder
Die Gedenkstätte liegt am Dammweg in Erstfeld, nördlich der Jagdmattkapelle. (Bild: Paul Gwerder, 6. November 2019)

Die Gedenkstätte liegt am Dammweg in Erstfeld, nördlich der Jagdmattkapelle. (Bild: Paul Gwerder, 6. November 2019)

Gestern am späten Nachmittag waren viele Menschen zum Gedenkanlass für die Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen nach Erstfeld gekommen. Historikerin Tanja Rietmann sagte im Pfarreizentrum: «Es war die Geschichte der kleinen und armen Menschen, der Knechte und Mägde, die mich interessierte und ich wollte wissen, wie der Staat mit diesen Menschen umging.» Bei diesen fürsorgerischen Zwangsmassnahmen platzierte man Kinder in Pflegefamilien und erwachsene Menschen in Arbeitsanstalten. Die damaligen Behörden waren der Meinung, dass diesen geholfen ist, wenn man sie in den Anstalten «nacherzog». «Vielfach wollte man diese unbequemen Menschen einfach ruhigstellen und konnten damit erst noch die Gemeindekasse entlasten», so die Fachfrau. Und sie ergänzte, dass sich die betroffenen Personen gegen diese Massnahmen kaum wehren konnten.

Barbara Bär: «Dunkles Kapitel in unserer Geschichte»

Das Schlimmste an diesen Geschichten sei, dass die Verdingkinder vielfach missbraucht wurden und billige Arbeitskräfte waren. Vor zwei Jahren trat ein Gesetz in Kraft, welches vorsieht, dass die betroffenen Menschen wenigstens heute einen Solidaritätsbeitrag erhalten für das Unrecht, welches an ihnen begangen wurde.

«Was in der Zeit ab Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1970er-Jahre in der Schweiz passiert ist, beschreibt ein dunkles Kapitel in unserer Geschichte», erklärte Gesundheitsdirektorin Barbara Bär. «Sozialstaatliche und polizeiliche Akteure sanktionierten nicht konforme Menschen, ohne dass die Betroffenen dagegen wehren konnten.» Und weiter sagte die Regierungsrätin: «Es sind damals Fehler passiert, die erst gar nie hätten geschehen dürfen. Und wir haben die Fehler trotzdem gemacht. Mit ‹wir› meine ich, wir Regierungsräte, wir Kantonsbehörden, wir Amtsbehörden, wir Heimleitende, wir Bauern und alle die weggesehen haben, obwohl Missbrauch und Ungerechtigkeit offensichtlich waren.»

Man habe Fehler gemacht, das Leben der Betroffenen und ihrer Familien sei zerrüttet und zerstört worden. «Sie mussten leiden wegen uns, sie wurden krank wegen uns, sie wurden missbraucht wegen uns. Und dafür entschuldige ich mich aufrichtig im Namen des Regierungsrats des Kantons Uri bei Ihnen. Ich entschuldige mich im Namen aller Verantwortlichen aus dieser Zeit bei Ihnen und Ihren Angehörigen», sagte eine sichtlich bewegte Barbara Bär.

«Heute setzen wir ein Zeichen, das uns für immer daran erinnert, welche Fehler wir nie wieder begehen dürfen.»

Diese liegt rund 100 Meter südlich der Reussbrücke auf dem Weg zur Jagdmattkapelle. Auf dem Gedenkplatz hat Steinbildhauer Andreas Dohlus einen wunderbaren Stein gestaltet und dort platziert. Eingerahmt wird dieser von zwei stabilen Steinbänken, welche Mitarbeiter des «Sprungbretts» erstellt haben. «Dieser Platz soll für immer an die schlimmen Dinge erinnern, die passiert sind», sagte Samuel Bissig, Vorsteher Amt für Soziales.

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